Konzert von Rapperin Antifuchs auf dem Theaterschiff Heilbronn
Auf ihrer "Feminem"-Tour macht die Rapperin am Freitagabend Stopp in Heilbronn. Was der Abend bietet? Erhobene Mittelfinger, intensive Rapsongs und klare Aussagen gegen Rechts. Der Auftritt von Antifuchs soll der Auftakt einer neuen Konzertreihe sein.

Für das Team des Heilbronner Theaterschiffs ist der Abend ein Testballon. Der Start, um ein neues Format auf der schwimmenden Bühne auf dem Neckar zu etablieren. Der Innenraum unter Deck ist komplett von Stühlen befreit, Nebel aus der Maschine wabert über die Bühne. Ab der kommenden Spielzeit ist unter dem Namen "Discaland in Concert" eine regelmäßige Konzertreihe geplant. Zu Gast bei der Premiere am Freitagabend: Rapperin Antifuchs und 80 Besucher. "Wollen wir doch mal sehen, ob das Schiff standhält", sagt die Frau mit der prägnanten schwarzen Fuchsmaske, die auf ihrer "Feminem"-Tour einen Stopp in Heilbronn einlegt.
Auch Antifuchs hat sie, diese typische Mischung aus Ironie, Arroganz und Selbstsicherheit, die viele Rapper auszeichnet. Nur, dass das Ganze bei der 34-Jährigen ein Stück weniger prollig rüberkommt als bei vielen ihrer vor allem männlichen Genrekollegen. Auf wummernde, angriffslustige Beats packt Antifuchs ihre Reime, die fast immer Ausdruck ihres Dagegenseins sind. Die Antihaltung, die sich bei der Rapperin schon im Namen manifestiert, wird immer wieder durch den erhobenen Mittelfinger unterstützt. Oder durch Textzeilen wie: "Du und meine Streitsucht werden keine Freunde" oder "Fettes Grinsen in der Fresse, dank der Fick-dich-Attitüde".

Klare Aussagen gegen Rechtsextremismus
Lässig tänzelt die 34-Jährige über die Bühne, animiert das Publikum, die Hände im Takt zu schwingen oder "komplett durchzudrehen". Die kleine Fanschar, die sich in Heilbronn versammelt hat, ist textsicher, und die Liebe zur Künstlerin geht sogar so weit, dass sich einige an einem kleinen Stand auf dem Theaterschiff das Fuchs-Logo der Rapperin tätowieren lassen.
Doch Antifuchs, die mit bürgerlichem Namen Emilia Reichert heißt, greift auch ernste Themen auf: Perspektivlosigkeit, Zukunftssorgen, die berühmte Teenage Angst. "1999" ist so ein Lied, in dem die Rapperin, die 1989 in Kasachstan geboren wurde und als Kind mit den Eltern nach Flensburg kam, autobiografisch die schwierige Kindheit und Jugend im "kalten Norden" Revue passieren lässt.
Die Songs der Musikerin sind auch immer als Kampfansage gegen Geschlechterrollen zu verstehen und gegen den Sexismus, der in großen Teilen der Rap-Szene quasi zum "guten Ton" gehört. Ein Feminismuslabel will sich Antifuchs aber bewusst nicht geben. Aber wieso eigentlich nicht? Klare Kante gegen "dumme homophobe Spasten", gegen "dumme Nazis und Rassisten" zeigt dann der Song "Back To The Roots". Darin rappt Antifuchs wütend: "Mir egal wo du herkommst, wer du bist, Doch bist du rechts, ja, dann nimm dir einen Strick". Und sie wird noch konkreter: "Mama hat mir beigebracht, dass jeder von uns gleich ist, doch wer die AfD wählt ist ein großer Haufen Scheiße."

Die Songs der Rapperin strotzen vor Kraft und Intensität, sei es im Lied "Ich find euch scheiße!", das als Breitseite gegen weibliche Kolleginnen zu verstehen ist, und sich im Refrain musikalisch direkt bei der einstigen Girlgroup Tic Tac Toe bedient. Die feierten ihre größten Erfolge um die Jahrtausendwende. "4.20 beim Arzt" ist dann eine augenzwinkernde Glorifizierung von Marihuana. Das Theaterschiff hat die Konzert-Feuerprobe nach knapp 90 Minuten erfolgreich bestanden, auch wenn der Boden manchmal ordentlich wackelt und besuchertechnisch noch Luft nach oben ist. Doch eins ist für Rapperin Antifuchs klar: "Das Theaterschiff ist nun offiziell ein Fuchsbau."
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