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Kolumnist Oliver Maria Schmitt: "Wenn schon tot, dann in Heilbronn"

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"Wenn schon tot, dann in Heilbronn" heißt eine Sammlung von "Hanix"-Kolumnen des Autors. Unermüdlich arbeitet er sich darin an seiner Geburtsstadt ab. Beim Publikum am Freitag im Literaturhaus kommen die mal bissigen, mal warmherzigen Texte gut an.

Obacht: Kolumnist Oliver Maria Schmitt nimmt Heilbronn aufs Korn.
Foto: Ralf Seidel
Obacht: Kolumnist Oliver Maria Schmitt nimmt Heilbronn aufs Korn. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Begrüßung und Einführung sind kaum vorbei, da feuert Oliver Maria Schmitt auch schon die erste Breitseite. "Heilbronn hat im Verlauf der Pandemie ja schon mehrfach beweisen, dass Intelligenz keine unendliche Ressource ist", sagt der Autor und ehemalige Chefredakteur der Satirezeitschrift "Titanic". Sei es doch führend in Sachen schlechte Nachrichten, durch die lange Zeit höchste Inzidenz sowie aktuell durch die meisten Impfunwilligen im Land. Umso mehr freut es Schmitt, "dass Heilbronn endlich zur Hauptstadt der künstlichen Intelligenz wird. Nachdem es mit der natürlichen nicht so recht geklappt hat, wird man dieses Ziel jetzt auf anderem Weg erreichen".


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Auch wenn er mittlerweile in Frankfurt lebt, die Ereignisse in der Stadt, in der er 1966 geboren wurde, bis zum Stimmbruch mit der Punkband Tiefschlag auftrat und 1991 bei der Oberbürgermeister-Wahl kandidierte, die Ereignisse in dieser Stadt also beobachtet Oliver Maria Schmitt noch immer genau. Und kommentiert sie seit gut sechs Jahren in seiner Kolumne im Magazin "Hanix", bissig, ironisch, satirisch überzeichnet. Die 25 "weltbesten" Texte dieser Kolumne hat der selbstbewusste Henri-Nannen-Preisträger in einem bereits im vergangenen Jahr erschienenen Band mit dem Titel "Wenn schon tot, dann in Heilbronn" (Edition Hanix, 188 Seiten, 20 Euro) versammelt. Diesen stellt er am Freitagabend in zwei Lesungen im Literaturhaus am Trappensee vor.

Auch Unveröffentlichtes gab Oliver Maria Schmitt zum Besten

Wobei sich Schmitt die Käthchenstadt, diese "ewig gekränkte Provinzdiva", und ihre Persönlichkeiten erst nach zwei Umwegen vorknöpft. Der erste führt ihn in einer jüngst veröffentlichten Kolumne zum Breitenauer See, genauer gesagt: zur "scheußlichen Mondlandschaft" zwischen Willsbach und Löwenstein, welche Verschwörungsmythen zu einem Badeparadies gemacht hätten, an das Touristen wie Anwohner glaubten. Der zweite führt ihn in einem bald in der "FAS" zu lesenden Text über eine Wanderung von Kloster Schöntal nach Berlichingen zum dortigen alten jüdischen Friedhof, wo er eine lehrreichen Begegnung hatte. "Ein besonderer Ort der Stille und Erhabenheit", merkt Schmitt am Ende der kurzen Episode ganz unironisch an.


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Umso ironischer wiederum gerät seine Abrechnung mit Heilbronner Hamsterkäufern im Frühjahr 2020 nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Bretzelabwürfe, Braunsoßen-Pipelines und Aufs-Maul-Taschen angesichts leergeräumter Supermarktregale empfiehlt der Autor da. Auch ein Video unserer Zeitung über den ersten Sightseeing-Bus Heilbronns sowie der allgemeine Hype um die Buga 2019 werden zum Vergnügen des Publikums in den Kolumnen, die Schmitt vorträgt, nicht von seinem Spott verschont. Warmherzig ist hingegen sein Nachruf auf ein Heilbronner Original, den 2018 verstorbenen Wirt der Gaststätte Kernerhöhe, Lothar Hesser. Am Ende viel Applaus für den selbsternannten Gute-Laune-Doktor, der im Anschluss "die zweite Garde" bespaßt.

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