Katrin Bauerfeind: "Schwäbin bis ans Ende meiner Tage"
Katrin Bauerfeind kommt mit ihrem Bühnenprogramm "Liebe – Die Tour zum Gefühl" nach Heilbronn. Warum Liebe für sie die Emotion der Stunde im Kampf gegen Wut und Hass ist, erklärt sie in diesem Interview.

Für die erste deutsche Internetsendung "Ehrensenf" wurde sie mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet, in der Amazon-Serie "Your are wanted" spielt sie an der Seite von Matthias Schweighöfer. Seit März ist Katrin Bauerfeind Gastgeberin des Live-Podcasts "Frau Bauerfeind hat Fragen" und mit ihrem Bühnenprogramm "Liebe − Die Tour zum Gefühl" in der Republik unterwegs. Wir haben uns mit der umtriebigen Journalistin, Moderatorin und Buchautorin, die am Freitag in der Harmonie auftritt, unterhalten.
Frau Bauerfeind, der Veranstalter wirbt für Ihre Tour mit dem Satz, Sie seien eine Powerfrau: Was ist das, eine Powerfrau?
Katrin Bauerfeind: Das müssen Sie den Veranstalter fragen. Ich empfinde es als Kompliment.
Wie viel Aalen − Oole ausgesprochen − steckt noch in Ihnen?
Bauerfeind: Viel. Man schaut immer aus seinem Kinderzimmer in die Welt. Und ich werde Schwäbin bleiben bis ans Ende meiner Tage. Auch wenn ich in Berlin lebe.
Wie war die Zusammenarbeit mit Harald Schmidt − auch Schwabe − damals in der Late Night Show?
Bauerfeind: Das war eine gute Schule und Ehre, dem Meister bei der Arbeit beizustehen.
Sie haben Technikjournalismus studiert, dann aber Kulturformate präsentiert, die Filmfestspiele in Berlin moderiert und sind nun Gastgeberin des Podcasts "Frau Bauerfeind hat Fragen". Was fragen Sie denn so?
Bauerfeind: Ich frage quer durch den Garten, was man von seinen Eltern gelernt hat, was die blödeste App der letzten Zeit ist, Menschen wie Sarah Kuttner, Olli Schulz, Jürgen Vogel. Im Dezember habe ich Robert Habeck von den Grünen zu Gast. Von Max Frisch und Marcel Proust gibt es doch diese legendären Fragebögen. Ich habe jetzt meinen Fragebogen 2.0..
Fragen zu stellen, scheint eine wesentliche Technik Ihres Berufs zu sein. Bei der Henri-Nannen-Preisverleihung 2011 hat das dem Preisträger nachträglich die Auszeichnung gekostet. Was war das los?
Bauerfeind: Es ging um eine Reportage über Horst Seehofer und dabei auch um dessen Eisenbahn im Keller. Ich war fasziniert, wie man so nahe an einen Politiker herankommt, journalistisch genial. Und habe den Kollegen gefragt, "wie sind Sie in den Keller von Horst Seehofer gekommen?". Er antwortete, er wäre da gar nicht gewesen, sondern habe das nur gelesen.
Was halten Sie von der Praxis im deutschen Journalismus, Wortlautinterviews zum Autorisieren vorzulegen? In anderen Ländern ist das unüblich, in den angelsächsischen sogar undenkbar
Bauerfeind: Ich halte das für eine gute Praxis. Im Zweifelsfall wird ein Interview besser. Und das ist gut für beide Seiten.
Dabei geht doch die Spontanität des gesprochenen Wortes verloren.
Bauerfeind: Dafür kommt es schneller zu geschriebenen Missverständnissen.
Kommen wir zu Ihrem aktuellen Live-Programm "Liebe − Die Tour zum Gefühl". Jetzt mal ehrlich, ist zu dem Thema nicht alles gesagt?
Bauerfeind: Aber nicht von mir. Liebe ist die spannendste Emotion, die es seit Menschengedenken gibt. Sie hält alles am Laufen. In diesen Zeiten, in denen relativ viel Hass und Wut herrschen, hält mein Programm dagegen. Wut wird ernst genommen, Liebe klingt für viele wie Kitsch. Mir geht es ja nicht nur um Paarliebe, sondern um Hassliebe, Heimatliebe, Kinder- und Tierliebe.
Unter der Rubrik Privates vermerkt Wikipedia: Seit ihrem siebten Lebensjahr spielt Bauerfeind Saxofon. Gibt es da noch etwas anderes?
Bauerfeind: Das reicht doch. Was will man mehr wissen?
Etwa, ob #MeToo nach einem Jahr im Sande verlaufen ist?
Bauerfeind: Debatten kommen und gehen, was zählt, ist, dass es die Gesellschaft voranbringt. #MeToo hat etwas angestoßen, die Karten liegen jetzt auf dem Tisch.
Zur Person
1982 in Aalen geboren, lebt Katrin Bauerfeind in Berlin. Die Journalistin, Moderatorin, Buchautorin und Schauspielerin studierte nach dem Abitur in Aalen Technikjournalismus in Sankt Augustin, Für die Internet-TV-Sendung "Ehrensenf" erhielt sie den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin moderierte sie Eröffnung und Preisverleihung. Von 2009 bis 2011 gehörte sie zum Team von Harald Schmidts Late-Night-Show. Seit März ist Bauerfeind Gastgeberin des Live-Podcasts "Frau Bauerfeind hat Fragen". Nach ihren ersten beiden Büchern "Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag" und "Hinten sind Rezepte drin − Geschichten, die Männern nie passieren würden" ist 2018 "Alles kann, Liebe muss" erschienen.
Auftritt in Heilbronn
Freitag, 20 Uhr, Harmonie, Wilhelm-Maybach-Saal. Karten in den bekannten Vorverkaufsstellen, Abendkasse und in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme.
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