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Heilbronn

Kammermusik mit lebhafter Erzählkraft

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Musiker des WKO und der Schwede Lars Jönsson am Klavier überzeugen beim Konzert "Phantasmania" bei der Kammermusikreihe der Kreissparkasse Heilbronn.

Von Monika Köhler
Lebhafte Erzählkraft: WKO-Kammermusiker an den Saiten und Lars Jönsson am Flügel beim Kammerkonzert "Unter der Pyramide".
Foto: Monika Köhler
Lebhafte Erzählkraft: WKO-Kammermusiker an den Saiten und Lars Jönsson am Flügel beim Kammerkonzert "Unter der Pyramide". Foto: Monika Köhler  Foto: Köhler, Monika

Heute erscheint es kaum mehr vorstellbar, dass das einst von Mozart erfundene Klavierquartett ein so beschauliches Dasein fristete, bevor es Robert Schumann in seinem fruchtbaren "Kammermusikjahr" 1842 wiederentdeckte. Denn wie anregend und abwechslungsreich die Besetzung mit Klavier und drei Streichern sein kann, zeigt sich im mit "Phantasmania" überschriebenen Konzert des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn in der Kammermusikreihe der Kreissparkasse.

Der fantastische Titel bezieht sich weniger auf Schumann als auf den englischen Komponisten und Bratschisten Frank Bridge und sein 1910 entstandenes "Phantasy-Quartet" in der tollkühnen Tonart fis-Moll. Den Boom frühbarocker englischer Musik zum Thema Fantasy aufgreifend, verarbeitete Bridge die Abschnitte in einem mehrteiligen Einzelsatz, bei dem die musikalischen Tempi ineinander fließen. Mit lebhafter Erzählkraft widmen sich Marlise Riniker (Violine), Irene Lachner (Viola) und Gabriel Faur (Cello) mit dem Gast des Abends, dem in Schweden geborenen und unter anderem in Stuttgart wirkenden Pianisten Lars Jönsson, Bridges eindringlicher Klangsprache.

Wechsel zwischen Tasten und Saiten

Eine tiefe Innerlichkeit liegt bei dem wie immer von Georg Oyen humorvoll moderierten Konzert über der Szenerie, die mit wilden Stakkati und sanften Arpeggien am Flügel, eingehüllt vom weichen Streichernebel, berührt. Lustvoll wechselt das klar umrissene Motiv zwischen Tasten und Saiten.

Und während die Musik noch den Atem der Romantik atmet, lassen scharfe Töne schon die Aufbruchstimmung des 20. Jahrhunderts ahnen. Faszinierend ist zu erleben, wie Jönsson einerseits seinen Platz als Solist behauptet, während er andererseits mit dem Ensemble verschmilzt. Bei Aaron Coplands Quartett von 1950, das mit seiner dissonanten Grundhaltung den Hörgewohnheiten zuwiderläuft, agieren die vier Musiker indes zunächst alle wie Solisten und wachsen erst nacheinander zusammen.

Hell erleuchtetes Finale

Mit großem Ernst erfolgen die Bogenstriche und parallel gesetzte Klangcluster auf dem Flügel in einem Werk, das Ruhe ausstrahlt und mit Aufbäumen Tumulte verursacht. Nur genaues Aufeinanderhören, miteinander Atmen, eingehaltene Pausen und punktgenauer Einsatz ermöglichen es, das diffizile Klanggerüst aufrecht zu erhalten.

Da verwundert es nicht, dass Copland für den 3. Satz ein "Non troppo lento" fordert, besteht doch nach den eruptiven Ausbrüchen leicht die Gefahr, ins Elegische zu verfallen. Was hier mit spannungsvollen Wendungen unterbunden wird. Zum Schluss gibt es mit Schumanns Es-Dur Quartett Vertrautes mit Rücksprung ins 19. Jahrhundert: Geheimnisvoll mit ansteigender melodischer Weite und Kantabilität, das Andante cantabile als schwärmerischer Dialog von Cello und Violine, mündend in mitreißendem Liebesrausch und einem mit schnellen Läufen und punktierten Rhythmen hell erleuchteten Finale.

 

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