Jenseits von Genesis
Ray Wilson und Band spielen bei der Kulturinitiative Blacksheep im ausverkauften Kursaal

"Als Schotten sind wir natürlich gern unter anderen Schafen, sagt mein Bruder." Ray Wilson deutet auf den Mann neben ihm, den mit der Glitzergitarre, und fügt hinzu: "Es ist schön, wieder hier zu sein." Über diese Referenz zum Blacksheep-Festival gibt es viel Freude im Publikum. 2014 erst hatte die Bonfelder Kulturinitiative das Festival in der heutigen Form ins Leben gerufen, Ray Wilson war bei der ersten Runde dabei. Nun haben die Macher den Popsänger für einen Einzelgig im ausverkauften Kursaal gewonnen.
Wichtigster Teil dieser Band ist der erwähnte Bruder von Ray Wilson. Steve Wilson spielt Sologitarre und unterstützt seinen Bruder beim Gesang. Ray Wilson spielt an diesem Abend eigene Lieder, unter anderem von seinem aktuellen Album "Makes me think of home". Hauptsächlich werden aber alte Genesis-Hits zum Besten gegeben.
Klarer Gesang 1997 war Wilson nach dem Ausstieg von Phil Collins für ein Album von Genesis als Sänger engagiert worden. Da die Platte jedoch nicht den erhofften Erfolg brachte, trennten sich die Wege bald wieder. Auf der Genesis-Welle reitet Wilson allerdings immer noch. Er eröffnet den Abend mit dem Genesis-Hit "No Son of Mine". Tatsächlich erinnert die helle Stimme des Schotten an die des Originalinterpreten Phil Collins.
Wilsons klarer Gesang, nach Manier der Popsongs der 80er und 90er mit ordentlich Hall ausgestattet, zieht das Publikum schnell in seinen Bann. Bis kurz vor die Pause halten die Zuschauer es aus. Dann springen sie von ihren Stühlen auf zu den Klängen von "Take me home" aus der Feder von Phil Collins.
Geigen-Solo Auch Geigerin Steffi Hölk macht an diesem Abend Eindruck. Ihr erstes großes Solo wird vom Publikum derart bejubelt, dass Wilson sagt: "Ich werde den Namen der Band in Stefanie-Hölk-Band umändern." Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Ich arbeite ab jetzt für dich, Steffi." Das Solo der Diplom-Violinistin ist ebenfalls aus einem Genisis-Hit, nämlich "Follow you, follow me" aus den 70er Jahren.
Dabei muss sich Wilson durchaus nicht hinter Genesis verstecken. Auch jenseits der Supergroup hat er einiges zu bieten. Sein Stück "Ever the reason" zum Beispiel ist ein schöner Pop-Song und wird vom Publikum gefeiert. Der Text handelt von der zerstörerischen Beziehung der Erzählers zu einem Menschen, "der nicht gut ist für deine Seele", so Wilson. "Better to be alone", lieber allein sein, singt Wilson melancholisch und entfaltet beim Refrain das volle Gänsehautpotenzial seiner Stimme. Live klingt das Stück noch besser als auf der doch etwas glatten Studioaufnahme. Wilsons Gesang ist präzise und gefühlvoll und der 48-Jährige weiß die Spannbreite seiner Stimme gekonnt einzusetzen.
Nach dem Auftritt verweilt er noch für eine Autogrammstunde mit den Fans. Indes bereiten sich die Veranstalter auf das Blacksheep Festival Ende Juni in Bonfeld vor.
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