Gernot Hassknecht aus der "Heute Show": Komiker im ausverkauften Kurhaus Bad Rappenau
Hans-Joachim Heist ist bekannt geworden mit der cholerischen Figur Gernot Hassknecht in der ZDF "Heute Show". Der 75-Jährige zeigte am Freitagabend ein anderes Gesicht im Kurhaus Bad Rappenau – nämlich das von Heinz Erhardt.

Die Verwandlung dauert nur eine Sekunde. Kurz dreht Hans-Joachim Heist dem Publikum den Rücken zu, setzt sich eigentlich nur die schwarze Hornbrille auf und ist beim erneuten Umdrehen dennoch komplett verändert. Plötzlich steht da tatsächlich Heinz Erhardt auf der Bühne, der Meister der gepflegten Verwirrung und Wortverdrehung.
Und doch bleibt man erst einmal stutzig. Hans-Joachim Heist ist vor allem aus der ZDF-"Heute Show" bekannt, wo er die cholerische und nicht immer politisch korrekte Figur Gernot Hassknecht spielt, die chronisch aus der Rolle fällt. Er soll den spitzbübisch-verschmitzten Erhardt, den Komiker Nummer eins der Wirtschaftswunder-Ära, geben? Dass das hervorragend funktioniert, davon kann sich am Freitagabend das Publikum im ausverkauften Kurhaus überzeugen. Mit "Noch"n Gedicht" ist der Abend überschrieben, der eine Rundreise durch den schier endlosen Erhardtschen Humorfundus wird.
Hans-Joachim Heist aka Gernot Hassknecht aus der "Heute Show" als Heinz Erhardt
Eine gewisse Ähnlichkeit ist definitiv vorhanden, sei es die Körperstatur, die Frisur mit nur noch wenig Haaren - oder wie Erhardt es beschreiben würde: "My pony is over the ocean". Aber Heist gelingt es auch Erhardts Mimik und Habitus zu imitieren, den Sprachrhythmus und die unverwechselbaren Körperbewegungen einzufangen mit den schlenkernden Armen - die Verkörperung des Unbeholfenen, Trotteligen, aber auch Biederen. Heist zeigt sich als Fan, der Erhardts biografische Eckdaten und Kurioses abklopft. Erzählt beispielsweise von dessen "10 Pfennig Oper", die, gespickt mit Stars wie Hans Joachim Kulenkampff, Karl Dall, Helga Feddersen und Chris Howland, nur einmal im Fernsehen ausgestrahlt wurde und seitdem in den Untiefen des ZDF-Archivs in Mainz verschwunden ist. "Erhardt hat Kultstatus", sagt Heist. "Den werden die heutigen Comedystars nicht bekommen", ist der 75-Jährige überzeugt.
Heist zeigt in seiner liebevollen Hommage Erhardts große Bandbreite, rezitiert neckische Vierzeiler, Gedichte, baut Bonmots und Blödeleien ein, verbindet das mit Kommentaren wie "Sie sind aber albern heute Abend. Wir sind doch nicht zum Vergnügen hier". Und da werden bekannte Lieder eingestreut wie "Immer wenn ich traurig bin" oder "Fährt der alte Lord fort" - eingeleitet mit den Worten "Bitte sehr, Herr Kapellmeister, wenn Sie mich noch Mal kurz betasten möchten".
Auftritt im Kurhaus: Feist sucht den Kontakt mit dem Publikum in Bad Rappenau
Das versprüht Nostalgie, das Publikum kann teilweise mitsprechen, sei es bei der berühmten "Made" - "Hinter eines Baumes Rinde, wohnt die Made mit dem Kinde" oder bei der Sturz-Geschichte des "Ritter Fips": "Es stand an seines Schlosses Brüstung, der Ritter Fips in voller Rüstung." Heist sucht die Nähe zum Publikum, gibt dem Abend damit eine eigene Note. Da wird nach dem Ort mit dem albernsten Namen gefragt, Gaildorf macht am Ende das Rennen und wird kurzerhand in ein Gedicht eingebaut. Bei "Das Gewitter" deutet er mehrfach fragend ins Publikum, um dann festzustellen: "Nein, ist heute keine da" - und setzt dann mit der nächsten Zeile fort: "Da, eine Jungfrau tritt hinaus in die Nacht." Viel Applaus nach zwei Stunden. Und als Zugabe? Logisch, "noch"n Gedicht".
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