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Hannes und der Bürgermeister: Zwei Berufsschwaben sagen ade

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Hannes und der Bürgermeister wollen es noch einmal wissen: Seit fast vier Jahrzehnten verkörpern Karlheinz Hartmann und Albin Braig den Inbegriff des schwäbischen Volkstheaters. Auf ihrer Abschiedstournee bruddeln, toben und feixen sie am Montag und Dienstag vor jeweils ausverkauften Rängen in der Heilbronner Harmonie.

Ein Tisch, ein Telefon, zwei großartige Schauspieler: Bürgermeister (Karlheinz Hartmann) und Hannes (Albin Braig) waren ein letztes Mal in Heilbronn.
Foto: Mario Berger
Ein Tisch, ein Telefon, zwei großartige Schauspieler: Bürgermeister (Karlheinz Hartmann) und Hannes (Albin Braig) waren ein letztes Mal in Heilbronn. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

"Der Hannes soll reikomme": In der Komedescheuer der Mäulesmühle brüllte der Bürgermeister seinen Amtsboten 1985 zum ersten Mal zum Rapport. Seither steht das Duo für knitzen Humor, Schenkelklopfer-Sketche und derbes Honoratiorenschwäbisch. Nichts anderes erwartet die große Fangemeinde, die das Format aus dem Theater und aus dem Fernsehen kennt.


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Jeweils 1600 Besucher an zwei Abenden

Für die Abschiedstournee gibt es kaum noch Karten. In der Harmonie bleibt an zwei Abenden bei jeweils 1600 Besuchern kein Platz frei - oder in den Worten von Herrn Stumpfes Zieh- Zupf-Kapelle, die ständiger Begleiter ist und viel mehr als ein musikalischer Pausenfüller: "Do kommet Leit, Leit, Leit." Und "die Leit" haben Spaß. Das Duo liefert, wenn auch mit einigen Anlaufschwierigkeiten. Der Nummer mit der katholischen und evangelischen Feuerwehr, die überkreuz liegen und sich gegenseitig die schönen Brände neiden, fehlt es etwas an Pfeffer. Karlheinz Hartmann in der Rolle des cholerischen Rathauschefs gibt nicht mehr bei jedem Wutausbruch den Schwabenvulkan, wirkt bisweilen fast altersmilde.

Das Schnäpsle, das der bauernschlaue Amtsbote sonst umständlich erbetteln muss, wird anstandslos rausgerückt, und man ist angesichts solcher Gemächlichkeit schon geneigt zu denken: Vielleicht hat das Format sein Verfallsdatum überschritten. Doch der Abend hält noch die ganz besonderen Hannes-und-der-Bürgermeister-Momente bereit. Grandios, wie viel Sprachwitz im Bericht von einer Wirtshauskeilerei stecken kann. Dem Besucher aus dem Norden ("Niederer als ein Sachse, ein Niedersachse") bekommt es schlecht, als er sich zu den Einheimischen an den Stammtisch gesellt.

Sprachwitz: Poesie einer Kneipenschlägerei

Ein Schimpfwort gibt das andere, "Kehrwochen-Terroristen und grätenloser Fisch" bekommen sich in die Wolle, prügeln aufeinander ein ("Völkerschacht von Leipzig isch nix dagegen") und schließen Frieden, getreu dem neu erdachten PR-Spruch der Gemeinde: "Schwaben treffen, Freunde finden." Weil der Kirche der Kleinstadt die Freunde abhanden kommen, ersinnen die beiden Kultfiguren Ideen gegen den Besucherschwund, etwa Freitickets für den Gottesdienstbesuch - "wenns ebbes omsonscht gibt", wird der Schwaben schon kommen.

Die Besucher erfahren, dass ein Bierglas durchaus "voll leer" sein kann. Sie lernen den feinen Unterschied zwischen "jetzt, gschwend, sofort und glei" und fühlen sich am Ende bestens unterhalten. Ohne Zugabe kommen die Berufsschwaben nicht von der Bühne. Das war es mit dem Komiker-Duo in Heilbronn.

Da kommt schon etwas Wehmut auf. Die Zieh- und Zupfkapelle beherrscht auch das melancholische Fach und singt zum Abschluss die Ballade vom "Wirtshaus im Flecka", das dichtgemacht hat. "Es hat sich nimmer rentiert." Dann merken alle, was sie an ihrer Dorfkneipe hatten. Auch Hannes und der Bürgermeister werden fehlen. Vielleicht nicht glei. Aber irgendwann bestimmt.

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