Grundsätzlich offen
Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld Das Alter? "Man sollte nicht so viel Wesen darum machen." Hannelore Droege hat gut reden. Die gebürtige Berlinerin, die nach Stationen quer durch die Republik wieder in Hamburg lebt, findet sowieso wenig ...

Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld
Das Alter? "Man sollte nicht so viel Wesen darum machen."
Hannelore Droege hat gut reden. Die gebürtige Berlinerin, die nach Stationen quer durch die Republik wieder in Hamburg lebt, findet sowieso wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Und dürfte die Komplimente ob ihres jugendlichen Aussehens gewohnt sein.
Vielbeschäftigt und gefordert ist die Schauspielerin und Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die Droege nach dem frühen Tod ihres Mannes alleine aufzog, zeit ihres Lebens. Ihr 73.?Geburtstag am 1.?August fällt in ihr Engagement bei den Burgfestspielen, es ist Droeges zweiter Sommer in Jagsthausen.
Im "Götz von Berlichingen" spielt sie die Frau vom Götz, in "Anatevka" die Golde, in "Ronja Räubertochter" die Lovis. Und die Oberstudienrätin Windscheidt in "der guten, alten ,Feuerzangenbowle"", wie Hannelore Droege die Inszenierung von Axel Schneider nennt, "die seit 1997 durch die Lande zieht". Sie und Klaus Falkhausen sind von der Urbesetzung noch dabei.
"Schauspielen ist Passion. Obwohl ich immer sage: Theater ist nicht das Leben." Seit 1997 arbeitet sie in Hamburg am Altonaer Theater unter Schneider, der auch künstlerischer Leiter der Burgfestspiele ist. Nach dem Studium Anfang der 60er Jahre an der Schauspielschule Bochum hat Droege in Karlsruhe, Frankfurt und Düsseldorf gespielt, bis sie mit ihrem Mann und Kollegen Hubert Suschka nach Hamburg ging, und Jahre später dann in Celle, Hildesheim und Koblenz gastierte.
Ein Zugvogel, berufsbedingt. Aber nicht nur berufsbedingt. "Ich bin ein Flüchtlingskind", erzählt Hannelore Droege. 1942 geboren in Berlin, wurde die Halbwaise in Königsberg ausgebombt, war mit den Großeltern in Dänemark interniert und kam nach dem Krieg nach Ravensburg, wo sie bei Bauern wohnte. Nach dem Ende der Blockade 1949 kehrt das junge Mädchen nach Berlin zurück. Eine Städterin? "Man kann mich auf eine Wiese setzen, und ich bin glücklich", erklärt Hannelore Droege, die lange Jahre in der Lüneburger Heide lebte, warum sie sich in Jagsthausen wohl fühlt. Hündin Chou-Chou ist auch dabei, ein Mischling aus Galizien. Dreimal täglich drehen Frauchen und Hund eine Runde. Droeges Premieren, vier an der Zahl, sind durch.
Disziplin Seit Probenbeginn am 19.?April ist dieser Dienstag der erste freie Tag für Hannelore Droege. "Wenn man muss, aktiviert man sich." Disziplin ist oberstes Gebot in einem Beruf, bei dem man ungeschützt auf der Bühne steht. Dem breiten Publikum wurde sie Anfang der 90er durch die Fernsehserie "Unser Lehrer Dr. Specht" bekannt.
Dass die Zeit vergeht und neue, andere Theaterästhetiken mit sich bringt, nennt Droege einen Gewinn. "Ich bin als Frau grundsätzlich offen." Im Dialog mit ihren Töchtern und Enkeln muss sie das auch, vermutet die Schauspielerin, warum im Vergleich so manch älterer männlicher Kollege "stehen geblieben ist" bei einer "sehr traditionellen" Vorstellung von Regie.
"Am Puls der Zeit" sein, aus dem Mund von Hannelore Droege klingt das nicht wie eine Leerformel.
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