Gaffenberg-Festival: Groß geworden und gesundgeschrumpft
Heilbronn - Ausgebuchter und stimmungsvoller Auftakt: Das 23. Gaffenberg-Festival ist wieder auf den Berg zurückgekehrt und hat zum Start mit Hubert von Goisern & Ganes perfekte Weltmusik präsentiert. Bis Samstag stehen namhafte Künstler auf der Bühne im Wald.
Heilbronn - Ausgebuchter und stimmungsvoller Auftakt: Das 23. Gaffenberg-Festival ist wieder auf den Berg zurückgekehrt und hat zum Start mit Hubert von Goisern & Ganes perfekte Weltmusik präsentiert. Bis Samstag stehen Konstantin Wecker und Hannes Wader, Eure Mütter, die Brenz Band sowie Gerhard Polt samt Biermösl Blosn auf der Bühne im Wald.
Weitere Infos unter www.gaffenbergfestival.de
Rückblick: Groß geworden und gesundgeschrumpft

Ohne Gaffenberg-Festival würde etwas fehlen in Heilbronn: Deshalb unterstützt auch der Verein Heilbronner Kulturtage, der das Festival veranstaltet, die Aktion "SOS Gaffenberg" und sammelt Spenden während der noch bis Samstag laufenden 23. Auflage des beliebten Großereignisses.
Immer hat das Festival, das von fast 400 ehrenamtlichen Helfern getragen wird, auf bekannte und neue Namen gesetzt, Musik und Kabarett zu seinem Schwerpunkt gemacht und sich mit dem inzwischen auf Eis liegenden Wettbewerb "Heilbronner Lorbeeren" auch um den Nachwuchs verdient gemacht. Die Helfer leben auf dem Gaffenberg, diesem Ort der Toleranz und Weltoffenheit, eine andere Lebensform. Unten, im richtigen Leben, arbeiten sie, um sich Urlaub leisten zu können. Oben, auf dem Berg, leisten sie es sich, umsonst zu arbeiten. Dafür nehmen sie Urlaub. Das Festival ist ein kollektives Intensiverlebnis, das die Mitarbeiter zusammenschweißt und die Grenzen der Leistungs-, Leidens- und Erlebnisfähigkeit auslotet.

1990 hieß das Motto "Der Süden lacht". Gemäß der Erkenntnis, dass Süddeutschland, Österreich und die Schweiz nicht nur jede Menge High Tech exportieren, sondern auch eine erquickliche Anzahl an Spöttern und Querdenkern beherbergen. Dem Süden sind die Kulturtage immer noch verbunden, wie die Auftritte von Hubert von Goisern, Gerhard Polt und LaBrassBanda zeigen.

Deix-Plakat
1990 machte der Kulturtage-Verein durch die spektakuläre Deix-Ausstellung mit 50000 Besuchern im Deutschhof Furore. Der Verein engagierte Gianna Nannini für ein Konzert im Stadttheater oder buchte Hubert von Goisern und sein Konzertschiff für den Hafen. Spektakulär war der Auftritt von Harald Schmidt zum Tourneeauftakt in der Harmonie. Deix hinterließ seine Spuren auch auf dem wunderbaren Festival-Plakat von 1993 mit dem "Heilbronner Lichtermann". Die 90er Jahre waren fett: 1993 waren alle 20.000 Karten nach drei Tagen vergriffen.
Ab 2000 setzte der schleichend Publikumsverlust ein, der Einbruch kam 2007: Konkurrenzveranstaltungen und ein verändertes Freizeitverhalten forderten ihren Tribut. 2008 fiel das Festival aus, 2009 gab es eine abgespeckte Neuauflage. 2010 wich man in den Deutschhof aus. Bemühungen, das Publikum zu verjüngen, zeigten wenig Erfolg. Also machen die Veranstalter ein Festival für ein Publikum, das so ist wie sie. "Wir sind mit unserem Publikum älter geworden", sagt Festivalchef Rudi Faul. Und dieses 50-plus-Publikum will nicht mehr von Zelt zu Zelt pilgern, sondern sich auf ein, zwei Acts konzentrieren. Das Festival hat eine schwierige Phase hinter sich. Aber es ist, wie es aussieht, gesundgeschrumpft.


Stimme.de
Kommentare
am 14.07.2011 10:42 Uhr
Das ist schon nicht mehr "Der Gaffenberg" seit sogenannte Scenegänger da oben angefangen haben am Prosecco zu nippen. Die mit den Sonnenbrillen in Klobrillengröße. Weißt, wie ich mein?
am 14.07.2011 10:06 Uhr
Der Publikumsschwund ist meiner Meinung nach nicht auf verändertes Freizeitverhalten zurück zu führen. Ich kenne viele, die wie ich seit der Rückführung des Festivals auf eine Bühne nicht mehr hingehen. Der große Reiz des Festivals war doch, dass man zwischen den Bühnen pendeln konnte, überall reinschnuppern und sich das für einen interessanteste aussuchen konnte. Heute ist es nur noch ein ganz normaler Auftritt von Künstlern, die man auch in der Harmonie oder jeder anderen Halle anschauen kann. Das ist nicht mehr "DER GAFFENBERG"
am 14.07.2011 10:03 Uhr
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