Frühe Avantgardistin mit Bodenhaftung
Die Künstlerin Hal Busse ist im Alter von 91 Jahren gestorben

In den 50er und 60er Jahren hat sie mit Otto Piene, Heinz Mack und Yves Klein in Düsseldorf und Berlin ausgestellt. Zur selben Zeit wie Günther Uecker schuf sie Nagelbilder. Ihre Streifenbilder kamen in die engere Auswahl für die Documenta in Kassel. Doch obwohl Hal Busses Werk zur internationalen Avantgarde zählt, sie Stipendien im In- und Ausland erhielt und als eine der ersten Künstlerinnen Mitglied im Deutschen Künstlerbund war, wird sie nie berühmt wie die männlichen Kollegen: symptomatisch für die Kunst von Frauen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Vergangene Woche ist Hal Busse im Alter von 91 Jahren gestorben: eine Künstlerin, die Bilder und Objekte aus unterschiedlichsten Materialien und in verschiedensten Techniken schuf. Für "Die Zeit" zählt Busse zu jenen "verkannten Genies", der die Wochenzeitschrift aus Hamburg vor drei Jahren eine Titelgeschichte widmete. "Ich war eigentlich niemand, der ganz vorne marschieren wollte", hat sie zu ihrem 90.Geburtstag gesagt. Doch die Hochbegabte hat ganz vorne mitgemischt.
Die Tochter des Malers Hermann Busse wird am 14. Mai 1926 in Jagstfeld geboren, studiert an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Manfred Henninger und Willi Baumeister. Für kurze Zeit lebt sie in Paris, 1956 heiratet sie den Maler Klaus Bendixen (1924-2003) und zieht mit ihm 1961 von Stuttgart nach Hamburg. Malen tut sie bis zuletzt in dem Haus im Osten Heilbronns, in das ihre Eltern in den 60er Jahren von Jagstfeld ziehen und wohin sie 1980 zurückkehrt, um ihre Mutter zu pflegen.
Die gebremste Karriere der Hal Busse erzählt viel über Frauen in der Männerwelt. Der Gatte wird zum Kunstprofessor in Hamburg berufen, die zweite Tochter kommt zur Welt, Busse versucht beides zu sein: Familienmutter und Künstlerin. "Durchsetzen ist nicht mein Ding", bringt sie einmal ein weibliches Dilemma auf den Punkt.
Und doch nimmt Hal Busse immer wieder an Wettbewerben für Kunst am Bau teil, entstehen kinetische und farbige Objekte, Zeichnungen und Druckgrafiken. 1968 erhält sie ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris. Busse malt Bilder mit politischem Inhalt, inspiriert von der Pop Art. In allen Phasen ihrer Entwicklung schafft die Wahl-Hanseatin immer wieder Strand- und Badeszenen. 1982 entsteht für das Freibad in Kirchhausen die Skulptur "Springer". In den letzten Jahren sind Gartenimpressionen und Aquarelle ihr Thema: Figuration und Abstraktion, Landschaften und Rasterbilder sind für Busse kein Widerspruch.
Dass die Mutter "über die Jahre vielfältiger war als der Papa", fiel beiden Töchtern auf, erinnert sich Katarina Bendixen, die wie die Eltern Künstlerin ist. Vergangenen Freitag wurde Hal Busse im engsten Familienkreis auf dem Heilbronner Hauptfriedhof beigesetzt.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare