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Jahreswechsel

Fast wie früher: Das Kulturleben 2022 in der Region

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Baden-Württembergische Theatertage, der neue Götz, Die Ärzte im Regen, ein Selbstbildnis von Max Beckmann für 23,2 Millionen Euro und Ärger um eine nicht gehaltene Vernissagen-Rede von Sibel Kekilli: Die Kultur hat sich erholt und hofft auf mehr Besucher. Was 2022 kulturell in der Region geboten wurde und ein erster Blick auf das Jahr, das kommt.

 Foto: Seidel

"Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Pandemie unsere vielfältige Kultur kaputt macht", hatte Kulturstaatsministerin Claudia Roth Anfang des Jahres die Lage auf den Punkt gebracht. Was auch die Kultur in unserer Region eindrucksvoll bewiesen hat in den vergangenen Monaten. Wenngleich, und dies ist ein bundesweiter Trend, die Besucherzahlen bis auf jene Ausnahmen, die die Regel bestätigen, im Theater, bei den Freilichtspielen, bei Konzerten, in Museen, den Kinos und den Kleinkunstbühnen unter dem Vor-Corona-Niveau liegen. Das Publikum kommt nicht so selbstverständlich wie einst. Doch besteht Hoffnung für das neue Jahr. Soeben hat Christian Droste, der Virologe der Nation, das Ende der Pandemie verkündet.

Seit März läuft der Betrieb am Heilbronner Theater wieder ohne Einschränkungen. Um Abonnenten zurückzugewinnen, bietet das Theater "Welcome (Back)"-Tickets an. Nicht unumstritten, vom Publikum indes gut angenommen, ist die neue Spielstätte Salon 3 im K 3. Ebenfalls im März eröffnet, wird der Salon von der Theaterpädagogik genutzt, aber auch für kleinere Spielformate.

Anfang Juli war Heilbronn Gastgeber der 25. Baden-Württembergischen Theatertage. Corona-Erkrankungen in den Ensembles der teilnehmenden Staats- und Stadttheater, Landesbühnen und freien Theater wirbelten den Spielplan durcheinander. Mit nur mehr als 5000 Theaterfreunden allerdings enttäuscht die Besucherzahl.

"Science & Theatre" findet im November 2023 wieder statt

2023 dürfte neben dem Figurentheaterfestival "Imaginale" im Februar und dem Festival für zeitgenössischen Tanz "Tanz! Heilbronn" das Festival "Science & Theatre" in Kooperation mit der Experimenta Erwartungen wecken. Bereits im April wird dort mit "Die Veredelung der Herzen" das Stück von Mario Wurmitzer uraufgeführt, mit dem der Österreicher den Dramenwettbewerb "Science & Theatre" 2021 gewonnen hatte.

Zwei Jahre war Pause, im Sommer gab es wieder Burgfestspiele in Jagsthausen mit einem neuen "Götz von Berlichingen" mit Stephan Szász in der Titelrolle in der Regie von Wolfram Apprich: eine wohltuend reduzierte, kluge Inszenierung.

Einer der international gefragten Künstler aus Deutschland

Mit der großen Schau "Teenage Wasteland" stellt mit dem in Heilbronn aufgewachsenen Anselm Reyle beim Kunstverein in der Kunsthalle Vogelmann einer der international gefragten Künstler Deutschlands aus. Für Aufregung sorgt die nicht gehaltene Vernissagen-Rede von Sibel Kekilli. Die Schauspielerin aus Heilbronn, die zur Eröffnung eingeladen war, kann aufgrund von Corona nicht anreisen und schickt ihre Rede als Videoaufzeichnung - die der Kunstverein zur Eröffnung im Juli nicht zeigen kann und will.

Mit einer beeindruckenden Liste renommierter Autoren und Wissenschaftler hat das Literaturhaus Heilbronn sein ambitioniertes Programm fortgeschrieben und für 2023 unter anderem Ilija Trojanow, Robert Menasse und Juri Andruchowytsch angekündigt.

Überfüllte Züge und Frust am Heilbronner Bahnhof

 Foto: Schulze

Nach neun Jahren, seit dem Auftritt der Toten Hosen 2013, fand in Heilbronn wieder ein großes Open-Air-Konzert statt. Ende Juni macht die Berliner Rockband Die Ärzte Halt im Frankenstadion. 20 000 Fans erleben eine zweieinhalbstündige, intensive Rockshow im strömenden Regen. Die Heimreise bleibt einigen Fans weniger gut in Erinnerung: Überfüllte Züge sorgten für lange Wartezeiten und Frust am Heilbronner Hauptbahnhof.

7500 Besucher kamen 2022 zu den Auftritten von Silbermond und Wincent Weiss beim Würth-Open-Air in Künzelsau. Die ersten Acts für die 22. Ausgabe vom 23. bis 24. Juni 2023 auf dem Gelände des Carmen-Würth-Forums stehen schon fest: Die Fantastischen Vier und Clueso. Prominente Künstler waren in diesem Jahr auch beim Haigern live-Festival zu Gast. Bosse, Lotte und allen voran der belgische Singer-Songwriter Milow sorgten für gute Stimmung bei den 25 300 Besuchern, die an vier Tagen nach Talheim kamen.

Wer 2023 nach Bonfeld kommt

"Wir haben auch für das kommende Jahr ein, zwei Highlights geplant", sagt Haigern-Cheforganisator André Späth, der, wie viele Veranstalter, über gestiegene Preise stöhnt - sowohl, was die Buchung von Künstlern betrifft, als auch die Kosten für Bühne und Technik. Die 13. Auflage des Haigern live findet vom 21. bis 24. Juli 2023 statt. Auch das Blacksheep-Festival startete erfolgreich nach der zweijährigen Coronapause: 7500 kamen 2022 nach Bonfeld. Erste Bands für die achte Auflage, die vom 22. bis 24. Juni 2023 stattfindet, wurden bereits verkündet: Mit dabei sind unter anderem Suzi Quatro, The Hooters, Bosse, Granada, Tom Gregory und Julian Pförtner.

Für Letzteren ist das Jahr 2022 ein besonderes. Bei seiner Teilnahme bei der TV-Casting-Show "The Voice of Germany" belegte der Lehramtsstudent aus Bad Wimpfen am Ende den zweiten Platz. Die vier Coaches Rea Garvey, Peter Maffay, Stefanie Kloß und Mark Forster wollten ihn in ihrem Team haben - Pförtner (23) entschied sich für Maffay. 2023 will der Singer-Songwriter neue Musik veröffentlichen - und natürlich Konzerte spielen.

 Foto: Sammlung Würth

Rekordpreis: Für 23,2 Millionen Euro inklusive Steuern und Gebühren hat Reinhold Würth das Selbstporträt von Max Beckmann gekauft, das am 1. Dezember beim Auktionshaus Villa Grisebach in Berlin für 20 Millionen Euro versteigert wurde. Das "Selbstbildnis gelb-rosa" erzielte den höchsten jemals bei einer Versteigerung in Deutschland erreichten Preis für ein Gemälde. 2023 wird das Selbstbildnis, das Max Beckmann (1884-1950) seiner Frau Mathilde "Quappi" Kaulbach geschenkt hatte, die es bis zu ihrem Tod 1986 besaß, im Museum Würth 2 in Gaisbach präsentiert. Es entstand im Amsterdamer Exil 1943 nach Beckmanns Flucht aus Nazi-Deutschland.

 
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