Erhält Heilbronn ein neues Wahrzeichen?
Das One-Man-House des Bildhauers Thomas Schütte fällt auf der Inselspitze auf: Es ist das erste Haus seiner Art in Deutschland. Am Samstag wird es eingeweiht. Bis September wird das Haus für alle zugänglich sein.

Was ihn am Standort Inselspitze gereizt hat? Thomas Schütte durfte sich den Platz für sein One Man House aussuchen. Deutschhof, Stadtgarten und Europaplatz wurden beim gemeinsamen Rundgang durch Heilbronn mit Museumschef Marc Gundel und Oberbürgermeister Harry Mergel diskutiert.
"Man spekuliert, was würde passen. Und hier passt es", sagt Schütte lapidar. Knallig rot thront das Haus auf der Inselspitze und ist erst einmal bis Ende September zugänglich: das erste seiner Art in Deutschland.
Das erste öffentlich zugängliche One Man House
Insgesamt vier One Man House-Modelle hat Schütte entworfen, von denen zwei realisiert wurden. Eines in Rouanne in Frankreich ist in Privatbesitz eines Kunstsammlers, das zweite in Heilbronn ist für die Öffentlichkeit und hat sich schon während der Bauphase zum beliebten Fotomotiv vor allem in den sozialen Medien entwickelt.
Von August bis April hat die Installation gedauert, erst wurde das Stahlgerüst errichtet, dann die Fassade mit Aluminium verkleidet und der Innenraum ausgebaut. Vier Mal war Schütte vor Ort.
Als in der Anfangsphase der Schreiner mit einem roten Auto vorfuhr, war für Schütte die Farbe ausgemacht für das Eremitenhaus - so würde Schütte das One Man House rückübersetzen. Auch bei der Einweihung am Samstag ist der international renommierte Bildhauer aus Düsseldorf dabei.
"Die permanente Erregung ist nichts für mich"

"Bei sich sein ist interessanter als außer sich sein", sagt Thomas Schütte, der seit einigen Jahren weder mehr ins Kino, ins Theater noch auf ein Konzert geht. "Die permanente Erregung ist nichts für mich."
Ab Ende September bleibt das One Man House vorerst geschlossen und wird, so Marc Gundel, "klimatisch winterfest gemacht". "Mittelfristig" bleibt der rote Blickfang auf der Inselspitze stehen, das heißt vier bis fünf Jahre, und ist ab 2020 in den Monaten April bis September an Wochenenden geöffnet.
Dass Schüttes begehbares Haus zu einem Wahrzeichen Heilbronns wird, kann sich der Direktor der Städtischen Museen gut vorstellen. Auch, dass es langfristig die Inselspitze prägt.
Baukosten: eine untere sechsstellige Summe
Das Stahlgerüst, eine Leihgabe des Künstlers, hat die Stadt Heilbronn ausbauen lassen, die Kosten beziffert Gundel als "untere sechsstellige Summe". Knapp acht Meter Höhe misst das One Man House, in das durchaus mehrere Menschen passen.
Eine Treppe führt vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Schlicht und reduziert ist der funktionsfreie Bau ein Rückzugsort, der Boden ist aus dem Tropenholz Bankirai gefertigt, mit Lerchenholz sind die Wände ausgekleidet. Eine Sitzbank rundum aber auch die Fläche vor dem Fenster, das mit einem Durchmesser von 3,40 Meter an ein Riesenbullauge erinnert, laden zum Verweilen ein.
Wie in einer Schiffskajüte
Als Rückzugsraum versteht Thomas Schütte, der schon Hotels für Vögel entworfen hat, sein One Man House: ein Ort, von dem aus wir die Außenwelt beobachten. Einige Meter über der Erde blickt man auf die Trauerweiden am Neckar, auf den Fluss und zum Götzenturm und fühlt sich wie in einer Schiffskajüte.
Zwei runde Kippfenster sorgen für frische Luft. Auch wenn der 64-Jährige kein Baumeister ist, perfekt sollen seine Häuser sein: Modelle, die als soziale Skulptur Assoziationen freisetzen über Möglichkeiten von Architektur.
22 Architekturmodelle sind in der Inselspitzen-Galerie ausgestellt
In den Räumen der ehemaligen Galerie Rieker unter der Friedrich-Ebert-Brücke auf der Inselspitze sind zudem 22 Architekturmodelle von Thomas Schütte ausgestellt, der sich immer schon für Formen des Bauens interessiert hat.
Modelle für Pavillons sind zu sehen, Holzblockhäuser, ein Teehaus, Türme, Bunker, das Modell einer Bibliothek, einer Pommesbude und einer Golfhalle. Und natürlich das Modell seines Ferienhauses für Terroristen, das sich ein Kunsthändler in Telfs in Tirol als Privathaus bauen ließ und das nach dem medialen Wirbel, den ein FPÖ-Politiker entfachte, offiziell nur Ferienhaus T. genannt wird.
Eröffnung
Samstag, 11.30 Uhr, bis 22. September täglich 12 bis 18 Uhr, Eintritt frei.
Der Künstler

1954 in Oldenburg geboren, zählt Thomas Schütte zu den bedeutenden Bildhauern seiner Generation. Sein materiell wie inhaltlich vielschichtiges Werk entzieht sich eindeutigen Festlegungen.
Schütte hat Architekturmodelle wie das Ferienhaus für Terroristen entworfen, fertigt Zeichnungen und voluminöse Plastiken. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte Schütte bei Fritz Schwegler und Gerhard Richter.
2005 mit dem Preis der Biennale Venedig ausgezeichnet, ehrt 2014 die Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung ihn mit dem gleichnamigen Skulpturenpreis. Seither besteht der Kontakt der Städtischen Museen Heilbronn zu dem in Düsseldorf lebenden Künstler. Auf dem Gelände der ehemaligen Raketenstation Hombroich bei Neuss hat er sich 2016 eine eigene Skulpturenhalle bauen lassen
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