Er kann auch anders: "Tatort"-Kommissar Axel Prahl als Musiker im Theater Heilbronn
Axel Prahl und sein famoses Inselorchester blicken im Großen Haus des Heilbroner Theaters aufs "Mehr". Das Nordlicht als Kosmopolit und wie Axel Prahl trotz Halsschmerzen das Publikum unterhält.

Es hat ihn erwischt. Nichts Schlimmes, gibt Axel Prahl Entwarnung. "Bin leider etwas krank." Die blaue Weste trägt er auch sonst gern bei Konzerten auf der Bühne, um den Hals hat er an diesem Abend zusätzlich einen Schal gewickelt. Und rockt das Große Haus nichtsdestotrotz mit seinem Inselorchester im Heilbronner Theater. Prahl singt Prahl, auch wenn die raue Stimme leicht angegriffen ist, getragen von acht famosen Musikern, zur hellen Freude des Publikums bis hin zur Zugabe nach über zweieinhalb Stunden Bühnenarbeit mit einer Pause.
Wer nun wegen Prahl gekommen ist und wer wegen Thiel, sei dahin gestellt. Dem breiten Publikum ist der Mann mit dem Hut, der, bevor er Schauspieler wurde, ein paar Semester Musik studiert hat, als Kriminalhauptkommissar Frank Thiel im Münsteraner "Tatort" bekannt.
Gestandene Musiker der deutschen Rock-, Jazz- und Klassikszene
Dabei hat Axel Prahl zeit seines Lebens Musik gemacht und 2011 mit Danny Dziuk ein Orchester gegründet. Gestandene Musiker und Musikerinnen der deutschen Rock-, Jazz- und Klassikszene, acht sind in Heilbronn dabei, die er am Ende ausführlich vorstellt und die mit Soli zeigen, was sie draufhaben. Neben Dziuk sind das Nicolai Ziel, Johannes Feige, Jörg Mischke, Rainer Korf, Christiane Buchenau, Sylvia Eulitz und Tom Baumgart. Alles bestens orchestriert also, wenn Prahl Geschichten und Kalauer einstreut. Eine verschmitzte Rampensau, die mit dem Publikum flirtet.
Der Sänger und Gitarrist Axel Prahl schreibt und komponiert seine Lieder selbst, Dziuk, der Songs für Annett Louisan, Stefan Stoppok, Wiglaf Droste und Ulla Meinecke geschrieben hat, ist Ko-Komponist und Arrangeur und unterstützt wie die anderen souverän und virtuos. Selbst wenn Prahl mit seiner Paraderolle als "Tatort"-Kommissar kokettiert und seine "Nebenerwerbstätigkeit" erwähnt, hier steht der Musiker und Mensch Prahl und hat sichtlich Freude daran.
"In Heilbronn mit diesem Bier werde ich gesund"
Routine gehört dazu, in jeder Stadt lässt sich das Nordlicht das lokale Bier auf die Bühne bringen. Wobei "Distelhäuser" nur im erweiterten Sinn aus der Region kommt. "In Heilbronn mit diesem Bier werde ich gesund. Auf der Bühne", charmiert Prahl und erzählt, wie er sich auf seiner jüngsten Platte mit verschiedenen Musikstilen beschäftigt hat.
"Blick aufs Mehr" hieß die erste CD und die jüngste "MEHR", die wiederum auch schon 2018 produziert wurde, dann kam Corona. Seit vergangenem Jahr touren Axel Prahl und das Inselorchester durch die Republik. Was die Musikstile betrifft, ist die Bandbreite groß, das macht Laune. Argentinischer Tango mit norddeutschen Texten - "ich bin ja eher der südamerikanische Typ, Erotik ist mein zweiter Name" -, amüsiert sich Prahl.
Schlichte und schöne Liebesballaden
In seinen Texten zwischen demonstrativer Lebensfreude, Kritik am ganz normalen Wahnsinn unserer Gesellschaft bis zur Melancholie des alternden, weißen Mannes und mitunter schlichten, aber schönen Liebesballaden, erzählt Prahl von sich. Doch nicht nur. "Ich mache mich vor Ihnen ja komplett nackig", witzelt er.
Dieses Projektionsfläche-Bieten gefällt dem Publikum. "Bla bla bla", so ein Songtitel, greift auf, was alle kennen. Wie die an Unverschämtheit grenzende Trägheit auf Behörden, besungen in einem Lied, das Prahl zu Beginn der 90er Jahre geschrieben hat, als er sich ordnungsgemäß beim Ordnungsamt anmelden wollte. Ab und zu bittet er um Saallicht, will wissen, wie viele Beamte heute Abend hier sind und es nicht glauben, als gerade mal vier, fünf Hände zögerlich hochgehen.
Auf Karibik umstimmen
Prahl ist ein Typ, auch als Musiker. "Ich habe, also bin ich", singt er in "Blick aufs Mehr", seine dosierte Kapitalismuskritik möchte man ihm abnehmen, wie es ihm überhaupt gelingt, unverstellt rüberzukommen. "Heute fange ich an" gerät zum Plädoyer, loszulegen, bevor Prahl seine Gitarre auf Karibik umstimmt, "Ihr könnt mitschnipsen." Xavier Naidoo wird kurz gedisst, das Märchen vom Fischer und seiner Frau, der Ilsebill, die nicht so will, gemeinsam angestimmt - eine Lektion in niederdeutscher Literatur.
"Was für eine porca miseria", schlüpft Axel Prahl in die Rolle des schlitzohrigen Italieners und erklärt uns die Welt und ihre Finanzumschlagplätze. "Sono cosmopolitano", dampfplaudert er weiter. "Früher war ich einsam, heute bin ich schizophren." Und die Musik?
Eine prima Mischung, wie gesagt, aus Streichern, Tasteninstrumenten, Schlagzeug und E-Gitarre. 3/4 Takt im Wechsel mit Rock und Jazz und hochtouriger Klassik. Und dem frühen Rap eines Walther von der Vogelweide. Was zeigt, wie genial Balladen im Mittelalter waren.
Zur Person: Dem Publikum seit 2002 vor allem wegen seiner Rolle als Kommissar Frank Thiel im Münsteraner "Tatort" bekannt, war Axel Prahl, 1960 in Eutin geboren, in zahlreichen Kinoproduktionen zu sehen, darunter in "Willenbrock" und anderen Filmen von Regisseur Andreas Dresen. Prahl studierte an der Schauspielschule Kiel und war am Renaissance-Theater, am Grips-Theater und an den Kammerspielen des Deutschen Theaters engagiert. 2011 gründen er, Danny Dziuk und weitere Musiker das Inselorchester. Der Name erinnert an ihre Generalprobe während des Inselleuchten-Festivals in Marienwerder.
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