Ein Journalist auf Abwegen
Von Michaela Adick Der Eintrittspreis? Der ist an diesem Abend von eher symbolischer Natur. Einen ganzen Cent knöpft der Berliner Journalist und Filmemacher Frank Farenski seinen Gästen in den Universum Arthaus-Kinos ab, was genau der aufgerundeten Erhöhung der ...

Der Eintrittspreis? Der ist an diesem Abend von eher symbolischer Natur. Einen ganzen Cent knöpft der Berliner Journalist und Filmemacher Frank Farenski seinen Gästen in den Universum Arthaus-Kinos ab, was genau der aufgerundeten Erhöhung der EEG-Umlage entspricht. Wobei die Abkürzung EEG für das Erneuerbare-Energien-Gesetz steht, das im Jahr 2000 verabschiedet und seitdem ständig revidiert wurde. Der Tenor des Abends, der neben der Präsentation der Film-Doku "Leben mit der Energiewende 2" auch eine Diskussion vorsieht, ist damit vorgegeben. Hier steht ein Missionar der Energiewende. Und er kann nicht anders. Nun steht das einem ausgewiesenen Journalisten wie Frank Farenski, der seit 25 Jahre Filme für das öffentlich-rechtliche Fernsehen produziert, nicht gut zu Gesicht. Gilt doch immer noch der journalistische Grundsatz nach Hajo Friedrichs, der einst proklamierte, dass man sich als Journalist nicht gemein machen sollte, auch nicht mit einer guten Sache.
Verfolgt
Bringt Sie das nicht in Erklärungsnöte? Frank Farenski winkt ab. Wie oft er die Frage schon gehört hat. In ungezählten Lichtspielhäusern hat er seine Dokus in den letzten Jahren vorgestellt, dieses Aber scheint ihn regelrecht zu verfolgen. Noch einmal will er nun in Heilbronn rekapitulieren, wie es überhaupt zu seinen Produktionen rund um die Energiewende gekommen ist, wegen der er jetzt bei den Banken mächtig in der Kreide steht und wegen der er vermutlich Probleme haben wird, je wieder als TV-Journalist Aufträge zu bekommen. Am Anfang, so Farenski, war ein Auftrag für den Spartenkanal ZDF-Info. Der Politologe Farenski drehte die Film-Doku nach den guten alten Regeln der journalistischen Kunst, die Redakteure bekamen wie üblich Fracksausen, winkten den Film jedoch durch, die Quote stimmte. Was will Journalist mehr? "Und genau das ist die Frage. Ich wollte mehr." Endlich ohne Schere im Kopf arbeiten, ohne Gremien verantwortlich zu sein. "Eine Zensur findet nicht statt?" Frank Farenski lacht bitter auf. Das ist doch eine Grundgesetz-Mär. Er kniet sich in das Thema hinein, zwei weitere Filme in Spielfilmlänge entstehen und ungezählte Youtube-Filmchen. Jeden Dienstag produziert er in seinem so genannten "War-Room" in Berlin-Moabit eine Sendung zur Energiewende. Wissenschaftler lädt er sich ein, Aktivisten und Politiker.
Auch "Das Leben mit der Energiewende 2" hat zunächst einen journalistischen Anstrich. Man sieht Farenski im Gespräch mit EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger, der sich mit kruden Äußerungen zur Energiewende hervortut. Man sieht eine Familie in der Lausitz, deren Dorf vorm Braunkohletagebau bedroht ist, und Ratsherren aus Norderstedt, die eine Modellsiedlung auf den Weg bringen. Man sieht ihn auch im angeregten Gespräch mit einem kritischen Geist wie dem Energiewende-Veteran Ulrich Jochimsen, der das Thema vor dreißig Jahren zusammen mit Hermann Scheer aufs Tapet gebracht hat.
Bezahlt
Aber dann, Farenski nennt es euphemistisch seinen "Werkzeugkasten", kippt der Film. Etliche Protagonisten aus der Industrie haben ihren ungestörten und journalistisch ungefilterten Auftritt. Sie haben, wie sich schließlich herausstellt, den für jedermann zugänglichen Open-Source-Film, den man sich im Internet herunterladen kann, finanziell unterstützt. Als Journalist hat sich Farenski damit in der Tat unglaubwürdig gemacht. Der Grat zwischen Journalismus und Public Relations, er ist ein schmaler.
Weitere Informationen: www.energiewende-derfilm.de
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