Eigenwilliger Wanderer zwischen Rap und Gothic
Mit seinem vierten Album "Andersdenker" will Silizium auch in der Region den Durchbruch schaffen

Dem Kerl möchte man nicht nachts auf der Straße begegnen, könnte man denken: Finster blickt er von den Booklet-Fotos seines im Februar erschienenen Albums "Andersdenker". Mit Silberkette sowie an den Seiten und hinten kurz rasierten Haaren sitzt er beim Interview in der Heilbronner Shisha-Bar Inthegration.
Doch schnell entpuppt sich Mario Calabrese alias Silizium als umgänglich und offenherzig. Die finstere Attitüde werde von einem Hip-Hop-Musiker erwartet, meint der 23-jährige Neckarsulmer. Doch er sei nicht wirklich so. Sondern eben ein Andersdenker: "Der Begriff spiegelt mich genau wieder. Ich schwimme sehr gerne gegen den Strom."
Er hat seinen eigenen Kopf und will sich in keine Schublade stecken lassen. Ein echter Rapper sei er jedenfalls nicht: "Sprechgesang ist nur das Mittel, mit dem ich mich ausdrücke." Düsteren Bassläufen und melancholischen Streicherklängen auf "Andersdenker" ist anzumerken, dass Siliziums Wurzeln in der Gothic-Szene liegen.
Gespür
Der Beat dagegen klingt nach echtem Hip-Hop. Hinzu kommt ein feines Gespür für originelle, ausdrucksstarke Texte. Und so betrachtet Silizium sein jüngstes Werk als Emanzipation von seinen Gothic-Wurzeln. Großen Anteil daran hat der Heilbronner Hip-Hop-Produzent Sandy Solo, denn "Andersdenker" ist Siliziums erstes Album, das er in Sandys Studio statt wie bisher zu Hause aufgenommen hat. Manches an der Gothic-Szene sieht Silizium heute kritisch: "Die Leute prahlen mit ihren Problemen", sagt er etwa.
Wer so offen seine Meinung äußert, stößt nicht immer auf Verständnis, wird auch schon mal angefeindet. Trotzdem sei Musik für ihn niemals eine Zuflucht gewesen, sondern immer ein selbstverständlicher Teil seines Alltags.
Schon als kleiner Junge sang er gerne vor Publikum auf der Gaffenberg-Freizeit. Später lernte er Blockflöte, dann Gitarre. Ab 2006 wandte er sich elektronischen Klängen zu. Damals entstand auch sein Künstlername: Silizium steht für das lateinische Wort "silex" (Kieselstein). Schließlich seien "wir alle wie Kieselsteine im Fluss des Lebens".
Erfolge
Vier Alben hat der Neckarsulmer veröffentlicht. 150.000 Mal wurden seine Videos auf Youtube aufgerufen. In fast ganz Deutschland ist er aufgetreten und hat in Zürich vor 700 Menschen auf der Bühne gestanden. Trotzdem ist er in der Region als Künstler kaum bekannt. Das soll sich nun ändern: Silizium knüpft Kontakte zu Rappern aus der Region und besucht Clubs wie Barococo, Green Door und Creme 21, in denen sich die Szene trifft.
Verwurzelt
Er ist hier fest verwurzelt, liebt die Wein- und Besenkultur, schätzt die zielstrebige und direkte Mentalität und hat mit dem Scheuerberg einen Ort der Inspiration gleich vor den Toren seiner Heimatstadt gefunden.
Wegzuziehen käme für ihn nicht in Frage: "Wenn du von der Autobahn runterkommst und die zwei Türme vom EnBW-Kraftwerk siehst, weißt du gleich, du bist zu Hause, alles ist gut."
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