Digitales Rendezvous mit Olaf Bossi
Akustikpop und Stand-up-Comedy: Olaf Bossi aus Stuttgart war zu Gast in der Reblandhalle. Meistens greift er Alltagsthemen auf, aber versucht sich auch an Sozialkritik.

Ein großes Thema: die Ehe. Olaf Bossi ist froh, dass er seine Frau hat. Etwa, wenn er wieder mal seine Schlüssel verlegt hat. "Nicht weil meine Frau wüsste, wo sie sind. Sondern weil ich dann jemanden habe, der schuld ist."
Comedian Bossi versucht, Menschliches und Zwischenmenschliches in Text und Lied auf den Punkt zu bringen. Am Freitagabend brachte er seine Mischung aus Akustikpop und Stand-up-Comedy in die Reblandhalle in Neckarwestheim.
Dabei bemüht der bekennende Stuttgarter durchaus auch Sozialkritik. Etwa, wenn er versucht, sich in einen "Bild"-Redakteur hineinzuversetzen oder die perfideren Seiten des Bankgeschäfts beleuchtet. Meist jedoch kreisen seine Lieder und Wortbeiträge um Alltagsthemen: Freunde, Keller aufräumen, Urlaub − und eben Liebe und Ehe.
Komponist und Produzent von Schlagern und Popmusik
So erzählt er etwa, wie er seine Frau kennengelernt hat: über ein Inserat. Die ersten Kontakte waren virtuell. Damals wie heute verdient Bossi seine Brötchen auch als Komponist und Produzent von Schlagern und Popmusik. Für die Band Modul schreibt er 1995 den Techno-Hit "Kleine Maus".
Darin singt er mit schlumpfartig in die Höhe gepitchter Stimme zu Ehren seiner späteren Ehefrau: "Kleine Maus, nur ich und du, im digitalen Rendezvous." Unterlegt mit stampfenden Beats und simplen Harmonien wird die Techno-Schnulze zum Chart-Hit. Dieses Lied kocht Bossi in seinem Comedy-Programm noch einmal auf, als "Kleine Maus 2.0".
Gender-Klischees
An der Gitarre, mit sanfter, angenehmer Stimme kommt der Song nun − mehr als 20 Jahre später − nachdenklich und gesetzt daher. War es allerdings bereits in den 90ern irgendwie blöd, Frauen mit kleinen Nagern zu vergleichen, scheint es nun, ein halbes Jahr nach den Sexismus-Vorwürfen in der Berliner CDU, vollkommen deplatziert.
Überhaupt bemüht Bossi für seine Gags mitunter Gender-Klischees aus den 50ern. Etwa in dem Lied "Du wirst dich niemals ändern." Darin beschreibt er alltägliche Ehekonflikte wie folgt: Er ist unordentlich, schaut nur Fußball und will nicht über seine Gefühle reden. Sie ist zwanghaft fixiert auf ihr Äußeres, unberechenbar und hört nicht auf zu quasseln. Das Ende vom Lied: So sind wir nun mal, das muss man akzeptieren. Dem klischeebeladenen Text entgegen steht allerdings eine hübsche, melancholische Melodie und Bossis versierte Vortragsweise.
Dabei sieht sich Bossi eigentlich väterlicherseits eher geprägt von den Alt-68ern. In der Überleitung zu seiner "Ballade vom Investmentbanker" fragt er sich, ob man denn so eindimensional über Banker singen dürfe und gibt zu bedenken: "99,9 Prozent der Banker versauen den Ehrlichen den Ruf." Sein lustigster Gag geht als Versprecher unter.
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