Die Crux mit dem gespielten Witz - und Andreas Müller
Rund 1300 Fans kamen in die Harmonie Heilbronn um den Radiomann und Stimmenimitator Andreas Müller live zu sehen.

Es war einmal die Radio-Comedy, die so flüchtig war wie das Medium selbst: So ein Scherz - schnell sollte er sein und wie beiläufig erzählt - würde jeder noch so lahmen Sendung den gewissen Pfeffer verpassen.
Das wussten in den 30er Jahren die Amerikaner, die sich nicht lumpen ließen und einen Hollywood-Granden wie Bob Hope ans Mikrofon ließen. Auch in Europa wuchs das Interesse an Radio-Comedy, die damals noch nicht so hieß, sondern mit einem anderen englischen Begriff besetzt war: dem guten alten Sketch.
Oliver Welke und Bully Herbig haben im Radio begonnen
Mit dem Aufkommen des Fernsehens ging die Welle zurück, um in den letzten Jahrzehnten wieder aufzutauchen, perfekter in Szene gesetzt und bald auch auf einer richtigen Bühne zu erleben. Paul Panzer und Mirja Boes gehören zu jenen, die das Medium gewechselt haben, auch ein Oliver Welke oder Bully Herbig sind ihre ersten komödiantischen Schritte im Radio gegangen.
Im Südwesten machte sich indes ein gestandener Radiomann und Stimmenimitator auf, die Stadthallen zu bespielen, unter dem durchaus konsequenten wie schlichten Motto "SWR3 Comedy live": Andreas Müller. Rund 1300 Radiofans wollten jetzt ihren Andreas Müller live in der Harmonie sehen. Wie aber geht das, Radio-Comedy live?
Das ist nicht gar so einfach, müssten doch die Parameter gründlich auf den Kopf gestellt werden. Eine Aneinanderreihung des schnellen Radiowitzes, sie würde nicht funktionieren. Der flinke Müller, langjähriger Redaktionsleiter der SWR3-Comedy, holt sich allerlei Spießgesellen auf die Bühne: Merkel und Schröder, Erdogan und Putin und viele Mitmenschen, die an der Stelle ihres Vornamens einen Artikel tragen.
Da ist die Uschi (von der Leyen) und der Uli (Hoeness), der Jogi (Löw, wie aus dem Beatles-Song "All you need is Löw") und auch der Yoda aus dem Star-Wars-Universum.
Mit Fotos und Einspielerfilmchen
Da so ein Ensemble doch kostspielig ist, wird Andreas Müller ihnen allesamt seine Stimme leihen, auf die Leinwand gebrachte Fotos und Einspielfilmchen unterstützen ihn dabei. "Julia Klöckner, hier rechts im Bild", merkt er an. Links im Bild ein rosarotes Ferkelchen. Das sind so die Kaliber, an denen sich Müller festbeißt.
Yoda und Schäuble, sind sie nicht Zwillinge? Ursula von der Leyen: "Wer Familie kann, kann auch Krieg." Ohne richtigen roten Faden witzelt sich Andreas Müller durch sein zweieinhalbstündiges Programm, greift in die Tasten, singt und schrödert vor sich hin, merkelt und grönemeyert.
Richtig aktuell indes ist er dabei nicht. Annegret "AKK" Kramp-Karrenbauer - "zum Glück heißt sie nicht Friederike" - taucht auf der Leinwand noch als Generalsekretärin der CDU auf. Alice Weidel hat längst den Umzugswagen bestellt. Und die Geschichte mit den anonymisierten Klingelschilder in Wien? Haben sich schon längst versendet. So war die Datenschutzgrundverordnung nicht gemeint.
Warum heißt es nicht mehr Flüchtling?
Da bleiben die zeitlosen Einspieler, etwa mit Günther Oettinger in seiner Paraderolle in "Frag-Oetti.de" oder die Geschichte der Lallers, eine Persiflage auf die SWR-Seifenoper "Die Fallers". Mit der politischen Korrektheit, das ist die Crux, stehen die Lallers auf dem Kriegsfuß. Warum heißt es nicht mehr Flüchtling, sondern Geflüchteter? "Dann müsste es ja nicht mehr Riesling und Lehrling heißen, sondern Gerieselter und Gelehrter." Diese Konsequenz hätte man sich öfter gewünscht an diesem Abend.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare