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Heilbronn

Der perfekte Moment für ein bisschen Glück

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Heiter-beschwingte Melodien der 20er und 30er-Jahre: Max Raabe und sein Palast Orchester entführen bei ihrem Konzert in der Harmonie Heilbronn in eine charmante Parallelwelt.

Von Astrid Link
Berlin, Stuttgart, Heilbronn: Im Moment tourt Max Raabe mit heiter-beschwingten Melodien der 20er und 30er Jahre und seinem Palast Orchester quer durch Deutschland.
Foto: Ingo Schneider
Berlin, Stuttgart, Heilbronn: Im Moment tourt Max Raabe mit heiter-beschwingten Melodien der 20er und 30er Jahre und seinem Palast Orchester quer durch Deutschland. Foto: Ingo Schneider  Foto: Ingo Schneider

Wenn das Glück unverhofft vor der Tür steht, bittet man es gerne herein, serviert "Kaffee oder Tee, du willst doch nicht gleich wieder geh´n?" Ein bisschen Glück kann schließlich jeder gebrauchen. Und wenn Max Raabe verspricht: "Wir werden alles unternehmen, um den Tag glücklich zu beenden", darf sich jeder Besucher im fast ausverkauften Theodor-Heuss-Saal der Harmonie darauf verlassen - und sich über zwei Stunden lang glücklich schätzen.

Mit der Eigenkomposition "Guten Tag, liebes Glück" beginnt die melodiöse Reise in die entschleunigte, überaus charmante Parallelwelt des Max Raabe, nach seinem Bekunden eine "wilde Mischung aus Liebe, Musik und Topfpflanzen". "Der perfekte Moment ...wird heut verpennt" heißt das neue Album des Sängers, Mitbegründers und Leiters des ihn perfekt und virtuos begleitenden Palast Orchesters, dessen Musiker teilweise mehrere Instrumente beherrschen und immer wieder durch Soli und wechselnde Zusammensetzung brillieren.

Die Texte sind wie aus der Zeit gefallen

Die heiter-beschwingten Melodien der 20er und 30er Jahre, mit wie aus der Zeit gefallenen Texten, prägt Raabe auf unnachahmliche Art durch seine individuelle Interpretation, zu der die ausdrucksstarke Minimalmimik mit blasierter Noblesse genauso gehört wie der tadellos sitzende Smoking.

Eigenkompositionen, in Kooperation mit bekannten Arrangeuren wie Peter Plate und Achim Hagemann, fügen sich mit geschmeidigem Beat nahtlos in die klassischen Stücke ein. "Du stehst nicht im Adressbuch" ist so ein typisches Raabe-Lied, rhythmisch erst verhalten, dann durch das Saxofon von Bernd Frank losgaloppierend. Das Adressbuch, "ein nicht digitales Medium, zu dem man hingehen musste. Bei den sozialen Netzwerken muss man aufpassen, nicht zu weit zu gehen".

Raabes Moderationen mit wortwitzigen Bonmots und intelligenten Wortspielereien sind unschlagbar. Ebenso wie seine eigenwillige Performance. Zum prickelnden Ausflug in die Tenorlage wird "Ich küsse ihre Hand, Madame", eine stimmliche Glanzleistung, die der Bariton dem Publikum immer wieder gönnt. Das reagiert zunehmend entfesselt, auch wegen der himmlischen Soli von Violinistin Cecilia Cresafulli. Pianist Ian Wekwerth beherrscht jede Melodie mit traumwandlerischer Fingerfertigkeit, während er die teils skurrilen Texte mimisch parodiert.

Gymnastische Bewegungen von Max Raabe

Von einförmiger Statik hält das gesamte Orchester nichts. Die fast schon gymnastischen Bewegungen bis an den Bühnenrand bilden ein reizvolles Pendant zu Raabes bewusst inszeniertem, minimalen Körpereinsatz. Er gibt gerne den Koch, Ritter oder Babysitter, Kranich oder Wiesel, aber "Am liebsten bin ich noch dein Mann". Ein etwas eigenwilliges Liebeslied, das mit der Sängerin Annette Humpe entstand.

"Wenn die kleinen Veilchen blühen" kommt der Liebste vielleicht nach Hause. Oder erst, wenn die Schwalben zwitschern. Frau muss Geduld mit dem Liebsten haben und "ihn nicht alle sechs Wochen daran erinnern, dass er etwas reparieren wollte", ermahnt Raabe mit stoischem Gesichtsausdruck. "Du bist viel zu schön für einen Mann allein" perlt von den Stimmbändern des 57-jährigen Künstlers, der gerne Fahrrad fährt und das auch im Lied "Fahrrad fahr´n" äußert.

"Der perfekte Moment...wird heut verpennt" greift den Programmtitel auf. Der populäre Bigband-Hit "Singin´ in the Rain" ist bei ihm "nicht so ausladend, aber auch ganz schön". Fehlen darf nicht "Kein Schwein ruft mich an", arrangiert als changierendes Medley. "Ein kleiner grüner Kaktus" gehört zu den Zugaben, die das Publikum lautstark und sichtbar glücklich einfordert. Versprechen gehalten.

 

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