Der kleine Horrorladen feiert Premiere bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall
Idioten im Laden, Penner vor der Tür und eine fleischfressende Monster-Pflanze. Regisseur Thomas Goritzki inszeniert die musikalische Horrorkomödie auf der Großen Treppe - und hält sich dabei brav ans Original.

"Idioten im Laden, Penner vor der Tür": Mr. Mushnik und sein kleiner Blumenladen erleben nicht gerade blühende Zeiten. Angesiedelt im übelsten Viertel der Stadt, bleiben die Kunden aus und der tollpatschige Angestellte Seymour zerdeppert regelmäßig das Inventar. Weniger wegen seiner Fähigkeiten, sondern mehr aus Mitleid hat sich der alte Blumenhändler des Waisen einst angenommen. Und Audrey, des Mädchens mit Vergangenheit.
Bewegung kommt in den Alltag des Trios, als Seymour eine seltsame Pflanze, genannt Audrey Zwo, die er unter noch seltsameren Umständen von einem Chinesen erstanden hat, ins Schaufenster des Shops stellt. Plötzlich floriert das Geschäft und für jeden der Drei scheint die Erfüllung der innigsten Wünsche - Geld, Liebe, ein Häuschen im Grünen - zum Greifen nah. Doch die Sache hat ihren Preis.
Schräge Typen, schwarzer Humor und Songs im Stile der 60er
Das sind die Zutaten des Kultmusicals "Der kleine Horrorladen". Vor vierzig Jahren in einem kleinen New Yorker Theater uraufgeführt, zählt das trashige Bühnenwerk aus der Feder von Autor Howard Ashman und Komponist Alan Menken heute zu einem der meistgespielten Musicals. Für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall hat Regisseur Thomas Goritzki die Geschichte um eine fleischfressende Monster-Pflanze, die nach der Weltherrschaft greift, nun auf der Großen Treppe vor St. Michael inszeniert.
Abgesehen von ein paar Gags in Mundart und lokalen Bezügen, die in den Text geschmuggelt wurden, hält sich der Haller Horrorladen brav ans Original. Und auch wenn der Humor des Stücks nur wenig Funken schlägt: Musikalisch gibt es überhaupt nichts zu mäkeln.
R&B, Doo-Wop, Rock 'n' Roll: Das Musical ist eine Zeitreise
Denn die Band um Dirigent Heiko Lippmann macht ihre Sache prima und spielt sich souverän durch die verschiedenen Stilrichtungen, in denen die Songs gehalten sind: von Gospel über R&B, Doo-Wop und Rock "n" Roll bis zu Klezmer. Auch die Darsteller sind gesanglich auf der Höhe. Ordentlich Soul bringen beispielsweise die drei Mädels Crystal, Ronette und Chiffon (Karen Helbing, Daniela Tweesmann und Friederike Kury) ein, die als eine Art griechischer Chor das immer blutiger werdende Geschehen kommentieren. Und die letztlich auch nicht verhindern können, dass Audrey Zwo sich eine Bühnenfigur nach der anderen einverleibt und munter wuchert.
Anfangs so groß wie eine Socke, am Ende mit Tentakeln, die sich über die gesamte Treppe erstrecken: Mit einfachen, aber cleveren Mitteln schafft es Bühnen- und Kostümbildner Heiko Mönnich, dass das hungrige Gewächs vor den Augen des Publikums zur tödlichen Bedrohung mutiert. Eine Handpuppe wird im Verlauf des Stücks ersetzt durch gigantische rote Lippen und grüne Fangarme, die von mehreren vermummten Spielern bewegt werden. Andreas Wolfram verleiht Audrey Zwo mit seiner Stimme aus dem Off viel Charisma.
Wie die Schauspieler ihre Parts gemeistert haben
In schwarzer Hornbrille und kariertem Pullunder gibt Benjamin Sommerfeld den Floristen Seymour als liebenswürdig-trotteligen Nerd, der heimlich für seine Kollegin Audrey schwärmt. In der Hoffnung, diese durch seinen plötzlichen Ruhm als Pflanzenzüchter zu erobern, lässt er sich von Audrey Zwo dazu verführen, ihr Menschen zu verfüttern.
Hanna Mall als Audrey ist fast ein bisschen zu tough, als dass man ihr den Minderwertigkeitskomplex abnehmen würde, der sie in die Beziehung mit dem sadistischen Zahnarzt Orin Scrivello getrieben hat. Für diese Rolle hat Andrea M. Pagani seinen Elvis offenbar genau studiert - zumindest, wenn es nach dem Hüftschwung geht. Andreas Zarons Mr. Mushnik schwankt zwischen väterlicher Fürsorge und knallharten Geschäftsinteressen. Nach mehr als 90 Minuten gibt es vom Premierenpublikum Jubel und großzügigen Applaus.
Wie alles begann
Das erste Mal öffnete "Der kleine Horrorladen" 1960 seine Pforten. In einem schwarz-weißen B-Movie von Regisseur US-Roger Corman. Als Darsteller dabei war damals auch Jack Nicholson. 1982 wurde der Stoff von Howard Ashman und Alan Menken als Off-Off-Broadway-Musical adaptiert. Dieses wiederum fand 1986 seinen Weg auf die große Leinwand: Regisseur und Muppet-Puppenspieler Frank Oz verfilmte die musikalische Horrorkomödie mit Rick Moranis als Seymour und Steve Martin als sadistischem Zahnarzt Orin.
Weitere Aufführungen: www.freilichtspiele-hall.de
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