Comedian Sascha Grammel lässt in Heilbronn die Puppen tanzen
Er ist Comedian, Bauchredner und Puppenspieler: Sascha Grammel aus Berlin. In der ausverkauften Harmonie sorgte er mit seinem Programm "Ich find's lustig" für viele Lacher. Besonders einen Puppencharakter lieben die Heilbronner.
Sascha Grammel ist auf der Suche. Kurz nach Beginn seiner Show begibt sich der 44-Jährige ins Publikum, um sich nach einem typisch schwäbischen Begriff umzuhören. Schnell wird er fündig: Das vorgeschlagene "Muggeseggele" - die Bezeichnung beschreibt das Geschlechtsorgan der männlichen Stubenfliege - wird den Zuschauern am Mittwochabend in der ausverkauften Harmonie noch häufiger begegnen. Der Comedian baut es an vielen Stellen in sein Programm "Ich find"s lustig" ein.
Doch was heißt Comedian. Grammel hat seinen eigenen Stil gefunden, den er Puppet-Comedy nennt, und der Humorelemente mit Puppenspiel, Bauchreden und Zauberei vereint. Und das äußerst erfolgreich: der Berliner füllt Stadien, seine Shows sind alle ausverkauft.
Liebling des Abends ist Schildkröte Josie
Vor einer quietschbunten Kulisse mit leuchtenden Bonbons und lachenden Sonnen, die nach eigenen Aussagen dem Straßenzug seiner Kindheit nachempfunden ist, darf Grammel sich vollends austoben, gemeinsam mit seinen ulkigen Puppencharakteren das Kind im Manne ausleben.
Den Anfang macht der vorwitzige und arg gerupft wirkende Fasan Frederic Freiherr von Furchensumpf. Beim Fiebermessen öffnet Grammel seinen Mund, sagt laut "Aaaah" und bekommt vom frechen Vogel wegen vermeintlichem Mundgeruch ein "Warst du beim Griechen?" zu hören. Überhaupt bieten die Figuren dem Comedian ordentlich Paroli: "Komm, bück dich, Dickerchen", ätzt Fasan Frederic, als Grammel das Fieberthermometer auf den Boden fällt.
Liebling beim Publikum ist die schüchterne Schildkröte Josie, die sich nur sehr langsam aus ihrem Panzer traut. Kurios ihr Berufswunsch: gerne würde sie als Bankautomat in Heilbronn arbeiten. Einen Konfettiregen gibt es für das Panzertier obendrauf, denn es feiert am Abend seinen 114. Geburtstag. Grund genug, um eine Zeitreise in die Schildkrötenkindheit zu machen, wo Grammel als Babysitter - inklusive Schnuller, Windel und Gute-Nacht-Geschichte - ordentlich auf Trab gehalten wird.
Zum Schluss gibt es auch ernste Worte
Grammels Humor ist einfach gestrickt, besteht zum größten Teil aus Flachwitzen und simplen Gesprächen. Die meisten Gags verlieren, weil in Dampfhammermanier in häufiger Wiederholung abgespult, schnell ihren Reiz. Da klammert sich einer mit Wortspielereien auch mal an Altmeister Willy Astor. Wie beim Außerirdischen Dr. Schröder, der zum Zahnarzt umgeschult hat: Studiert hat er morgens auf Aronal, abends auf Elmex und mittags war Pause auf der Sensodyne.
Das Besondere ist bei Grammel das herausragende Zusammenspiel mit seinen Figuren, die alle völlig unterschiedlich ticken, und denen der Berliner mit jeder Menge Können ein Eigenleben einhaucht. Nach über zwei Stunden nutzt Grammel die Zugabe für eine ernstere Botschaft: "Kinder lachen im Schnitt 400 Mal am Tag, Erwachsene nur noch 15 Mal. Ich hoffe, ich konnte heute ein wenig helfen."
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare