Charme sprengt alle Grenzen: Der Schauspieler Adam Bousdoukos in Heilbronn
Adam Bousdoukos erzählt und plaudert bei der Vorpremiere seines jüngstens Films "Smuggling Hendrix" im Arthaus Kino.

Er ist gleich per Du. Ohne Umschweife. "Zeigt ihr den Film im Original? Nein?" Enttäuscht wie ein kleines Kind erlebt man den Hamburger Schauspieler Adam Bousdoukos bei der Vorpremiere seiner Komödie "Smuggling Hendrix" in den Kinostar-Arthaus-Kinos in Heilbronn, als ihm beschieden wird, dass - leider leider - die deutsche Synchronisation angesetzt wird. "Nichts zu machen?"
Die Deutschen und ihr Fimmel mit der Synchronisation. "Es geht doch so viel dabei verloren", murmelt Adam Bousdoukos. "Synchronisation ist genauso daneben wie Fotoshoppen."
Originalschauplätze in Nikosia
Nun denn, Bousdoukos macht gute Miene zum bösen Spiel. Auf Griechisch, Türkisch und auf Englisch hatte das Filmteam die kleine, charmante Komödie "Smuggling Hendrix" an Originalschauplätzen im türkischen und im griechischen Teil der zyprischen Inselhauptstadt Nikosia gedreht.
Vordergründig geht es in "Smuggling Hendrix" um einen Hund namens Jimi, der über die Demarkationslinie entwischt und den (beinahe) zum Scheitern verurteilten Versuch seines Herrchens Yiannis (Bousdoukos), einem schluffigen Loser vor dem Herrn, Jimi wieder aus dem türkischen Teil herauszuschmuggeln.
Toleranz und Freundschaft über Grenzen hinweg
Wie jede gute Komödie geht es auch in "Smuggling Hendrix" um viel mehr: Um die Frage nach Loyalitäten etwa, um Absurditäten auf einer seit 1974 geteilten Insel, um Fragen der Toleranz und Freundschaft über alle Grenzen weg.
Mit Geschick vermeidet Regisseur Marios Piperides in seinem ansprechenden Erstling den gehobenen Zeigefinger, Lösungen bietet er nicht an. Wie sollte er auch. Auch Adam Bousdoukos, 1974 in Hamburg geboren, weiß keinen Ausweg.
Der Abräumer beim Tribeca Festival in New York
"Es ist auf beiden Seiten soviel Unrecht geschehen", sagt der Sohn griechischer Gastarbeiter. "So viele Existenzen sind durch die Teilung zerstört worden, wie soll man das denn heilen?" 2018 war der Streifen, der von Arte und dem ZDF (Redaktion "Kleines Fernsehspiel") kofinanziert worden ist, der Abräumer beim Tribeca Filmfestival in New York.
Auch die Römer haben ihn geliebt, wie Bousdoukos ohne falsche Bescheidenheit sagt. Zuletzt hatte "Hendrix" das Filmfestival in Cottbus eröffnet. Und Bousdoukos war immer mit dabei als Reisender in eigener Sache, zwischen einem anstrengenden Dreh in Balingen, wo gerade die SWR-Serie "Spätzle Arriabata" abgedreht wird, und der Familie in Hamburg. "Ich werde immer für Multikulti gebucht", sagt Bousdoukos abgeklärt. Ist so, kann man wenig machen.
Mit Fatih Akin die Schulbank gedrückt
Mal ist er im "Tatort" zu sehen, mal in einer der vielen Soko-Filialen. Den Durchbruch hatte er in den Filmen seines Freundes Fatih Akin mit dem er einst die Schulbank gedrückt hatte. Wo Akin ist, ist Bousdoukos nicht weit. Seit über 20 Jahre geht das nun so und dem Fatih-Akin-Debüt "Kurz und schmerzlos".
In "Gegen die Wand" sah man Bousdoukos ebenso wie in "Soul Kitchen", zuletzt "Im goldenen Handschuh", der abgründigen Geschichte eines Frauenmörders. Ob der "Handschuh" in Heilbronn gelaufen sei?, will er noch wissen. Ist er, ja. "Ich musste bei der Premiere wegschauen", sagt Bousdoukos, ganz die zarte Seele.
Der Schauspieler: Aufgewachsen als Sohn griechischer Eltern im Hamburg-Altona, spielte Adam Bousdoukos, Jahrgang 1974, als Teenager in Werbespots und nahm später Unterricht an der Hamburger Stage School. 1998 erhielt Bousdoukos für seine Darstellung in "Kurz und schmerzlos" zusammen mit den anderen Hauptdarstellern Mehmet Kurtulus und Aleksandar Jovanovic den Bronzenen Leoparden beim Internationalen Filmfest von Locarno, 1998 und 2001 einen Adolf-Grimme-Preis.
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