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Stuttgart

Brust raus, Kinn hoch

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Zwölf Kinder erarbeiten auf der Probebühne mit den Machern des "Tarzan"-Musicals Szenen aus dem Stück. Eine schweißtreibende Stunde lang, nachher wird das Ganze im Theater auf der großen Bühne den stolzen Müttern, Tanten und Omas präsentiert.

Von Claudia Ihlefeld

Stagedoor, Bühneneingang, Apollo-Theater steht auf der unscheinbaren Tür, durch die gewöhnlich nur Mitarbeiter der Stuttgarter Musicals ein- und ausgehen.

Um halb zwei nachmittags ist hier wenig los. Das wird sich ändern, wenn am Abend die Maschinerie angeworfen wird für das Musical "Tarzan", das sich seit seiner Premiere auf den Fildern Ende November gut verkauft. Eine körperintensive Produktion mit spektakulärer Luftakrobatik über den Köpfen des Publikums zur Musik von Phil Collins.

Die Lovestory zwischen Tarzan und Jane ist familientauglich. Dass dahinter harte Arbeit steckt, eine komplexe Bühnentechnik, ein Arsenal an Requisten und fantastischen Kostümen haben die Teilnehmer des Lesersommers unserer Zeitung erlebt. Hautnah im Wortsinn.

Zwei bis drei Mal im Monat ist Len Krause (Mitte) der kleine Tarzan auf der großen Musical-Bühne. Mit Wencke Elfers zeigt er den Kindern, wie es geht.
Foto: Ihlefeld
Zwei bis drei Mal im Monat ist Len Krause (Mitte) der kleine Tarzan auf der großen Musical-Bühne. Mit Wencke Elfers zeigt er den Kindern, wie es geht. Foto: Ihlefeld  Foto: Ihlefeld

Zwölf Kinder erarbeiten auf der Probebühne Szenen aus dem Musical. Eine schweißtreibende Stunde lang, nachher wird das Ganze im Theater auf der großen Bühne den stolzen Müttern, Tanten und Omas präsentiert. "Wofür andere sechs Monate brauchen, das machen wir in einer Stunde", scherzt Thomas Hirschfeld. Der gebürtige Berliner ist Tanzpädagoge und bei Stage Entertainment künstlerischer Leiter für Kinder. Will heißen, wann immer bei einem Musical eine Kinderrolle zu besetzen ist, Hirschfeld trainiert, motiviert und kümmert sich. Heute wird er Marc, Natalie, Max, Tim, Luke und die anderen in kurzer Zeit fit machen für einen Auftritt auf der großen Bühne im leeren Apollo-Theater vor 1800 roten Sesseln.

Zwischen Workshop und Auftritt führt eine Backstagebesichtigung durch das Labyrinth der Seiten- und Nebenbühnen, in die Requisite, wo sich Tarzanbabies aus Silikon stapeln. Vorbei an der Schmodderbox, so der Bühnenjargon, in der die Darsteller Ganzkörperschminke verpasst bekommen, geht es zum Radioroom, dem Tonstudio, und über Treppen hoch hinaus zum Bühnenhimmel, von dem aus Tarzan herunter durch die Lüfte schwingt.

Mit anderen Augen

"Ich werde die Show mit anderen Augen sehen", zollt Conny Schweiker dem Gesamtkunstwerk Musical Respekt. Für die Abendvorstellung hat sie für sich und Sohn Max Karten besorgt. Zuerst aber ist Arbeit angesagt. "Ihr wisst, dass ihr euch bewegen müsst", nimmt Thomas Hirschfeld die noch Skeptischen mit ins Boot und auf den grasgrünen Tanzboden der Probebühne. Schuhe ausziehen und aufgepasst. Mit dabei: Der zehnjährige Len Krause, der im Musical den kleinen Tarzan spielt, und Wencke Elfers, die beim Training hilft.

Mit der Faust auf die Brust trommeln, mit Schlenkerarmen hin- und herpendeln, auf allen Vieren rennen. Und brüllen wie ein Affe. "Fliegen, das lassen wir", frotzelt der Tanzpädagoge. Wie ein Affe läuft? In die Knie gehen, Brust raus, Kinn hoch und die Füße leicht nach innen, das Gegenteil vom Entengang.

Fischrolle

"Jetzt müsst ihr ein bisschen denken", packt Hirschfeld die Truppe beim Ehrgeiz. Und erklärt die nächste Spielszene. Dann wird die Originalmusik eingespielt, das Ganze um weitere Schrittfolgen erweitert. "Fischrolle, Ausflippen, einen Kreis bilden und Affentanz im Uhrzeigersinn. And go." "Super", der neunjährige Nick ist konzentriert bei der Sache. Stressig? "Nö", sagt Felix (11), lässig wie ein Profi.

"Die gehen heute früh ins Bett", ruft Wencke Elfers den Erwachsenen auf deren Beobachtungsposten zu. "In Schwaigern haben wir einen Affenzoo. Da hätten wir vorher zugucken sollen", seufzt eine Mutter.

 

 
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