Bonnie Tyler: "Ich liebe alle meine alten Songs"
Bonnie Tylers Stimme ist unverwechselbar. Im Herbst kommt die britische Rocksängerin nach Heilbronn. Über ihre Vorliebe für bombastische Balladen spricht sie im Interview.

Was macht eigentlich Bonnie Tyler. Sie war so unvernünftig damals, in den frühen 70er Jahren. Miss Gaynor Hopkins, so ihr Name, konnte einfach nicht ihren Mund halten. Die Ärzte, die die spätere Bonnie Tyler nach der Operation an den Stimmbändern ein Schweigegebot auferlegt hatten, mögen ob ihrer Unvernunft die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben.
Doch ohne ihren Dickkopf wäre die walisische Rockröhre vielleicht nie zu der Rockikone geworden, die sie heute noch ist, die Frau, die man sofort an ihrer aufgerauten Stimme erkennt.
Mrs Tyler, mit ihrer letzten, in Nashville produzierten Platte "Rocks and Honey" scheinen Sie zurück zu Ihren Wurzeln gegangen zu sein. Wie erklären Sie sich ihre Affinität zu countryesken Songs?
Bonnie Tyler: Das kann ich gar nicht erklären. Aber es stimmt wohl. Ich liebe Country-Musik. Schon in meinen Anfangsjahren, als ich noch durch die walisischen Clubs gezogen bin, habe ich viel Country und Bluesrock gesungen. In den Clubs gab es damals ganz bestimmte Tage, Bluestage, Countrytage, aber auch Tage, die ganz und gar dem Ballroom Dancing gehörten. Das habe ich alles gemacht. Selbst mein Song "It"s a Heartache", das war ja schon viele Jahre später, wurde am Anfang in den Country-Rock-Charts gelistet. Das muss man sich einmal vorstellen. Aber, keine Bange, auf meiner Herbsttour werde ich nur drei Songs aus meinem aktuellen Album spielen. Die Leute wollen doch meine alten Songs hören und mitsingen.
Sind Sie es nie müde, die Hits aus den 70ern und 80ern zu singen?
Tyler: Nie, wirklich nie. Erstens habe ich eine tolle Band dabei, Musiker, mit denen ich schon seit vielen Jahren zusammenspiele. Und ich liebe diese Songs wirklich. Ihren ganzen Bombast. Herrlich.
Wenn man Songs wie "Total Eclipse of the Heart" aus der Feder von Jim Steinman heute hört, dann scheinen sie tatsächlich Teil des Soundtracks der 80er Jahre zu sein, als alles größer war, die Schulterpolster in den Blazern, die hochgeföhnten Haare, Maggie Thatcher. Alles bigger than life.
Tyler: Jim Steinman hatte damit wirklich den Finger am Puls der Zeit, meine Güte.
Die 80er in Großbritannien wurden ja auch von den unbarmherzigen Bergarbeiterstreiks bestimmt. Sie entstammen einer Familie von Bergleuten, wie haben Sie die Zeit erlebt?
Tyler: Mein Vater war damals schon in Rente, aber natürlich haben wir das mit Bangen verfolgt. Es war schrecklich, als sie den Kampf verloren geben mussten, schrecklich auch für ihre Familien hier bei uns in den walisischen Abbaugebieten. Es gab eine große Not. Ich selbst war damals so furchtbar mit mir selbst beschäftigt und so viel in den USA unterwegs, dass ich es bloß aus der Ferne miterlebt habe.
In den 70er und 80er Jahren waren Sie Stammgast in den deutschen Musiksendungen, wie oft waren Sie in der "Disco" von Ilja Richter?
Tyler: Oft, aber wie oft? Ach, das war ein Netter. Gibt es ihn noch?
Ilja Richter spielt jetzt Theater. Wäre das eine Option für Sie gewesen, die Theaterbühne?
Tyler (bestürzt): Nie. Ich kann nur singen. Selbst die Aufnahme dieser Videos bringen mich regelmäßig an den Rand des Wahnsinns.
Konzert in Heilbronn
Bonnie Tyler & Band, Donnerstag, 3. November, 20 Uhr, Harmonie Heilbronn. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und bei vielen weiteren Vorverkaufsstellen.
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