Blütenzauber in Paradiesgärten
„Garten Eden“: farbenfrohe Sommerausstellung

Bietigheim-Bissingen - An erster Stelle der sieben antiken Weltwunder steht ein Garten. Bis heute ist ungeklärt ob „die hängenden Gärten der Semiramis“ in Babylon, in Ninive oder ausschließlich in der Fantasie existierten. Welche Blüten die Fantasiegärten von Künstlern treiben, zeigt die Sommerausstellung der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen: „Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900“.
Glücksversprechen Verflossene Paradiese, ersehntes Arkadien – der Garten ist mehr als nur gebrauchsfähige Gemüse-, Grün- und Zierfläche im Hier und Jetzt, er ist Glücksversprechen. Das wussten schon die alten Chinesen: „Willst du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner“. Der Gärtner, gar „der große Gärtner“ (1938-1945) bei Emil Nolde, zieht sich als Sujet durch Jugendstil, Im- und Expressionismus bis in die Gegenwart. Niederländische Ernüchterung könnte die Fotoserie (2000) von Noor Damen heißen, die einen Blick auf kommerzielle Blumenfelder wirft, Monokulturen, in deren Mitte jeweils ein Mann steht, beim Jäten, Harken und Pflücken.
Vom Urwald übers Treibhaus bis zum Heckenschnitt: Die überbordende Lust am Thema – rund 100 Werke von 50 Künstlerinnen und Künstlern aus 15 Ländern – wird durch Gegenüberstellungen gebändigt. Neben dem naiven „Urwald“ von Rousseau (Leihgabe aus dem Museum Zander Bönnigheim) hängen Paare beim Sex im Grünen, gemalt von Johannes Hüppi. „Ohne Titel“ (1995/96) setzt der Maler als Kontrapunkt zum nackten Fleisch einen (grünen) Wagen der gehobenen Preisklasse in seine Minibilder.
Exoten Zu Gemälden und Fotos gesellen sich Skulpturen und Exoten wie die Scannografie von Luzia Simons „Stockage 45“ (2006). Reale Tulpen auf dem Scanner, inszeniert wie das Zitat eines Stilllebens des 18. Jahrhunderts und zum Wandfüller aufgeblasen. Eine wunderbar ironische Brechung der (harmonischen) Beziehung zur Natur ist der Riesenscherenschnitt „Could Be You“ (1998) von Gabriele Basch.
Weitere Glanzlichter sind die begehbare Installation „Laboratorium/Wintergarten“ (2007) des Biologen und Künstlers Klaus Fritze sowie die Diaschau „Projektion 3 (F) Flowers“ (1998), in der das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli/David Weiss in einer Dunkelkammer zur ruhigen Betrachtung aus der Froschperspektive einlädt.
Die Sicht eines Insekts nimmt die Kamera im Video „Exorcismus“ (2004) von Silvie Defraoui ein. Kreuz und quer kurvt das Tierchen durch die blütenreiche Wildnis eines Gewächshauses. Je mehr man sich auf das mit Gebrumm unterlegte Flugverhalten einlässt, desto deutlicher wird: dem Blütenzauber in den Fantasiegärten fehlt der Duft.
„Garten Eden“, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, bis 6.Juli geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 18Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.
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