Befremden und Befreien

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Jochen Wahl, Künstler des Phantastischen Realismus, ist tot

Die surreale Spannung zwischen Nüchternheit und Phantasie war sein Thema: Jochen Wahl - 1998 in einer Ausstellung in Brackenheim.
          Foto : Andreas Veigel
Die surreale Spannung zwischen Nüchternheit und Phantasie war sein Thema: Jochen Wahl - 1998 in einer Ausstellung in Brackenheim. Foto : Andreas Veigel

Obersulm  - Fantastische Figuren und Masken eines surrealen Kosmos waren zentrale Themen: Im Alter von 64 Jahren ist der Künstler Jochen Wahl aus Obersulm-Willsbach gestorben. 1942 in Tübingen geboren, studierte Wahl nach dem Erlernen der Kupferstichtechnik als Meisterschüler von Rudolf Hausner an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.

Dort erhielt er die Goldene Fügermedaille in Österreich, benannt nach dem 1751 in Heilbronn geborenen späteren Wiener Hofmaler Heinrich Friedrich Füger.

Wahl erweiterte seinen Stil ab 1972 durch plastische Arbeiten in Groß- und Kleinformaten aus Metall, Stein, Holz Textil, Leder, Gips, Plastik und Bein, legte großformatige Farbradier-Zyklen, die er selbst druckte und Farbstiftzeichnungen sowie mehrere Bilder-Bücher wie „BlickDicht“ (1989), „Radierbilderbuch“ (1993) oder „Geschminkte Wahrheiten“ (1999) vor.

Lang ist die Liste seiner Ausstellungen im In- und Ausland, seine letzte Beteiligung datiert von 2005 im Geno-Haus in Stuttgart. Ankäufe seiner Arbeiten, die unter dem Epochenbegriff des Phantastischen Realismus beziehungsweise Wiener Surrealismus einzuordnen sind, erfolgten durch die Albertina in Wien, durch die Staatsgalerie Stuttgart, durch das Deutsche Ledermuseum in Offenbach, die Sammlung van der Grinten im Museum Schloss Moyland und durch die Sammlung Paul Schwenk auf Schloss Haigerloch.

Das Plakat des regionalen Ausstellungsprojekts KunstRegionBahn zeigt seine Großplastik „Auseinandersetzung“. Bis 2005 unterhielt Jochen e Wahl ein Atelier im Kunstbahnhof Waldenburg. Bezeichnend für sein surreales Universum ist etwa der Plakattitel „Galaktisches Plankton“, auf dem 80 kleine Einzelradierungen komponiert wurden.

Wahl verlebendigte seltsam-rätselhafte Mischwesen, die spielerisch anmuten und aus menschlichen, tierischen und dinglichen Elementen in technischer Perfektion gestaltet sind.

Der Künstler Jochen Wahl setzte in seinen Arbeiten in mannigfaltiger Kreativität und mit unterschiedlichen Werkstoffen und Techniken auf die Spannung zwischen Nüchternheit und Phantasie, zwischen Befremden und Befreiung, sowie auf die notwendige Balance zwischen Traurigkeit und Heiterkeit. red

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