Aufbruch zur Unendlichkeit: Iron Maiden präsentieren neues Album

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Iron Maiden präsentieren ihr neues Album

Von Andreas Gugau
Nach mehr als 30 Jahren sind Iron Maiden mit ihrem Sänger Bruce Dickinson eine der kommerziell erfolgreichsten Heavy-Metal-Bands. Auf ihrer neuen Tournee konzentrieren sich die Engländer auf neues Material.Foto: Archiv/Gugau
Nach mehr als 30 Jahren sind Iron Maiden mit ihrem Sänger Bruce Dickinson eine der kommerziell erfolgreichsten Heavy-Metal-Bands. Auf ihrer neuen Tournee konzentrieren sich die Engländer auf neues Material.Foto: Archiv/Gugau

Heilbronn - Nur die Lautstärke macht"s. Wer die neue Platte von Iron Maiden auflegt und dann Rücksicht auf die Nachbarn nimmt, hat schon verloren. In Zimmerlautstärke plätschert das fast vierminütige Intro nur so vor sich hin. Wer aber die HiFi-Anlage richtig aufdreht, fühlt sich schon nach der ersten Minute wie im Stahlwerk, bevor dann die ersten Takte von "The Final Frontier" ("Die letzte Grenze") mit Gewalt losbrechen. Jetzt endlich kann man wieder das Schwermetall einer CD spüren.

Vier Jahre, eine Mammuttournee im eigenen Flugzeug und mehr als eine Erdumrundung später − die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden hat sich Zeit gelassen für ihr neues Album. Herausgekommen sind zehn überaus anspruchsvolle Stücke mit gewohnt düster-ehrlichen Texten.

Das 15. Studioalbum der Band macht einen erwachsenen Eindruck, ohne Schnörkel, geradlinig, ohne Muskelspiele und doch in heutiger Zeit ungewohnt. So drängt sich nach und nach der Verdacht auf, dass die Gesangsstimme nicht wie oft üblich mehrfach übereinander gemischt wurde, sondern einfach gesungen ist. Vor allem bei "The Talisman", besticht der Gesang von Bruce Dickinson mit einem unverschnörkelten, ehrlichen Sound.

Aber eben dieser direkte Sound ist für viele Fans irritierend. Während die Musik-Fachpresse das neue Album mit Sonderausgaben, Extras und Reportagen ungehört gefeiert hat, vermissen viele Fans solche Songs zum Mitfeiern, können mit dem progressiven Material nicht allzu viel anfangen.

Bahamas

Dabei ist "The Final Frontier" eben nur die logische Fortsetzung des Weges, den die Band vor zehn Jahren, als Sänger Dickinson und Gitarrist Adrian Smith wieder zurückkehrten, eingeschlagen hat. Alles wirkt gesetzter, durchdachter, die Gitarren sind satt abgemischt. Der Band scheinen die Aufnahmen auf den Bahamas gut getan zu haben. Iron Maiden waren wieder in dem Studio, in dem sie bereits 1983 ihre Platte "Piece of Mind" aufgenommen hatten.

Eine Rückkehr, auch musikalisch gesehen. Denn eine gewisse Ähnlichkeit zum 27 Jahre alten Album ist nicht von der Hand zu weisen. Kein Wunder, hat das Studio doch noch immer den gleichen Teppich, das gleiche Loch im Fensterladen und Bruce Dickinson scherzt im Interview: "Nicht ausgetrunkenes Bier von 1983 ist immer noch dort."


Nach dem Eröffnungsstück schließt sich "El Dorado", das als erste Single kostenlos erhältlich war, nahtlos an − und geht fast unter. Der einzige große Schwachpunkt der Platte und das, obwohl das Stück bei den wenigen bisherigen Live-Auftritten der Band mit ihrem neuen Material überzeugt hat.

"Mother of Mercy" als nächstes Stück bricht aus dieser Umklammerung wieder aus, bevor das vierte Stück, "Coming Home", zunächst eher getragen und tiefgründig-balladesk, als einer der absoluten Höhepunkte verbucht werden kann.

Seit Adrian Smith verstärkt im Songschreiben tätig ist, zeigt Iron Maiden insgesamt mehr Finesse und Brillanz. Das ist beispielsweise beim komplexen und irgendwie entwaffnenden "Isle of Avalon" gut zu hören, dem aber mit "Starblind" ein Stück folgt, das zum aktuellen Tour-T-Shirt von Bruce Dickinson passt, auf dem "Psycho Ward" ("Psychiatrische Station") steht.

Epos

Das darauf folgende "The Talisman" ist mitreißend, solide und mit echten Heavy-Metal-Gitarrenriffs schon jetzt eines der Lieblingsstücke der Maiden-Fans. Dazu passt das tiefgründige "The Man Who Would Be King" als Gegenpol.

Zum Schluss des 76 Minuten langen Albums gibt es noch einen elfminütigen Epos "When The Wild Wind Blows", den Bassist und Bandgründer Steve Harris alleine geschrieben hat und der in bester Nachfolge des legendären "Rime of The Ancient Mariner" steht − dieses Mal mit tragischem Ausgang.

Die Songs des Albums handeln oft von Weltall und Fliegerei, von einer Welt, in der vielleicht die letzte Grenze liegt. Dieses Gerüst hält die einzelnen Stücke zusammen. Ein Konzeptalbum ist "The Final Frontier" dennoch nicht geworden. Gleichwohl ist der Zugang alles andere als leicht, erfordert mehrmaliges Anhören und Konzentration auf die Musik. Nicht zu vergessen natürlich auch eine dem Genre angemessene Lautstärke.

Website der Band

www.ironmaiden.com

Nach oben  Nach oben