Arald, Woody und die Schlompen
Heilbronn - Nathalie Licard plaudert nett und harmlos im Alten Theater Sontheim

Heilbronn - Abteilung, Schublade, Klamotte, Schlampe. Das sind die deutschen Lieblingswörter von Nathalie Licard. Wobei sie letzteres in ihrem niedlichen französischen Akzent "Schlomp" ausspricht. Klamotte swingt in ihren Ohren, während Schublade "nach Bouillabaisse" (Fischsuppe) riecht. Abteilung? "Liegt anregend im Mund."
Nathalie Licard hat ein sinnliches Verhältnis zu vielen Wörtern der deutschen Sprache. Das liegt vermutlich daran, dass sie vor 16 Jahren einen mutigen Entschluss fasste und mit nur 20 Brocken Deutsch nach Köln zog: "Isch verstand äufig nicht mal Bahnof." Als kecke Assistentin mit süßem Akzent wurde sie rasch mit der Harald- − pardon Arald- − Schmidt-Show bekannt. Kein Wunder: Nach einer Umfrage des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache halten 36 Prozent der Deutschen Französisch für den beliebtesten ausländischen Akzent.
Von der Praktikantin arbeitete sie sich zur Telefonistin und Assistentin hoch und eignete sich die deutsche Sprache dabei im Selbstversuch an. Eine Überlebensfrage: Denn auch Nathalies Englisch gilt als bemitleidenswert. Ein Vorteil war sicher: "Arald kann Französisch".
Anekdoten Die Erfahrungen einer Französin in Deutschland hat Nathalie Licard in ihrem Anekdotenbuch "Ich bin gespannt wie gekochtes Gemüse" versammelt. Auszüge daraus präsentierte sie am Samstagabend vor 80 Besuchern in einer nett-harmlosen Show im Alten Theater Sontheim, nicht ohne zu verraten: "Isch abe Freunde in Eilbronn." Im braungemusterten Kleid und mit kastanienbraunem Haar ist die braunäugige Brillenträgerin ein herbstlicher Hingucker, der im Stehen und Sitzen pausenlos redet, die Augen verdreht, gestikuliert und lacht − über andere und sich selbst.
Affenhirn Ja, damals im "Süpermarkt" haben sich alle geschüttelt, als sie statt einer Scheibe Mortadella "eine Scheide Mortadella" orderte. Immer noch verwechselt sie "Bürste" und "Brüste", erzählt sie treuherzig, was zu heiklen Verwicklungen führen kann. Doch Vokabeln wie Kohlensäure und Wirtschaftlichkeit sind schuld daran, dass Franzosen die deutsche Sprache nicht übermäßig sexy finden.
Zum Brüllen komisch sind die eingespielten Interviews, die Nathalie Licard bei den Filmfestspielen in Cannes mit Nicolas Cage oder Woody Allen geführt hat. Den New Yorker Stadtneurotiker fragt sie radebrechend, was er denn davon halte, dass die Franzosen Schnecken und Frösche essen. "Wenn es zu ihrer Kultur gehört", erwidert ein leicht verunsicherter Woody Allen, "es gibt Kulturen, die essen Affenhirn."
Nathalie mag die Struktur der deutschen Sprache und die Dialektpflege. Drittwelt-Niveau bescheinigt sie deutschen "Süpermärkten": "In Frankreisch sind ja sogar die Dosen leckär. In Deutschland reischt mir der Anblick des Etiketts."
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