Alle Zeichen stehen auf Liebe bei "Die Schöne und das Biest" in der Harmonie
Das Liberi Theater aus Bochum betont in Heilbronn das Märchenhafte des Familienmusicals.

Es ist verdammt haarig, dieses Monster, und müffelt auch ein wenig. Ach ja, die Kleider, sie könnten in der Tat einmal ordentlich ausgelüftet werden, das Monster, liebevoll Biest gerufen, gleich mit. Miesepetrig ist es, halsstarrig auch, ein Wunder an übler Laune.
Und Manieren? Mit einem Wort: Man muss dieses Wesen in seiner ganzen herrlichen Widerwärtigkeit einfach mögen, das man in dem amüsanten, mit einem liebevollen Blick fürs Detail inszenierten Familienmusical "Die Schöne und das Biest" in der Harmonie kennenlernt.
Das Biest geistert seit Jahrhunderten durch die Kulturgeschichte
Du Biest, möchte man ihm gut zureden, komm, sprich dich aus. Wie lösen deine Probleme gemeinsam. Denn Probleme hat das Biest, das seit mehreren Jahrhunderten durch die europäische Kulturgeschichte geistert und insbesondere in Gestalt des französischen Volksmärchens "La Belle et la Bête" bekannt geworden ist.
Die Geschichte von der Schönen, die das Biest durch ihre ehrliche Liebe erlösen muss, wird immer wieder neu erzählt, experimentell etwa von Philip Glass und Jean Cocteau, manchmal auch erzreaktionär, konventionell bis kitschig interpretiert aus dem Hause Disney.
Das Tourneetheater Liberi aus Bochum hat Regisseur Helge Fedder beauftragt, den Kitsch Kitsch sein zu lassen.
Keine überzuckerte Inszenierung
Fedder besinnt sich auf das Märchenhafte im Märchen, überzuckert ist seine Inszenierung aber nicht. Da sind auch die Komponisten Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker vor, die die Musik und die Lyrics besorgen, fetzig sind die Songs, zeitgenössisch poppig bis bluesig und sprechen so nicht nur die kleinen Besucher an.
Das Musical mit seinen vielen köstlichen Wortgefechten nimmt alle Besucher mit, in der bestens besuchten Harmonie gleich 1000 Fans, die das Biest tatkräftig unterstützen, das Robert Steffen mit seinem warmen Bariton überaus sympathisch zeichnet.
Es benötigt schließlich Hilfe, und Kinder sind da ganz uneigennützig. "Du siehst nur mit dem Herzen gut", die Kinder leben das Motiv, wie man es auch aus dem "Kleinen Prinzen" kennt, wie selbstverständlich vor und finden in der gutherzigen Belle eine Verbündete.
Freiwillig in die Hände des Biests
Die begibt sich, nach einem Missgeschick ihres Vaters, freiwillig in die Hände des Biests. Eine Rose hatte ihr Vater aus dem Vorgarten des Biests gemopst, das Urteil des aufgebrachten Biests: "Eine Rose, ein Leben."
Belle nimmt ihre Rolle an, Anastasia Ivanova spielt sie frech und vorlaut, unerschrocken gibt sie dem Biest Kontra. Wenn man Komödienstoff kennt, die Screwball Comedies alter und jüngerer Tage, dann weiß man, dass alle Zeichen auf Liebe stehen.
Zumal es da auch noch die tatkräftige Unterstützung des mit dem Biest verzauberten Hofstaats gibt, den Fedder in futuristische Kostüme gesteckt hat und vom Liberi-Ensemble mit ansteckend guter Laune gezeichnet wird.
Spannender als der langweilige Prinz
Was soll man sagen? Das Biest und Belle, Belle und Pierre, das nunmehr in den Prinzen zurückverwandelte Ex-Biest: Sie scheinen sich verdient zu haben. Mit einem Wermutstropfen. Das Biest, es war eindeutig spannender als der langweilige Prinz. Wenn das Belle ahnen würde.
Der Ursprung des Musicals
Die Geschichte des Musicals "Die Schöne und das Biest" basiert auf einem französischen Volksmärchen, das im 18. Jahrhundert in verschiedenen Versionen niedergeschrieben worden ist. Die erste Veröffentlichung war 1740 eine Aufbereitung der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve. Die Motive indes, die diesem Märchen zugrunde liegen, sind in der Mythologie wie auch im Alten Testament entlehnt. Vielfach wurde die Geschichte des schönen jungen Mädchens und des verzauberten Prinzen adaptiert: in der bildenden Kunst und als Computerspiel, als Oper und Disney-Musical oder als Film, so etwa 1946 in der Inszenierung von Regisseur Jean Cocteau mit Jean Marais.
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