Wenn es mal so richtig kracht

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Dinkelsbühl - Mit dem furiosen Auftritt von In Flames ist das Summer-Breeze-Festival am Samstag zu Ende gegangen. Rund 37.000 Rocker haben 100 Bands drei Tage lang von Mittags bis spät in die Nacht zugejubelt.

Von Andreas Gugau

Dinkelsbühl - Dreimal so viele Rocker wie Einwohner sind ein Wort. Rund 37.000 Rocker haben 100 Bands drei Tage lang von Mittags bis spät in die Nacht beim Summer-Breeze-Festival zugejubelt. Und die lieferten auch viel Grund für Jubelorgien. Denn das Festival bei Dinkelsbühl ist zwar nur halb so groß wie das in Wacken, dafür geht’s in Mittelfranken tatsächlich noch um die Musik.


Man könnte das Festival in Wacken als Maßstab nehmen, mit 75.000 Besuchern das größte seiner Art, drei Tage nach der Veranstaltung ist das Festival 2014 bereits wieder ausverkauft, obwohl noch gar nicht klar ist, wer dort spielt. Es geht ums Dabeisein, um den Rummel, nicht mehr um die Musik – siehe Gastauftritt von Heino. Ein bisschen größer ginge es in Dinkelsbühl auch, es ist noch viel Platz ums 110 Hektar große Gelände, aber das wollen die Macher des Summer-Breeze wohl nicht. Denn noch sind die Wege erträglich lang, steht nur die Musik im Mittelpunkt.

Mit den zwei großen Bühnen direkt nebeneinander ist es auch für die Bands einfacher, das Publikum kann in den fünf Minuten Spielpause von einer Seite auf die andere wechseln, ohne die Hälfte vom ersten Gig zu verpassen und erst beim dritten Song vor der anderen Bühne am gefühlten Ende der Welt anzukommen. Und so kocht die Stimmung in Mittelfranken auch viel schneller über.

Dinkelsbühl - Nach einem furiosen Auftakt am Donnerstag (wir berichteten), ist auch am Freitag und Samstag harte Rockmusik aller Spielarten angesagt. Auf der „Party-Stage“ im großen Zelt ist vor allem die  ganz harte Fraktion am Start. Pro-Pain spielen beispielsweise ein bemerkenswertes Set.

Rammstein-Verschnitt

Überraschung am Freitag: Eisbrecher. Die Münchner Band ist musikalisch als Rammstein-Verschnitt eher nicht unbedingt für Großes gemacht, Frontmann  Alexander Wesselsky allerdings heizt im hellen Abendlicht die Stimmung vor der Hauptbühne so richtig an. Aber wahrscheinlich könnte der charismatische Sänger das auch, wenn hinter ihm die Blasmusik spielen würde. Und während Walls Of Jericho kurz darauf auf der etwas kleineren Bühne nichts falsch machen, liefern Anthrax dann das gewohnte Brett ab. Hart, schnell, voller Energie, Thrash-Metal wie aus dem Lehrbuch mit mehr als 30 Jahren Bühnenerfahrung sorgen vor der Kulisse eines traumhaften Sonnenuntergangs für fliegende Hände und beste Stimmung.

Da setzen Lamb Of God gleich noch einen drauf. Zwar „erst“ seit 20 Jahren im Geschäft lassen auch die Amerikaner nichts anbrennen. Vor der Hauptbühne werden nochmal mehr Haare geschüttelt, noch mehr Fäuste gen Himmel gerichtet. Wiewohl auch das noch steigerbar ist.

Infernalisches Musik-Feuerwerk

Überraschung am Samstag: Hatebreed, New York Hardcore. Es ist unglaublich energiegeladen, was die Band abliefert. Mehr als eine Stunde kracht's da mal so richtig. Wer am zweiten Festivalabend denkt, es ist voll, wundert sich am Samstagabend, als In Flames auf die Bühne steigen, die Scheinwerfer ins Publikum richten und dann ein infernalisches Musik-Feuerwerk abbrennen. Der riesige Platz vor der Bühne ist voll gepackt bis zum Rand, den Höhepunkt des dreieinhalbtägigen Festivals feiern die Rocker euphorisch. Dass Sänger Anders Fridén viel zu leise ist, ist verzeihbar. Die Death-Metal-Band aus Göteborg liefert ansonsten einen perfekten Sound, die Veranstalter zum Abschluss ein großes Feuerwerk.

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