Summer-Breeze in Dinkelsbühl: Kriegsgeheul, Party und Schwermetall
Dinkelsbühl - Die Erde bebt an diesem Donnerstagabend unweit von Dinkelsbühl. Sabaton spielen mit hämmerndem Schlagzeug, die Kriegsmaschinerie ist angekommen in der fränkischen Provinz. 35.000 Besucher erleben einen energiegeladenen zweiten Festivalabend beim ausverkauften Summer-Breeze.
Dinkelsbühl - Die Erde bebt an diesem Donnerstagabend unweit von Dinkelsbühl. Sabaton spielen mit hämmerndem Schlagzeug, die Kriegsmaschinerie ist angekommen in der fränkischen Provinz und Sänger Joakim Brodén macht, was ihm gesagt wird: „Noch ein Bier!“ Er stürzt die Dose auf ex herunter. 35000 Besucher erleben einen energiegeladenen zweiten Festivalabend beim ausverkauften Summer-Breeze in Dinkelsbühl.
Dabei muss Brodén vielleicht auch ein bisschen Dampf ablassen auf der großen Hauptbühne. Denn es läuft gerade nicht rund für die schwedische Heavy-Metal-Band. Eigentlich sollen sie anlässlich des Gedenkens für die Schlacht um Stalingrad in Wolgograd auftreten. Das aber versuchen einige Politiker in Russland zu verhindern, stempeln die Band ungerechtfertigter Weise als Nazis ab. Und dann geht auf dem Weg nach Dinkelsbühl auch noch ihr Gepäck verloren. Brodén macht am Freitag bei Facebook keinen Hehl aus seiner Meinung über die zweitgrößte deutsche Airline, Air Berlin.
Während Sabaton eine überzeugende Show abliefern, stehen dem auch Powerwolf, die direkt davor auf der etwas kleineren Bühne spielen, in nichts nach. Mit brennendem Kreuz, weiß geschminkten Gesichtern und sichtbar viel Spielfreude bereitet die Band den Boden für Sabaton. Nach dem Headliner wissen dann auch Saltatio Mortis zu überzeugen. Der Sound ist für eine Open-Air-Veranstaltung über alle Zweifel erhaben.
Weitere Programmpunkte
Ein Festival in der Größe des Summer-Breeze hat allerdings mehr zu bieten als zwei Hauptbühnen, aus denen abwechselnd gespielt wird. Denn gleichzeitig läuft das Programm im riesigen Zelt und auf einer vierten, kleinen Bühne mühen sich stundenweise drei Kapellen zwischen Zelt und VIP-Bereich ab, abwechselnd und manchmal auch gleichzeitig beschallt von beiden Seiten. Drei Band bestreiten da ein Programm von 15.40 Uhr bis 2.15 Uhr am nächsten Morgen. Man sollte ihnen eigentlich mehr Aufmerksamkeit schenken.
Und während Sabaton rocken und Honigdieb sich abmühen, lassen's andere im Zelt richtig krachen: Cult of Luna, ebenfalls aus Schweden, mit weniger Kriegsgeschrei als die Band auf der Hauptbühne, dafür mit deutlich mehr Tempo.
Ohnehin sorgen die Skandinavier bei Dinkelsbühl für die eine oder andere Begegnung der anderen Art. Was Korpiklaani da auf der Bühne machen, würde gut auch auf den Ballermann passen. Die feierwütige Meute ist begeistert, auch bei Stephan Weidner, inzwischen als Der W firmierendes Überbleibsel der Böhsen Onkelz und eigentlich auf der Hauptbühne zur besten Zeit nicht wirklich gut aufgehoben.
Begegnungen
Dass es dann noch ein paar Begegnungen zwischen Schwermetallern und Anwohnern gibt, dafür haben die Veranstalter des Festivals gesorgt. Wer in der Gegend wohnt und mindestens 45 Jahre alt ist, darf umsonst schauen und hören gehen.
An diesem Samstag gibt’s noch einige sehenswerte Bands. Architects, Devil Driver, Amorphis, Dark Funderal, Hatebreed und In Flames stehen auf dem Spielplan.
Info
Für den heutigen Samstag gibt es noch eine limitierte Zahl von Tageskarten direkt vor Ort. Die erste Band spielt um 12 Uhr, Schluss ist am Sonntagmorgen um 3 Uhr.
Hintergrund: Summer-Breeze-Festival
Das Festival gibt es seit 1997. Zunächst wurde in der Nähe von Aalen gerockt, seit 2006 steigt das Summer-Breeze jedes Jahr im mittelfränkischen Dinkelsbühl. Mit 35.000 Besuchern ist die Veranstaltung in diesem Jahr wie auch in den Vorjahren ausverkauft. Im Vergleich zu anderen Festivals wie dem Taubertal in der Woche zuvor in Rothenburg oder dem Volksfest in Wacken spielen beim Summer-Breeze vor allem Bands der härteren Fraktion. gug

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