Helene Fischer in Stuttgart: Sie ist und bleibt ein Phänomen
Helene Fischer begeistert zwei Mal 10.000 Fans in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle.
„Du, bist ein Phänomen. Du, kannst die Erde drehen. Du, dich fängt niemand ein.“ Nein, Helene Fischer singt kein Loblied auf sich selbst. Obwohl sie allen Grund dazu hätte. Die 30-Jährige ist derzeit der Stern am deutschen Schlagerhimmel. Sie ist in der Tat ein Phänomen – kaum ein Künstler schafft es wohl, an zwei Abenden nacheinander die Schleyerhalle in Stuttgart bis auf den letzten Platz mit jeweils 10 000 Menschen zu füllen. Am Montag wurde die blonde Schönheit bei ihrem spektakulären Konzert in der Landeshauptstadt frenetisch bejubelt.
„Farbenspiel“ sind Helene Fischers jüngstes Album und ihre aktuelle Tournee überschrieben. Und in der Tat: Was die Sängerin mit ihren Tänzern mehr als drei Stunden lang abliefert, ist bunt. In jeder Hinsicht. Musikalisch beherrscht sie die ganze Klaviatur. Mal laut, mal leise. Mal rockig, mal sanft. Mal wild, mal verträumt. „Wir treiben es heute bunt“, ruft sie ihren Fans zu. Während beim Musikantenstadl noch gemütlich geschunkelt wird, rockt Helene Fischer die Bühne. Die Grenzen zwischen Schlager und Pop verschwimmen zunehmend – das gilt als eines ihrer vielen Erfolgsgeheimnisse.
Mit glasklarer Stimme schmettert die 30-Jährige zum Beispiel „Bring me back to life“ von Evanescence. Es soll nicht das einzige Lied in englischer Sprache bleiben. Aber man spürt deutlich: Ihre eigenen Songs zünden besser an diesem unterhaltsamen Abend in Stuttgart. Egal ob „Fehlerfrei“, „Marathon“ oder „Ich will immer wieder … dieses Fieber spür’n“. Schlager muss nicht tiefschürfend sein. Doch die Macher müssen ihn – und seine Fans – sehr ernst nehmen, damit er funktioniert. Und das tut er bei Helene Fischer. Sie singt den Menschen aus der Seele – von Liebe, Hoffnung, Sehnsucht und Zärtlichkeit. Und von Fehlern und Makeln, die man bei der erfolgreichen Sängerin meist vergebens sucht. Ob 18 oder 68 Jahre alt – die Blondine vereint (fast) alle Altersklassen.
Helene Fischer ist mehr als eine Sängerin, sie hat Entertainer-Qualitäten, was sie ihrer Musicalausbildung verdankt. Vielfältig, bunt und aufwendig ist die Bühnenshow. Tänzer wirbeln um die 30-Jährige herum, sie selbst wechselt alle paar Lieder ihre Outfits. Mal im kurzen Latexrock, mal im langen Abendkleid, mal im Shirt mit dem Aufdruck „I love Stuttgart“ singt, tanzt und groovt sie über die riesige Bühne. Zu den verträumten Klängen von Celine Dions „My heart will go on“ schwebt Fischer während des opulenten Konzerts auf einem riesigen Vogel über die Köpfe der Fans hinweg durch die Halle.
Atemlos
Als der Abend auf seinen Höhepunkt zusteuert, werden auch die letzten erlöst, die sich bis dato noch nicht so sehr mit den Liedtexten von Helene Fischer beschäftigt haben. Bei „Atemlos“ – zunächst in einer langsameren Akustik-Version, dann als lauter Partykracher – hält es keinen mehr auf dem Sitz. Aus 10 000 Kehlen erklingt der Refrain jenes Liedes, das auf keiner Feier mehr fehlen darf. Jenes Lied, das Fischer zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM-Party in Berlin gesungen hat. Und da schließt sich der Kreis. Denn man muss kein Fan von Helene Fischer sein, um an diesem Abend Spaß zu haben. Und um „Atemlos“ zu mögen. Diese Frau ist eben einfach ein Phänomen.

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