Die Überfliegerin: Pink in Stuttgart

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Stuttgart - Pink begeistert in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle mit Gesang, Akrobatik und durchtrainierten Körpern.

Von unserem Redakteur Andreas Gugau


Stuttgart - Superlative sind grundsätzlich sparsam einzusetzen, vor allem im Zusammenhang mit Konzerten. Aber es gibt diese Abende, da kramt das Gehirn jeden nur erdenklichen Superlativ heraus und erinnert sich auch noch am nächsten Morgen daran, wenn sich die Euphorie des Konzerts bereits gelegt hat. Und Pink hat sie alle verdient, mit einer winzigen Einschränkung.

Die gigantische Bühne, die gerade mal so in die zwölf Meter zwischen Hallenboden und Deckenträger in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle passt, dazu eine fulminante Lichtshow, eine Sängerin, die artistische Einlagen en masse bietet und die den Kontakt zum Publikum sucht, sorgen für Glücksgefühle. Und als zum Ende des Konzerts Pinks Stimme nachlässt ist das fast egal, weil die Körper der 13.000 am Mittwochabend längst von Endorphinen, Adrenalin und anderen Glückshormonen geflutet sind.

Sexy

Ein bisschen Testosteron dürfte da im Mix auch dabei gewesen sein, die Sängerin zeigt sich mal hart, mal als Objekt der Begierde bei „Wicked Game“ und immer unverhohlen sexy – wie auch die überaus gut gebauten Tänzer, von denen die Sängerin mal umschwärmt, mal unters Hallendach befördert wird.

Es wäre einer Zirkusshow würdig, würde Pink nicht Hits in Serie zum Besten geben. „U + Ur Hand“ gehört dazu, „Sober“ und natürlich „Try“ vom neusten Album. Die Stimme der Sängerin ist meist präsent, wird manchmal aber auch von den Background-Sängerinnen eingeholt. Die Luft ist hin und wieder ein bisschen knapp, aber wer würde bei solch’ Turnübungen am Trapez nicht außer Atem geraten? Die Band erlaubt sich dagegen keine Schwächen, lässt es krachen.

Und eigentlich hat Pink die meiste Zeit auch keine Schwächen, meistert schnell wie langsam, laut und leise, überzeugt bei einem beschaulichen Intermezzo mit Gitarre bei „The Great Escape“, „Who Knew“, „Fire & Rain“ und „Perfect“ auf dem Steg vor der mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Bühne.

Hausbesuche

Gerade mal 1,63 Meter misst Pink, auch wenn sie dank schwindelerregend hoher Absätze wirklich groß wirkt, vor allem, wenn sie neben ihrer zierlichen Gitarristin steht, die eine pink-weiße Flying-V hält, die ihr drei Nummern zu groß scheint, die sie aber fehlerfrei bedienen kann.

Wahre Größe aber, die zeigt sich im Umgang mit den Fans. Von Anfang an sucht Pink den Kontakt, legt sich auf den Bühnenrand und klatscht die Hände der vorderen Reihen ab, gibt im Konzert Autogramme und signiert das selbstgemalte Bild eines Fans. Sie nimmt Geschenke an, verkündet mit einer Sonnenblume in der Hand, dass sie die Sonne vermisst und macht dann auch noch im hinteren Hallendrittel Hausbesuche. Nicht, dass sie dort vorbei geht, nein, sie schwebt, an Drahtseilen hängend, durch die ganze Halle, singt, singt auch kopfüber ihren Hit „So What“, grüßt und winkt und macht glücklich.

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