AC/DC-Konzert: Und ewig blinken die Teufelshörner

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Stuttgart - Echte Superstars erkennt man daran, dass sie sich einen Dreck um den Rest der Welt scheren. AC/DC haben am Sonntag auf dem Cannstatter Wasen das Kunststück fertig gebracht, das Thema Fußball komplett zu ignorieren. Der Stimmung tat das keinen Abbruch: 65.000 Konzertbesucher feierten die Hard-Rock-Legenden.

Von Jürgen Paul
Echte Superstars erkennt man daran, dass sie sich einen Dreck um den Rest der Welt scheren. AC/DC haben am Sonntag auf dem Cannstatter Wasen das Kunststück fertig gebracht, das Thema Fußball komplett zu ignorieren. Dabei wäre es die perfekte Gelegenheit gewesen, die 65.000 Fans zusätzlich zu euphorisieren. Schließlich spielte Deutschland gegen Australien, das Land, in dem sich die Hard-Rock-Legende vor 37 Jahren gegründet hat.


Doch nix da: In der AC/DC-Welt ist kein Platz für Nebensächlichkeiten wie Fußball – Angus Young, Brian Johnson & Co. konzentrieren sich auf das Wesentliche: den simpel gestrickten Dampfhammer-Rock, den diese Band zur Perfektion getrieben hat. So mussten sich die Fußball-Fans per Handy über den Galaauftritt von Jogis Jungs informieren. Und mit jedem Tor wurde die Stimmung auf dem Wasen noch besser.

Keine Überraschungen

Nachdem am frühen Abend bereits Room 77 mit dem Heilbronner Keyboarder Wolfgang Blechschmitt und die Metal-Veteranen Accept das feierfreudige Publikum angeheizt hatten, setzt sich der Rock ’n’ Roll-Train pünktlich um 20:30 Uhr in Bewegung. Das beste Lied des aktuellen Albums „Black Ice“ eröffnet eine knapp zweistündige Party, die genau das liefert, was der gemeine AC/DC-Fan erwartet. Überraschungen gibt es bei
AC/DC nicht – die älteren Herren spielen ihr Programm routiniert, aber mit spürbarer Freude ab. Der Sound wird nach anfänglichen Problemen von Lied zu Lied besser, allerdings lässt die Lautstärke im hinteren Teil des Geländes zu wünschen übrig.

Die Fans stört das nicht: Sie feiern die Hits ihrer Helden, grölen mit, spielen Luftgitarre, lassen die Plastikteufelshörner blinken und sammeln fleißig Bierbecher mit Bandmotiven. „Thunderstruck“, „TNT“, „Back in Black“, „Dirty Deeds“, „Hells Bells“ – es geht Schlag auf Schlag, die Band gönnt sich und dem Publikum keine Ruhepause, auch die Songs der aktuellen Scheibe kommen gut an.

Striptease

Bei Angus Youngs obligatorischem Strip zu „The Jack“ steigt die Spannung: Trägt er wieder eine Deutschlandflagge unter seiner Shorts? Oder bekennt er sich – aus gegebenem Anlass – zu den Farben Australiens? Doch auch diesen Doppelpass zum Fußball verweigert das Energiebündel an der Gitarre: Auf seinem Hinterteil prangt, na klar, das AC/DC-Logo.


Eine furiose Version des Klassikers „Let there be Rock“ mit einem atemberaubenden Solo von Angus Young beschließt den offiziellen Teil des Konzerts, das natürlich in die Verlängerung geht. Mit „Highway to Hell“, dem AC/DC-Song schlechthin, und dem von Kanonendonner begleiteten „For those about to Rock“ beendet die größte Rock ’n’ Roll-Band der Welt die Riesenparty. Und keiner, der dabei war, dürfte es bereut haben, AC/DC den Vorzug vor dem Fußball gegeben zu haben.


Hintergrund: AC/DC

Die Band wurde 1973 von den Brüdern Angus und Malcolm Young in Australien gegründet und feierte ihre ersten Erfolge mit Sänger Bon Scott. Nach dessen Tod am 19. Februar 1980 kam Sänger Brian Johnson zu der Band. Das im selben Jahr veröffentlichte Album „Back in Black“ gilt als Meisterwerk, es verkaufte sich 49 Millionen Mal und ist damit die weltweit am zweitbesten verkaufte Platte der Musikgeschichte. Insgesamt haben AC/DC mehr als 200 Millionen Platten verkauft. red

Nach oben  Nach oben