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Kraftwerk bei den Jazzopen: Wenn die Mensch-Maschine unter Fehlschaltungen leidet

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Die legendäre Elektro-Band absolviert einen ausverkauften Auftritt bei den Stuttgarter Jazzopen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen.

Die Videos zu den Songs von Kraftwerk sind ausgefeilt und legendär, hier "Die Roboter", das bei den Jazzopen als Zugabe gespielt wurde.
Die Videos zu den Songs von Kraftwerk sind ausgefeilt und legendär, hier "Die Roboter", das bei den Jazzopen als Zugabe gespielt wurde.  Foto: Peter Boettcher

Der Auftritt von Kraftwerk 2018 bei den Jazzopen im Stuttgarter Schlosshof ist Legende: Damals wurde Astronaut Alexander Gerst aus der ISS zugeschaltet und spielte gemeinsam mit dem deutschen Elektro-Urgestein den Song „Spacelab“. Nun sind Kraftwerk wieder gekommen. Ohne Astronaut und Liveschalte, dafür mit Georg Bongartz als neuem Mann am Bedienpult für die Videos, spielen sie erneut ein ausverkauftes Konzert bei den diesjährigen Jazzopen.

Probleme mit der Surround-Anlage

Aber auch Legenden erwischen mal einen schlechten Tag. Aller Digitalisierung und Automatisierung zum Trotz kann es dann zu Fehlschaltungen und Ausfällen kommen. Da hat der Tonmischer hörbar Probleme, den Sound auf die Surround-Anlage im Stuttgarter Schlosshof zu verteilen. Der „Trans-Europa-Express“ fährt dann plötzlich ins Leere, während einige der Klänge aus den Apparaten von Ralf Hütter, Henning Schmitz und Falk Grieffenhagen übersteuert ankommen. Das verleiht zwar bekannten Nummern wie „Autobahn“ einen neuen, deutlich härteren Sound – offen bleibt, ob das so gewollt ist.

Zu allem Übel fällt während des Auftritts die linke Hälfte des LED-Gitters auf Ralf Hütters Anzug aus. In der erst spät hereinbrechenden Dunkelheit steht der inzwischen 78-jährige Bandgründer daher als halbe Portion da.

Hier können Techno-DJs noch lernen

Erst in der Dämmerung entfaltet die Band auch ihre ganze Kraft. Stücke wie „Radioaktivität“ und „La Forme“ versprühen eine Dynamik, an der sich heutige Techno-DJs immer noch ein Beispiel nehmen können. Pumpende Beats wummern durch den Innenhof, grell leuchten die Warnzeichen, blaue Wellen flirren über die Videowände. Hier passen Sound, Musik und Video, lassen die Massen zucken und manch einen Techno-Fan verzückt lostanzen. Die Mensch-Maschine läuft.

Ein schriller Industrial-Ausflug

Schließlich spielt die Band auch nicht einfach ihren Stiefel runter. Statt zu den altbekannten Album-Versionen greifen die Herren an den Reglern gerne zu Remixes und improvisieren Sounds hinzu. „Metall auf Metall“ gerät zu einem schrillen Industrial-Ausflug, „Boing Boom Tschak (Musique Non Stop)“ zu einem wilden Mix mit hämmerndem Ende. Dann verneigen sich die vier, einer nach dem anderen, schalten ab und gehen. Ralf Hütter sagt „Danke und Gute Nacht!“.

Aber fehlte da nicht noch wer? Die Bühne taucht noch einmal in tiefes Rot, und da sind sie endlich, „Die Roboter“. Gute acht Minuten spielen Kraftwerk eines ihrer legendärsten Stücke, ehe sie endgültig den Stecker ziehen. Und die Mensch-Maschine macht Feierabend. 

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