Kinostart in Heilbronn
„Milch ins Feuer“ startet am 7. August im Arthaus Kino Heilbronn. Tickets im Internet unter www.kinostar.com.
Von den Hürden eines Bauernhofs in Hohenlohe unter weiblicher Führung erzählt der Film „Milch ins Feuer“. Das Drama der Crailsheimer Regisseurin Justine Bauer wurde mit einer bekannten Schauspielerin unter anderem im Jagsttal gedreht.

„Wenn man Bauern- und Bäuerinnentochter ist und mit Nachnamen auch noch Bauer heißt, dann zögert man ein wenig, ob man seinen ersten Film auch wirklich in der Landwirtschaft ansiedelt. Aber ich hatte das Bedürfnis, dass es genau diese Geschichte wird“, sagt Justine Bauer. Die heute 35-Jährige wurde in Crailsheim geboren. Rückblickend sagt sie: „Ich hatte eine schöne, typische hohenlohische Landwirtschaftskindheit, bin auf zwei Höfen aufgewachsen“, so Bauer, deren Debütspielfilm „Milch ins Feuer“ am Donnerstag, 7. August, in die Kinos kommt.
Das Drama ist, so die Regisseurin, nicht autobiografisch, aber inspiriert von Beobachtungen. Ihre Eltern hatten in der Nähe von Crailsheim eine Straußen- und Rinderfarm, die Großmutter einen Schweinehof. „Ich habe, als ich klein war, viel gelesen. Es war oft auch ein wenig einsam“, resümiert Bauer. „Als Kind hatte ich bestimmt mal den Gedanken, dass ich Bäuerin werden will. Meine Eltern haben mir und meinen drei Geschwistern aber davon abgeraten, weil es sich nicht lohnt.“
Wenige Tage vor dem Kinostart ist Justine Bauer in Österreich zu erreichen, wo sie mit Freunden aus der Branche Drehbücher bespricht – eine Mischung aus Urlaub und Arbeit. Danach startet mit „Milch ins Feuer“ eine größere Kinotour durch einige Städte. Gedreht wurde der Film unter anderem im Jagsttal und in Gerabronn, im Mittelpunkt steht eine landwirtschaftliche Familie. Er wirft einen feministischen Blick auf das Landleben, erzählt ganz bewusst über drei Generationen von Frauen.
Der 80-minütige Film dreht sich um die 17-jährige Katinka (Karolin Nothacker), die zusammen mit ihrer Mutter Marlies (Johanna Wokalek), dem älteren Bruder Michi (Simon Steinhorst) und den beiden Schwestern Emma (Anne Nothacker) und Emilie (Sara Nothacker) sowie der Großmutter (Lore Bauer) auf einem Hof lebt. Neben zahlreichen Kühen gibt es dort auch Katzen und ein Lama. Katinka würde gerne den Hof übernehmen, doch das ist aus Tradition dem männlichen Nachkommen, ihrem Bruder, vorbehalten. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben.
Bauer möchte mit ihrem Film in gewisser Weise ein falsches Bild zurechtrücken. „Ich wollte von schlauen Frauen auf dem Land erzählen, die dort auch bleiben wollen. Das Klischee hält sich hartnäckig, dass Landwirtinnen oder Landwirte dumm wären.“ Vorurteile gebe es aber auch auf dem Land über Städter. Es geht um ein Verständnis für die Landwirtschaft, so die Filmemacherin, die auf das Höfesterben aufmerksam machen will, auf die hohe Selbstmordrate von Bauern. Im Film werden Themen wie der Rechtsruck, das Patriarchat oder das Unverstandenfühlen durch die Politik angeschnitten. Gleichzeitig ist „Milch ins Feuer“ eine Coming-Of-Age-Geschichte, die auch auf die Beziehungen zwischen Mutter, Töchtern, Oma und Schwestern blickt.
Wichtig ist der Regisseurin in diesem Zusammenhang auch eine realistische Darstellung, insbesondere der von der Arbeit geformten weiblichen Körper. „Ich wollte im Film Teenagerkörper zeigen, wie sie wirklich sind. Selbst wenn jemand im Bikini zu sehen ist, soll das nicht sexualisiert dargestellt werden, sondern natürlich und voll Selbstvertrauen.“

Bauer hat mit zahlreichen jungen Laiendarstellern zusammengearbeitet. Karolin Nothacker (Jahrgang 2002), Pauline Bullinger (2003) und Lorena Elser (2002) sowie Anne und Sara Nothacker wurden alle in Schwäbisch Hall geboren, für die Rolle der Mutter wollte die Regisseurin aber eine professionelle Schauspielerin – und fand sie mit Johanna Wokalek („Die Päpstin“). Die bekam eigens eine Sprachlehrerin, da der Film komplett im hohenlohischen Dialekt gedreht wurde. „Ich wollte, dass die Sprache authentisch ist. Und ich finde es sehr schade, dass Dialekte verschwinden“, sagt Bauer, die Hohenlohisch auch ihre „Muttersprache“ nennt. Und die in der Zeit am Gymnasium und während des Studiums erfahren hat, dass sie für ihren Dialekt ausgelacht und belächelt wurde.
„Ich habe diesen Film verstärkt für die Landbevölkerung gemacht“, sagt Bauer, die Kunst an der HGB Leipzig sowie Spielfilmregie und Drehbuch an der KHM Köln studiert hat. „Milch ins Feuer“ ist ihr Abschlussfilm, der seine Premiere 2024 auf dem Filmfest München feierte und in der Kategorie „Neues Deutsches Kino“ den Förderpreis als „Beste Produktion“ erhielt. Der Film lief, so Bauer, international in 22 Ländern und auf fast allen Kontinenten. „Meine Geschichten werden immer etwas mit dem Land zu tun haben“, sagt Justine Bauer, die bereits an neuen Projekten arbeitet, als Regisseurin und Drehbuchautorin. „Langfristig denke ich, dass ich wieder aufs Land zurückziehen werde.“
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