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Interview vor Auftritt in Heilbronn
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Josef Hader: „Ich vermute eher das Schlechtere im Menschen“

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„Hader on Ice“ heißt das aktuelle Programm von Josef Hader. Am 27. März gastiert der österreichische Kabarettist und Schauspieler damit in Heilbronn. Im Interview spricht er über gespielte Trunkenheit,die Generation der Boomer und die Zukunft der Filmfigur Simon Brenner

Der österreichische Kabarettist Josef Hader ist ein Meister des bösen, tiefgründigen Humors. Und spätestens seit den Kino-Verfilmungen der Wolf-Haas-Krimis kein Geheimtipp mehr.
Der österreichische Kabarettist Josef Hader ist ein Meister des bösen, tiefgründigen Humors. Und spätestens seit den Kino-Verfilmungen der Wolf-Haas-Krimis kein Geheimtipp mehr.  Foto: lukas beck

Ist das diese Lifestyle-Teilzeit, von der gerade alle reden? In der zweiten Wochenhälfte spielt der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader meist sein aktuelles Programm „Hader on Ice“, in der ersten Hälfte hat der 64-Jährige hingegen frei – und darum auch Zeit für ein Telefoninterview vor seinem Auftritt in Heilbronn.

Herr Hader, in Ihrem Programm, so haben Sie mal erklärt, stellen Sie eine Figur wie Trump auf die Bühne und gleichzeitig eine verzerrte Version Ihrer selbst. Wie viel Trump steckt also in Hader oder wie viel Hader steckt in Trump?

Josef Hader: Das ist eine gute Frage, die wir uns alle stellen sollten. Wenn man vorurteilsfrei sucht, würde man da sicher einiges entdecken und könnte dadurch ein besserer Mensch werden. Ein besserer Mensch, als wenn man den Trump nur schimpft.

Das Programm ist zu Trumps erster Amtszeit entstanden. Hat die zweite Ihre kühnsten Vorstellungen getoppt?

Hader: Interessant finde ich, dass er von der Linie komplett abgewichen ist, sich nicht in andere Länder einzumischen. Das war, glaube ich, das Unerwartetste. Etwas, was eigentlich erwartbar war, man sich aber nicht so vorstellen konnte, ist, was er und seine Spießgesellen schon für einen großangelegten Plan hatten für dieses erste Jahr. Wie da alle Lücken der amerikanischen Verfassung ausgenutzt wurden, um schwerwiegende Entscheidungen ohne parlamentarische Einwilligung  treffen zu können. Da haben sich viele kluge Leute in rechten Thinktanks den Kopf zerbrochen, wie man Amerika zumindest mal für ein Jahr autokratisch regieren kann.

Eine andere Inspiration für Sie ist Dean Martin gewesen. Was fasziniert Sie an ihm?

Hader: Er war für seine Zeit erstmal sehr entspannt. Und hat, um keine romantischen Lieder singen zu müssen, für die er berühmt war, eine leichte Betrunkenheit für sich erfunden, wo er aus jedem romantischen Lied eine Comedynummer gemacht hat. Dieser drunken act ist für mich im Programm als dramaturgisches Mittel wichtig. Das zweite ist, dass er einer der letzten coolen alten weißen Männer war. Zu einer Zeit, wo man das noch sein konnte, ohne peinlich zu sein.

„Hader on Ice“ ist auch eine Abrechnung mit den Boomern. Was nervt Sie so an der Generation, der Sie selbst angehören?

Hader: Hauptsächlich, dass man diese natürliche Generationenabfolge nicht ertragen kann. Dass unsere Generation jetzt nicht dazu bereit ist, auch mal in Würde oder manchmal in Unbeholfenheit alt zu sein und sich von den Jüngeren unbotmäßig etwas vorschreiben zu lassen, sondern Weltdeutungshoheit bis ins Grab beansprucht, das nervt mich ein bisschen. Als wir jung waren, haben wir die Älteren auch genervt.

Wobei die Boomer schon auch fürsorglich an die nächste Generation denken. Zumindest wenn man dem Sozilogen Heinz Bude folgt, der sagt, dass die Boomer viel, ja fast zu viel sparen, um ihren Kindern und Enkeln ein Vermögen zu hinterlassen.

Hader: Also wie viele Leute ein Vermögen aufbauen für ihre Kinder und nicht für sich selber, ist eine Frage, die kann niemand beantworten. Ich bin kein Soziologe, ich bin Satiriker, ich vermute deshalb eher das Schlechtere im Menschen.

Vergangenen Sommer hatten Sie 45. Maturatreffen in Melk. Wie darf man sich Josef Hader unter ehemaligen Mitschülern, alles Boomer, vorstellen? Sind Sie da auf Materialsuche?

Hader: Ich bin nicht mehr auf Materialsuche, was Boomer betrifft. Ich habe nicht vor, im nächsten Programm dasselbe Thema zu behandeln. Das kennt ja jeder vom Klassentreffen, dass sich dieselben Dynamiken sofort wieder abspielen, wer mit wem redet, oder wer sich über wen lustig macht.

Wie passen Sie in diese Dynamiken?

Hader: Ich war immer ein Einzelgänger, der sehr gerne Witze gemacht und damit gepunktet hat. Es blieb mir nichts anderes übrig, ich war im Fußball eher schlecht.

Biografisches über Josef Hader

1962 in Waldhausen im Strudengau, Oberösterreich, geboren, besucht Josef Hader das Stiftsgymnasium Melk. Das Lehramtsstudium bricht er ab, 1982 schreibt er sein erstes Programm: „Fort Geschritten“. Erste Bekanntheit erlangt Josef Hader durch die Verfilmung seines Theaterstücks „Indien“. Mehrfach wird der Kabarettist, Schauspieler und Regisseur ausgezeichnet. Hader lebt in Wien.

In den 1980er-Jahren sind Sie gegen die Stationierung von Raketen in Europa auf die Straße gegangen. Wogegen oder wofür würden Sie heute auf die Straße gehen?

Hader: Ich würde in Österreich auf die Straße gehen, wenn ich das Gefühl hätte, dass eine Regierung die Verfassung, das demokratische System verändern will. Und, das kann man auch für Deutschland sagen, da müssen wir eh wachsam sein in der Zukunft.

Nach einem Jahr gemeinsamen Regierens in Österreich: Wie hat die Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS ihre Arbeit gemacht?

Hader: Man muss sagen, dass sie mittelmäßig gearbeitet hat, aber komplett negativ beurteilt wird. Diese Politik der schlechten Laune, die von den Rechten betrieben wird, die findet schon großen Eingang in die Bevölkerung. Also dass man alles, was einem unangenehm aufstößt, der Regierung zuschreibt.

Zum Schluss eine Frage für alle Fans von Privatermittler Simon Brenner: Wann schlüpfen Sie das nächste Mal in diese Rolle in der Verfilmung eines der legendären Wolf-Haas-Krimis?

Hader: Wir stehen auf dem Standpunkt, dass der Brenner einen neuen Schauspieler braucht, ich fühl mich schon ein bisschen zu alt dafür. Ich würde es sehr begrüßen, wenn es eine Fortsetzung gäbe mit jemand anderem, so ein bisschen wie beim James Bond.

Gastspiel in Heilbronn

Freitag, 27. März, 20 Uhr, Harmonie. Tickets bei allen bekannten Vorverkaufsstellen mit Eventim sowie online über www.roth-friends.de.

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