Iron Maiden auf dem Cannstatter Wasen: So war’s beim Heavy-Metal-Konzert in Stuttgart
Am Samstagabend sind die Heavy-Metal-Urgesteine Iron Maiden in Stuttgart aufgetreten. Den 45.000 Fans wird ein groß inszeniertes Spektakel, eine furiose Bühnenshow geboten. Eine besondere Rolle spielt – natürlich – Maskottchen Eddie. Eindrücke vom ausverkauften Konzert auf dem Cannstatter Wasen.
Bruce Dickinson ist beeindruckt. „Wir danken euch, dass ihr solange im Regen gewartet habt“, verteilt der Sänger von Iron Maiden ein Lob an die hartgesottenen Fans in Stuttgart, die schon seit dem Nachmittag bei schlechter Witterung die Stellung gehalten haben.
Die gute Nachricht: Es bleibt während des Konzerts trocken. 50-jähriges Jubiläum feiert die legendäre Band aus London auf ihrer aktuellen Tour. Das vergisst man oft, weil Iron Maiden erst fünf Jahre später, 1980, mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum so richtig auf der Bildfläche erscheinen. 45 000 Fans feiern am Samstagabend den ausverkauften Auftritt der britischen Heavy-Metal-Gruppe auf dem Cannstatter Wasen.
Iron Maiden in Stuttgart: Heavy-Metal-Band spielt Best-Of auf Cannstatter Wasen
50 Jahre nach Bestehen erfindet diese Band das Rad nicht neu, sie ist aber unfassbar gut und positiv routiniert in dem, was sie tut. Iron Maiden spielen schnellen, vielschichtigen und oft auch komplizierten Heavy Metal, gelten neben Metallica und AC/DC als eine der erfolgreichsten Bands der Szene. Und nach wie vor sind ihre Konzerte ein groß inszeniertes Spektakel mit furioser Bühnenshow. Der Abend wird eine Art Best-Of – mit ganz klarem Fokus auf den absoluten Hochzeiten in den 80ern. Der neueste Song des Abends, „Fear Of The Dark“, stammt aus dem Jahr 1992.
Iron Maiden spielen kürzere, prägnante Songs wie „Wrathchild“, ebenso wie das epische, an Progressive-Rock angelehnte, knapp 15-minütige „Rime Of The Ancient Mariner“ – basierend auf einem Gedicht des Romantikers Samuel Taylor Coleridge.
Iron Maiden auf Cannstatter Wasen: „Schreit für mich, Stuttgart!“
Dickinson verfügt mit seiner kraftvollen, emotional artikulierten „Luftschutzsirenen“-Stimme über eine enorme Bandbreite, fegt von links nach rechts über die Bühne, wirbelt seinen Mikrofonständer durch die Luft. Und wechselt während des Auftritts öfter das Outfit als so manche Schlagersängerin.
Da sieht man ihn im weißem Hemd eingesperrt in einem Eisenkäfig, dann irrt er scheinbar ziellos als Nachtwächter mit schwarzem Mantel, Zylinder und Lampe umher, mal trägt er Lederjacke, dann Fliegerbrille und -mütze oder eine Federmaske. Dickinson fungiert als Publikums-Dirigent, wiederholt mantraartig sein ihn kennzeichnendes „Schreit für mich, Stuttgart!“, animiert die Fans mit „Hey, hey“-Rufen dazu, die Fäuste in die Luft zu recken.
Iron-Maiden-Maskottchen Eddie ist in Stuttgart omnipräsent
Der Rest der Band? Steve Harris zielt mit seinem Bass wie mit einer Waffe in Richtung Publikum. Die drei Gitarristen Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers überbieten sich in coolen Rockstar-Posen, in Riffs und Soli. Neu am Schlagzeug ist Simon Dawson, der den langjährigen Drummer Nicko McBrain ersetzt. Und dann ist da Eddie, das ikonische Iron-Maiden-Maskottchen, eine zombieartige Figur, die zur Band gehört wie der Privatjet, mit dem die Band tourt.
Eddie, der auf allen Albumcovern zu finden ist, ist auch in Stuttgart omnipräsent. Unzählige Fan-Shirts ziert sein Konterfei, man sieht ihn auf der Bass Drum des Schlagzeugs, er kommt in jedem animierten Video vor, das über die Leinwand flimmert. Und er stakst – ganz real – als überlebensgroße Puppe, die ein blutiges Beil schwingt, über die Bühne.
Heavy-Metal auf Cannstatter Wasen – Iron Maiden mit Maskottchen Eddie in Stuttgart
Iron Maiden lieben das Theatralische, das Aushandeln großer Menschheitsfragen, vieles dreht sich um Geschichte, Literatur, Krieg und Mythologie. Ein behaglicher Schauer, eine kindliche Freude am Morbiden durchfährt einen bei den Filmchen, die zu den Songs eingeblendet werden. Wenn Dickinson bei „Hallowed Be Thy Name“ vor einem Geist flüchtet, der ihn in Richtung eines Galgens treibt, wenn es bei „Murders In The Rue Morgue“ eine Kamerafahrt durch die düsteren Hinterhöfe der französischen Hauptstadt gibt.
Da geht es um die Luftschlacht um England („Aces High“), verrückte geistige Kräfte („The Clairvoyant“) oder eben Satan („The Number Of The Beast“). Bei „2 Minutes To Midnight“ liegen sich Fans in den Armen, bei „Run To The Hills“ singen tausende Stimmen die Zeile „Run For Your Lives“ – der Titel der aktuellen Tour. Nach knapp zwei Stunden und 17 Liedern endet das Konzert mit einem Versprechen: „Wir kommen wieder.“


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