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Kunst auf der Inselspitze
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In der goldenen Mitte und darüber hinaus

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Katja Hirschbiels Kosmos aus Farben und Formen: Von der Sogwirkung der Ausstellung „Seelenfarben“ auf der Inselspitze Heilbronn.

Knapp 80 Arbeiten der freischaffenden Malerin Katja Hirschbiel sind bis 22. Juni in den Räumen auf der Inselspitze zu sehen.
Knapp 80 Arbeiten der freischaffenden Malerin Katja Hirschbiel sind bis 22. Juni in den Räumen auf der Inselspitze zu sehen.  Foto: Ralf Seidel

Mitunter lesen sich die Titel ihrer Bilder wie Statements. Knapp und bündig. „Von vorne anfangen“, „Vertrauen“, „Über alle Grenzen hinweg“, „In der goldenen Mitte“. Oder „Seelenort“. Abgewandelt gibt dieser Titel einer Serie aus fünf Arbeiten der Ausstellung von Katja Hirschbiel auf der Inselspitze Heilbronn ihren Namen: „Seelenfarben“. Nun führen Farben nicht selten in die Welt der Psychologie, wie auch die intensive Farbgebung der knapp 80 Arbeiten in der Galerie unter der Friedrich-Ebert-Brücke eine sehr persönliche Sprache sprechen.

Für diese fantastische Bilderwelt sollte man sich Zeit nehmen

Überwiegend in Acryl-Mischtechnik auf Leinwand aufgetragen, entwickeln die Bilder eine Sog- und Tiefenwirkung – je länger man sie betrachtet. Überhaupt: Für die fantastische Bilderwelt von Katja Hirschbiel sollte man sich Zeit nehmen. Arbeiten aus den vergangenen sechs Jahren sind zu sehen, die das Gespür der Künstlerin für Farbigkeit und Komposition greifbar machen. Aber auch von ihrer Experimentierfreude erzählen und der Fortführung eines Bildvokabulars, das abstrakt ist und doch poetisch, das mit Zeichen spielt, die  – je nach persönlichem Erfahrungsreservoir – jede und jeder anders lesen wird.

Diese Spannung nutzt Katja Hirschbiel. Um Wahrnehmung geht es dabei, um Entschleunigung, auch in der Wahrnehmung.  1968 geboren, aufgewachsen in Ilsfeld-Auenstein, hat sie an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg Textildesign und Malerei studiert. Die Auseinandersetzung mit Struktur und Farbe, mit Raum und Form treibt die freischaffende Malerin an, die seit Jahren in Lüneburg lebt. Dass sie ihre Diplomarbeit einst über den italienischen Maler und Grafiker Giuseppe Capogrossi (1900-1972) verfasst hat, ein Meister horizontaler, ovaler und ellipsoider Formen und Konfigurationen, mag prägend gewesen sein.

Und immer wieder Gold als Blickfang

Katja Hirschbiels Formensprache kennzeichnet ihr Faible für textile, aber auch für architektonische und geometrische Strukturen, die sie nebst floralen Elementen in ihren Kompositionen variiert. Eine geheimnisvolle Ordnung, Farbfelder und Zeichen, wie abgezirkelt voneinander abgegrenzt, dann aber auch wieder in fließendem Übergang.

Struktur und Rätsel, Konstruktion und Auflösung sind Schlagworte, die Hirschbiels Schaffen nahe kommen. Bilder, die, wie der Ausstellungstitel „Seelenfarben“ suggeriert, zur stillen Betrachtung einladen. Die kraftvolle Farbgebung: Türkistöne, Grüntöne, Nuancen zwischen Orange und dunklem Rot – und immer wieder Gold, als Akzent oder kosmische Kugel. Scheinen manche Bilder magisch wie aus 1001 Nacht, wirken andere durch ihren geometrischen Aufbau.

Dieser Wille zur Komposition zieht sich als roter Faden durch ihre Arbeit. Ein Eklektizismus im besten Sinne von kreativ, was gerade die kleinformatigen Bilder augenscheinlich machen, die Katja Hirschbiel Collagen nennt. Entzückende ornamentale Mischtechniken, gemalt, gedruckt, geklebt – und detailverliebt.   

Öffnungszeiten

Bis 22. Juni auf der Inselspitze, Samstag und Sonntag, 12 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

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