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Freies Kulturzentrum in Heilbronn
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„Ich bin Realist, was das Thema angeht“: So steht es um den schleppenden Hallenausbau bei der Maschinenfabrik

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2021 eröffnet, ist die Maschinenfabrik Heilbronn noch immer nicht vollumfänglich in Betrieb. Der geschäftsführende Vorstand des freien Kulturzentrums und die Stadt erklären, warum das so ist.

Die Sanierung der Maschinenfabrikhalle lässt auf sich warten. Zwecks Lärmschutz wurden Container 2022 provisorisch zu einer Wand gestapelt.
Die Sanierung der Maschinenfabrikhalle lässt auf sich warten. Zwecks Lärmschutz wurden Container 2022 provisorisch zu einer Wand gestapelt.  Foto: Mario Berger

„Um die Maschinenfabrik in Zukunft noch besser nutzen zu können, stehen in den nächsten Jahren einige bauliche Maßnahmen an“, informiert das freie Kulturzentrum in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt auf seiner Homepage unter der Überschrift „Große Pläne“. Nicht erst seit gestern ein Thema ist dabei vor allem ein verbesserter Lärmschutz, um „auch lautere und größere Veranstaltungen durchzuführen, ohne unsere Nachbarschaft zu beeinträchtigen“.

Daniel Schütt: „Das Zentrum ist nicht fertig, solange die Halle nicht uneingeschränkt bespielt werden kann“

Zwar wurden im Sommer 2022 Hochseecontainer im Innenhof zu einer provisorischen Wand gestapelt, mittlerweile fast fünf Jahre nach der Eröffnung im Sommer 2021 steht der zweite Bauabschnitt mit Lärmschutzmaßnahmen und energetischer Sanierung der denkmalgeschützten Halle jedoch noch immer aus. Diese ist der größte Veranstaltungsraum der Maschinenfabrik und eigentlich für 600 Personen ausgelegt. „Das Zentrum ist nicht fertig, solange die Halle nicht uneingeschränkt bespielt werden kann“, sagt der geschäftsführende Vorstand Daniel Schütt.

Denn wegen aktuell geltender Auflagen dürften dort nur Events mit bis zu 450 Besuchern und einem ruhigen Programm stattfinden, wie Schütt erklärt. Als im Januar mit dem zweitägigen Irish Folk Festival erstmals ein Konzert in der Halle über die Bühne ging, musste man sich um eine Sondergenehmigung bemühen, so der 41-Jährige, der zudem die Zuständigkeiten aufdröselt: Die Stadt Heilbronn kümmert sich ums Gebäude, das ihr gehört, während sich der Trägerverein des freien Kulturzentrums dort eingemietet hat und für die Ausstattung sorgt.

Rund 100 Veranstaltungen im Jahr vom Poetry Slam über Druck-technik-Workshops bis zur Quiz Nacht realisiert das Team der Maschinenfabrik. Neben der Halle gibt es einen Club für rund 220 Gäste sowie ein Café, in dem circa 130 Besucher Platz finden. Optimierungsbedarf sieht Daniel Schütt auch bei diesen zwei Räumen, etwa was die Klimatisierung betrifft. Unter anderem dafür, so der Vorstand, stünden seit 2024 rund 250.000 Euro an vorgezogenen Mitteln im städtischen Haushalt bereit, doch würden sie nicht bewirtschaftet, also genutzt, sondern immer jeweils ins Folgejahr übertragen.

Seit Jahresanfang sprechen die Projektbeteiligten regelmäßig miteinander

Warum es mit den Maßnahmen zuletzt nicht voranging? Daniel Schütt verweist erst auf die Corona-Pandemie, dann auf den Personalmangel im Baubereich. Er macht ein „Nadelöhr“ im Baudezernat aus und spricht davon, dass andere städtische Projekte priorisiert wurden. Gleichwohl gibt er sich erstaunlich verständnisvoll. „Ich bin Realist, was das Thema angeht“, sagt Schütt, „ich sehe auch die andere Seite und die Aufgaben, vor denen die Verwaltung steht.“ Überhaupt seien Investitionen in Kultur für Kommunen eine Freiwilligkeits-, keine Pflichtleistung. „Das Gras wächst nicht schneller, nur weil man daran zieht“, so der Soziologe und Sozialpädagoge. Man wolle die Maschinenfabrik nachhaltig entwickeln. „Vor zwei Jahren hatte ich mehr Wut im Bauch.“ Jetzt spüre er Wind unter den Flügeln.

Denn seit Jahresanfang wurde der Faden wieder aufgenommen und gibt es Gespräche zwischen dem freien Kulturzentrum, der Kultur- und Bauverwaltung sowie einem Architekten, berichtet Schütt, der hofft, dass die Planungen in diesem Jahr abgeschlossen werden und die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt 2027 beginnen. 

„Bisher gibt es noch keinen Beschluss des Gemeinderats für den zweiten Bauabschnitt. Geplant ist, im Herbst damit ins Gremium zu gehen. Aktuell laufen die Vorbereitungen dafür“, erklärt auf Nachfrage die Stadt, weshalb die Maschinenfabrik noch immer nicht vollumfänglich in Betrieb gehen konnte. Und was ist mit den rund 250.000 Euro für Optimierungsmaßnahmen, die laut Schütt bislang nicht ausgegeben wurden? „Das Abrufen von Haushaltsmitteln hängt immer auch mit der Gesamtbaumaßnahme und somit auch der weiteren Beschlussfassung zusammen“, heißt es dazu in der schriftlichen Antwort. „Im guten Einvernehmen mit dem Betreiber wurden schon bisher laufend Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt.“

Stadt und Land bezuschussen das freie Kulturzentrum

Zu einem Drittel finanziert sich das freie Kulturzentrum selbst, zu zwei Dritteln wird es bezuschusst. Wie die Stadt mitteilt, steuerte die Kommune im vergangenen Jahr 434 000 Euro bei. 2026 sind es 478 000 Euro, die die Maschinenfabrik „für den Betrieb der Einrichtung und die Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben“ bekommt. Auch das Land Baden-Württemberg gibt Geld dazu. Und zwar „50 Prozent der Fördersumme der Stadt Heilbronn“.

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