HSO und Violinistin Erika Cherkez widmen sich falschen und echten Spaniern
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Bizet, de Falla, Lalo: Im vorletzten Konzert der Saison begab sich das Heilbronner Sinfonie Orchester unter die pralle Sonne des Südens. Wie die Musiker unter der Leitung von Alois Seidlmeier und mit Solistin Erika Cherkez das Publikum begeisterten.
Das Heilbronner Sinfonie Orchester unter Alois Seidlmeier und mit Solistin Erika Cherkez gaben am Sonntag in der Harmonie Edouard Lalos „Symphonie espagnole“.
Foto: Lina Bihr
Foto: Lina Bihr
Am Ende des Konzerts liegen sich Dirigent Alois Seidlmeier und Solistin Erika Cherkez lange in den Armen. Eine hochkonzentrierte Darbietung hat Cherkez hinter sich von Edouard Lalos „Symphonie espagnole“. Das Publikum ist hingerissen angesichts der beachtlichen Leistung der 23-Jährigen, spendet ihr, aber auch Seidlmeier und dem Heilbronner Sinfonie Orchester (HSO) jubelnd Beifall. Viele Besucher sind dafür aufgestanden im großen Saal der Harmonie.
Aber der Reihe nach. In seinem vorletzten Konzert dieser Saison begibt sich der Klangkörper am Sonntag unter die pralle Sonne des Südens. Ein echter und zwei falsche Spanier stehen auf dem Programm. Warum zwei falsche? Das Spanien in der Musik war im 19. Jahrhundert vor allem das Spanien der anderen. Insbesondere französische Komponisten fielen dadurch auf, dass sie sich vom Nachbarland anregen ließen. Wobei sich über die Gründe, weshalb dort zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg der musikalische Folklorismus aus Spanien in Mode war, nur spekulieren lässt.
Dirigent Alois Seidlmeier weiß, wann er noch eine Schippe drauflegen muss
Als Inbegriff des Spanischen im Musiktheater gilt Georges Bizets „Carmen“. 1875 uraufgeführt, besticht die Oper durch ihre melodischen Einfälle und orchestrale Farbigkeit. Zum Einstieg gibt das HSO Auszüge aus den beiden Suiten, die nach Bizets Tod von einem befreundeten Komponisten zusammengestellt wurden. Weltbekannte Nummern zum Warmlaufen sozusagen.
Wie die Musiker sich mit steigerndem Temperament durch die verschiedenen Märsche über die unheilvolle Schicksalsmelodie zur wirbelnden Danse Bohème spielen, reißt mit. Alois Seidlmeier am Pult ist der energiegeladene aber stets kontrollierte Antreiber, der genau weiß, wann es noch eine Schippe draufzulegen gilt. Einer, der mit ansteckender Begeisterung durch die Partituren führt und selbst angesteckt wird von den Rhythmen, sodass er tänzelt.
So effektvoll und elegant wie Seidelmeier und das HSO den Bizet zum Klingen bringen geht es mit Manuel de Falla, dem einzigen echten Spanier des Abends, weiter. Für den legendären Kopf der Ballets Russes, Sergej Diaghilew, schrieb de Falla das 1919 uraufgeführte Ballett „Der Dreispitz“, in dem er charakteristische Tänze wie eine Farruca, einen Fandango und eine Jota verarbeitete. Und aus dem die Programmmacher ebenfalls Auszüge aus den beiden Orchestersuiten gewählt haben. Hier ziehen die Musiker in den Bann mit ihrer sinnlichen, beweglichen, gewitzten Interpretation des Andalusiers.
Biografisches zur Solistin
2003 im ukrainischen Chernivtsi geboren, wurde Erika Cherkez ab dem Grundschulalter musikalisch ausgebildet. Als Solistin konzertierte sie mit Orchestern in ihrer Heimat. Für ihr Violinspiel erhielt sie Preise bei ukrainischen und internationalen Wettbewerben. 2023 floh Cherkez vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland. Derzeit studiert sie an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein und dem Beethoven Conservatorium in den Niederlanden. Zudem ist die 23-Jährige Stipendiatin der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung und Ensemblemitglied von Mutter’s Virtuosi.
Solistin Erika Cherkez lässt aufhorchen durch technische und emotionale Reife
Nach der Pause dann kommt Erika Cherkez auf die Bühne. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei Edouard Lalos populärer „Symphonie espagnole“, die Cherkez mitgebracht hat, um ein Konzert, dessen fünf Sätze suitenartig aneinander gereit sind. Was Cherkez an diesem 1873 entstandenen Werk fasziniert? Die charismatische Persönlichkeit ihres Instruments strahlen zu lassen, wie die Violinistin in einem Videoclip auf ihrem Instagram-Account erklärt. „Ich kann meine Emotionen voll ausleben und mich frei ausdrücken, was ich ungemein genieße.“
Mit geschlossenen Augen in sich gekehrt, gestaltet Cherkez beeindruckend virtuos ihren Part. Auch wenn sie dem Orchester überwiegend den Rücken kehrt, entspinnt sich ein harmonischer Dialog zwischen der Solistin und dem HSO. Wenn die Ukrainerin das spanische Idiom im habanera-artigen Mittelsatz herausarbeitet, die Geige im vierten, dunkel getönten Satz wie eine menschliche Stimme singen lässt und mit Leichtigkeit und Leidenschaft das feurige Finale anpackt, lassen ihre technische und emotionale Reife aufhorchen. Oder wie der falsche Spanier sagen würde: Chapeau!
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