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"Star Wars"-Ausstellung in der KSK Heilbronn

Hans-Georg Panczak ist die deutsche Stimme von Luke Skywalker

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„Luke Skywalker war so wichtig wie jede andere Rolle für meine Karriere“, sagt Synchronsprecher Hans-Georg Panczak, der unter deutschsprachigen "Star Wars"-Fans Kultstatus genießt. Angesprochen wird 72-Jährige allerdings meist auf eine andere bekannte Figur, der er seine Stimme leiht.

Zu Besuch in der Ausstellung „Kunst der Sterne“ Unter der Pyramide der KSK Heilbronn: Synchronsprecher Hans-Georg Panczak.
Zu Besuch in der Ausstellung „Kunst der Sterne“ Unter der Pyramide der KSK Heilbronn: Synchronsprecher Hans-Georg Panczak.  Foto: Kreet, Martina

An seiner Stimme wird Hans-Georg Panczak im Alltag gar nicht so oft erkannt, wie man vielleicht denken könnte. Aber wenn er angesprochen wird, dann meist auf Waylon Smithers aus „Die Simpsons“. „Wie kann das sein? Das ist der Hammer“, wundert sich der 72-Jährige dann immer, hat Smithers doch statistisch gesehen nicht mal einen Satz in jeder zweiten Folge der US-Fernsehserie, wie Panczak vorrechnet. Auch ist der „Simpsons“-Charakter nicht die einzige bekannte Figur, die er für ein deutschsprachiges Publikum synchronisiert. Dazu zählen etwa noch Glenn Quagmire aus der Zeichentrickserie „Family Guy“ – und vor allem Luke Skywalker aus „Star Wars“.

„„Es gibt eine Gruppe von Leuten, die können vom Synchronsprechen ihre Miete zahlen, ganz viele Leute machen das nebenbei.“

Hans-Georg Panczak

Den ikonischen Filmhelden, verkörpert von US-Schauspieler Mark Hamill, hat Panczak zum ersten Mal als Mittzwanziger eingesprochen. 1978 erschien mit „Krieg der Sterne“ auch hierzulande der Auftakt des Weltraum-Epos, das heute eines der weltweit populärsten Film-Franchises ist. Wobei: „Luke Skywalker war so wichtig wie jede andere Rolle für meine Karriere“, relativiert Panczak am Rande seines Auftritts Unter der Pyramide der Kreissparkasse Heilbronn im Rahmen der Schau „Kunst der Sterne“ .

Wie sich Hans-Georg Panczak den Erfolg von "Star Wars" erklärt

Eine geschickt gestrickte Geschichte, für jeden verständlich, mit einigen interessanten Cliffhangern und wenig Sex – „für Amerika ist es wichtig, dass es clean ist“: Damit begründet Panczak den Erfolg des Phänomens „Star Wars“. Auch wirkte damals noch der Aufbruch ins All infolge der Mondlandung nach, vermutet der gebürtige Düsseldorfer, der in Berlin aufgewachsen ist und mittlerweile in der Nähe des Tegernsees lebt. Inzwischen ist die Filmreihe komplexer geworden und genießt Panczak durch Hörspiele und Conventions bei deutschsprachigen Fans ebenfalls Kultstatus. Wobei die nächste Synchron-Generation teilweise schon übernommen hat: 2020 sprach Panczaks Sohn Jan Makino einen digital verjüngten Luke Skywalker im Serien-Ableger „The Mandalorian“ ein.

Ob er einem Schauspieler aus Fleisch und Blut seine Stimme leiht oder einer Zeichentrickfigur: Für Hans-Georg Panczak macht das keinen Unterschied – „weder von der künstlerischen Seite her noch von der finanziellen“. „Es gibt eine Gruppe von Leuten, die können vom Synchronsprechen ihre Miete zahlen, ganz viele Leute machen das nebenbei“, sagt er.  Am besten bezahlt werde Werbung. Bis 2015 betätigte sich Panczak auch als Schauspieler, wirkte etwa mit bei „Derrick“ und „Der Landarzt“. Die ersten Schritte vor der Kamera und auf der Bühne machte er 1961 als Kinderdarsteller.

Zur Person

Hans-Georg Panczak wird 1952 in Düsseldorf geboren, zieht aber schon bald mit der Familie nach Berlin. Über die Freundin des älteren Bruders kommt er im Alter von neun Jahren zur Schauspielerei. Es folgen Theaterengagements sowie Jobs als Hörspiel- und Synchronsprecher. Vor der Kamera steht Panczak unter anderem für „Derrick“, „Der Alte“ und „Der Landarzt“. Zu seinen bekanntesten Rollen als Synchronsprecher zählen John Boy aus „Die Waltons“, Waylon Smithers aus „Die Simpsons“, Glenn Quagmire aus „Family Guy“ und Luke Skywalker aus „Star Wars“.

Die Stimme ist das Kapital des Sprechers. Ob er ein besonderes Pflegeprogramm für sie hat? „Nein, habe ich nicht. Ich trinke und rauche nicht. Also ich saufe und rauche nicht“, korrigiert sich Panczak, der gerne Lambrusco trinkt. „Früher wurde in unserer Branche sehr viel getrunken. Wir hatten beim Synchronsprechen die Persico-Zeit, die Bols-Blue-Zeit, die Cuba-Libre-Zeit“, plaudert Panczak munter aus dem Nähkästchen. Als „kleiner Pimpf“ stand er neben den deutschen Stimmen von Charles Bronson und Sean Connery vor dem Mikrofon. „Wir konnten uns noch was abgucken. Die jungen Leute heute sind alleine im Studio“, sagt er.

Was Panczak bei der Arbeit wertvolle Dienste erweist: seine innere Uhr. Auf die Zehntelsekunde genau gilt es mitunter abzuliefern. In der Regel werden pro Stunde 32 Takes eingesprochen. „Das heißt: spätestens alle zwei Minuten ein Take.“ Bei einer Zeichentrickserie können es schon mal bis zu 60 Takes sein. Wie leicht ein Satz über die Lippen geht, hängt auch vom Können des Dialogautors ab. „Es gibt Texte, die sprechen sich wie Butter, manchmal geht es gar nicht“, sagt Panczak und gibt ein kniffliges Beispiel: „Schnell, nehmt ihm den Umhang ab!“

Wie Künstliche Intelligenz die Synchronsprecher-Branche aufmischt

Hans-Georg Panczak beobachtet, dass die Branche dabei ist, sich zu verändern, und berichtet von Werbeclips auf der Kurzvideo-Plattform Tiktok mit den Stimmen aus „Family Guy“, die von Künstlicher Intelligenz generiert wurden. „Wir können gar nicht klagen. Wir haben das nicht gesprochen, also ist kein Urheberrecht verletzt worden.“  Schlagzeilen machte außerdem das israelische Start-up Deepdub. „Du brauchst nur noch einen Mann und eine Frau, die ins Studio gehen und alle Rollen einsprechen“, beschreibt Panczak die Funktionsweise. Ob 80-Jähriger oder Teenagerin: Mithilfe von KI würden die Aufnahmen anschließend in die entsprechende Stimmlage gebracht. Weil die Rechenkapazität nicht hoch genug sei, lohne sich KI im Moment aber noch nicht.

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