Die Gruppe Revolverheld gründete sich 2002 in Hamburg, damals noch unter dem Namen Manga. Nach kleinen Konzerten spielten sie ab 2005 als Vorgruppe von Bands wie Silbermond und Die Happy. Die erste Single der Band, „Generation Rock“, erschien im Juni 2005 und erreichte auf Anhieb die deutschen Charts. Bis heute hat die Pop-Rock Band sechs Studioalben veröffentlicht, die alle in den Charts landeten. Am Freitagabend ist die Band Headliner beim Haigern-Live-Festival in Talheim (22.30 Uhr). Tickets dafür und für alle Festivaltage: www.haigernlive.de.
Revolverheld-Sänger Johannes Strate im Interview: „Wir sind auf einem gefährlichen Weg“
Am Freitagabend, 19. Juli, spielt die Pop-Rock-Band Revolverheld als Headliner am ersten Tag des Festivals Haigern Live in Talheim. Vorab spricht Sänger Johannes Strate über vermeintliche Handspiele bei der EM und würdevolles Altern im Musikbusiness.

Johannes Strate hat nur wenige Stunden geschlafen. Vom ARD-EM-Kneipenquiz ist er nachts noch von Bochum nach Hamburg gefahren, hatte morgens einen Termin in der Schule seines Sohnes. Müde spricht der Sänger der Band Revolverheld über den Auftritt bei Haigern Live am Freitagabend, 19. Juli, und die aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
Die Antwort auf eine kritische Frage zur Olympia-Single der Band, die die „SZ“ mit von KI komponierter Musik verglich, zieht der Sänger zurück.
Herr Strate, Sie sind leidenschaftlicher Anhänger vom SV Werder Bremen, leben aber in der Stadt des Erzrivalen Hamburger SV.
Johannes Strate: Das hat berufliche Gründe, meine ganze Band lebt in Hamburg und ich bin vor 20 Jahren auch hingezogen. Es ist eine lebenswerte Stadt, mit dem Fußball, das üben sie hier aber noch (lacht).
Für die deutsche Mannschaft war bei der EM im Viertelfinale Schluss gegen Spanien, viel diskutiert wurde ein vermeintliches Handspiel von Verteidiger Cucurella. War diese Szene spielentscheidend?
Strate: Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen. Natürlich gibt es im Fußball immer wieder Fehlentscheidungen, aber ich bin Befürworter des Videobeweises. Es gibt zum Beispiel keine Abseitstore mehr. Ich finde die technischen Fortschritte gut, die Menschen müssen sich daran aber gewöhnen. Der einzige Fehler, der im Spanien-Spiel gemacht wurde, war, dass sich der Schiedsrichter die Szene nicht selbst angeschaut hat. Wenn er danach entschieden hätte, dass es keinen Elfmeter gibt, wäre das okay gewesen. In Deutschland ist man aber auch schnell beleidigt, es wurde ja sogar eine Petition zur Wiederholung des Spiels gestartet. Das ist Blödsinn. Man kann wütend sein und ich liebe Fußball, aber am Ende ist es eben auch nur Fußball.
Revolverheld haben auf mehreren Demos gegen Rechtsextremismus gespielt. Ein neuer Song, „Alors on Danse“, ist eine Bestandsaufnahme aktueller Debatten, es geht um Gendersprache, Rechtsruck, Tempolimit.
Strate: Wir sind auf einem gefährlichen Weg. Man muss versuchen, die Leute abzuholen, und an den gesunden Menschenverstand appellieren, dass wir nicht so Zeiten bekommen wie vor knapp 80 Jahren. Das Verhältnis zur Politik ist so gestört und gespalten, dass Menschen meinen, sie müssten eine vermeintliche Alternative wählen, die keine ist. Sondern eine extreme Partei, die, wenn sie an der Macht wäre, offenbaren würden, dass sie keine Lösungen für die großen Probleme dieses Landes hat. Dazu können wir es nicht kommen lassen, man muss da deutlich Stellung beziehen, und das tun wir immer wieder, wenn wir es können.
Was stimmt Sie positiv?
Strate: Die große Mehrheit in diesem Land ist nicht extrem, das haben die Demos gezeigt, als in den Städten tausende Menschen auf den Beinen waren. Die Wahlbeteiligung müsste höher sein, es geht auch um die schweigende Mehrheit. Frankreich hat es ja gerade im zweiten Wahlgang vorgemacht.
Revolverheld gibt es bereits über 20 Jahre. Wie, denken Sie, altert man in Würde im Musikbusiness?
Strate: Wenn wir jetzt anfangen Tik-Tok-Tanzvideos zu machen, dann wäre das lustig, aber komisch. Ich glaube, ein guter Weg ist, einfach seine Musik zu machen und die neuen Medien, die auftauchen, mit einzubeziehen. Oder, Ironie an, man lässt die Songs von der Künstlichen Intelligenz schreiben (lacht).
Anfang des Jahres haben Sie eine besondere Tour gespielt: In mittelgroßen Clubs und mit einem neuen Album, das es nur bei den Auftritten gab. Die Platte geht zurück zu den Wurzeln von Revolverheld, ist deutlich härter und rockiger. Hatten Sie keine Angst, viele Fans damit vor den Kopf zu stoßen?
Strate: Bedenken hatten wir schon ein wenig, aber dieses „R/H/1“-Album war etwas, das wir unbedingt machen wollten. Wir hatten Lust auf härtere Songs, in denen ich auch mal schreie. Mittlerweile haben wir die Freiheit, so etwas einfach zu tun. Viele haben sich gefreut und sich an alte Revolverheld-Zeiten erinnert gefühlt, vielleicht haben uns fünf Leute für verrückt erklärt, aber das ist dann auch in Ordnung.
Sie unterstützen Ihren Vater regelmäßig beim sogenannten Dünensingen auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog. Was hat es damit auf sich?
Strate: Im Jahr 1966 ist mein Vater das erste Mal auf die Insel gefahren, hat sich mit seiner Gitarre in die Düne gesetzt und mit Freunden Chansons gesungen. Am Anfang waren es 15 Leute. Inzwischen macht er es in den Sommer- und Herbstferien vier Mal die Woche und es kommen an die 500 Menschen. Es werden gemeinsam alte und neue Lieder gesungen. Für viele ist das schon Tradition. Wenn ich ihn dort besuche, bin ich einfach nur der Sohn des Dünensängers.
Was können die Fans beim Haigern-Live-Auftritt in Talheim erwarten?
Strate: Es wird Lieder aus unserer kompletten Karriere geben, das reicht von alten Hits bis zum aktuellen Olympia-Song.

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