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Haben wir wirklich alles probiert? - „Ich, Akira“ hat Premiere im Salon 3

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Im Monologstück „Ich, Akira“ blickt ein Hund kritisch auf die Radikalisierung seines Herrchens. Bei diesem handelt es sich um den ehemaligen veganen Starkoch sowie späteren Verschwörungsideologen und Rechtsextremisten Attila Hildmann. Am Samstag ist Premiere.

„Wir geben hier keine Lösung vor, wir machen keinen Aufruf, dies und das müsste getan werden“: Regisseurin Alina Sophie Schäfer mit Hauptdarsteller Richard Feist. Am Samstag ist Premiere von „Ich, Akira“ im Salon 3.
„Wir geben hier keine Lösung vor, wir machen keinen Aufruf, dies und das müsste getan werden“: Regisseurin Alina Sophie Schäfer mit Hauptdarsteller Richard Feist. Am Samstag ist Premiere von „Ich, Akira“ im Salon 3.  Foto: Mario Berger

Als der umstrittene Mannheimer Soul-Sänger Xavier Naidoo vor gut einer Woche erneut durch krude Äußerungen über Kannibalismus, Dämonen und die Hölle aufgefallen ist, hat das Alina Sophie Schäfer sehr wohl registriert. „Wenn der sich jetzt wieder zu Wort meldet, kommt Attila dann auch aus der Versenkung hoch?“, ging es der Regisseurin durch den Kopf. Attila, damit meint Schäfer den ehemaligen veganen Starkoch Attila Hildmann, der seit Beginn der Corona-Pandemie durch verschwörungsideologische sowie rechtsextreme Ansichten aufgefallen und 2021 von Deutschland in die Türkei geflüchtet ist, um sich einem Haftbefehl zu entziehen. 

Ein Hund als Identifikationsfigur für den Zuschauer

Wie konnte es soweit kommen? In „Ich, Akira“ ist es Hildmanns Hund, der kritisch auf sein Herrchen blickt und dessen Radikalisierung verfolgt. Ein Kunstgriff des Autorenduos Noëlle Haeseling und Leo Maier, um das Dilemma derjenigen zu verhandeln, die im nahen Umfeld erleben, wie jemand abdriftet. 2022 in Saarbrücken uraufgeführt, kommt das Monologstück in der Regie von Alina Sophie Schäfer nun in den Salon 3 mit Richard Feist in der Hauptrolle. Am Samstag ist die Premiere.

Der Hund als bester Freund des Menschen und als Identifikationsfigur. Je weiter die Handlung, desto mehr erkennt sich der Zuschauer in dessen Unvermögen zu kommunizieren wieder, hofft die Regisseurin. Denn Akira wendet sich zwar ans Publikum, kann sich seinem Herrchen aber nicht verständlich machen. „Wir sprechen häufig nicht miteinander, weil wir uns eben auch hilflos fühlen, obwohl wir die Sprache hätten, die dieser Hund nicht hat“, sagt Schäfer.

Biografisches zu Hauptdarsteller Richard Feist

Richard Feist, 1994 in Berlin geboren, wuchs mit den Muttersprachen Deutsch und Tschechisch auf. Von 2017 bis 2021 studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig und war Teil des Schauspielstudios am Staatsschauspiel Dresden. Seit der Saison 2024/25 ist Feist in Heilbronn engagiert. Er ist auch in „Die letzten Tage der Menschheit“, „Endstation Sehnsucht“, „Mord auf Schloß Haversham“ und „Romulus der Große“ zu sehen. 

Ensemble will mit Inszenierung einen Denkanstoß geben

Zwar versteht sich die Produktion nicht als Kindertheater. Gleichwohl, so Hauptdarsteller Richard Feist, geht die Ausstattung in diese Richtung. Der von ihm gespielte Husky trägt Fellmantel, Halsband und Stulpen. Auch hat die bunte, schrille Bühne „etwas von einem kindlichen Spielplatz“, erklärt Regisseurin Schäfer. Denn Akira agiere in seinem Hündischsein auch immer irgendwie kindlich, ist zudem hin- und hergerissen zwischen Wut und Liebe.

Wenn die Zuschauer nach Hause gehen und über das Stück diskutieren, dann ist das Ensemble zufrieden. „Wir geben hier keine Lösung vor, wir machen keinen Aufruf, dies und das müsste getan werden“, stellt Alina Sophie Schäfer klar. Wobei Richard Feist sehr wohl einen Denkanstoß formuliert, den er nach 75 Minuten gern mit auf den Weg geben möchte: „Haben wir alles probiert, oder wollen wir nicht nochmal über alle Möglichkeiten reden?“

Regisseurin Alina Sophie Schäfer: „Ich brenne für das Stück“

Seit zwei Jahren hat Schäfer mit dem Stoff geliebäugelt, darauf gestoßen ist sie über die Studiobühne Bruchwerk in Siegen, wo „Ich, Akira“ aufgeführt wurde, nachdem Schäfer dort tätig war. „Ich habe mir den Text dann mal geben lassen, um ihn durchzulesen.“ Seit 2023 ist die gebürtige Rheinländerin, die in Siegen und Paris Kultur- sowie Literaturwissenschaft studiert hat, Regieassistentin am Theater Heilbronn, 2024 hat Schäfer die Weihnachtsmatinee im Foyer im Großen Haus inszeniert.

Nun freut sie sich, dem Publikum im Salon 3 ein Stück zeigen zu können, „hinter dem ich stehe, für das ich brenne“. Wie sehr Alina Sophie Schäfer diese Chance für sich eingefordert hat? „Ich bin drangeblieben.“ Wenn mit dieser Spielzeit auch die Intendanz von Axel Vornam endet, zieht Schäfer weiter ans Schauspiel Frankfurt. „Nochmal als Assistenz aber auch mit eigener Regie.“

„Ich, Akira“

Monologstück für einen Hund mit einer Frage von Noëlle Haeseling und Leo Maier, Premiere: Samstag, 20 Uhr, Salon 3 des Theaters Heilbronn. Regie: Alina Sophie Schäfer, mit Richard Feist.

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