Bis 7. September läuft die Jahresausstellung vom Künstlerbund Heilbronn in den Räumen des Kunstvereins in der Kunsthalle Vogelmann. Vom 11. bis 25. August ist Pause, sonst ist die Schau Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt frei.
Gute Menschen bleiben immer schön
Die Jahresausstellung mit Arbeiten von Mitgliedern vom Künstlerbund Heilbronn widmet sich dem Thema „Vergehen“: ein Schaufenster des kreativen Schaffens regionaler Künstler.

Sie ist eine Plattform für Künstlerinnen und Künstler der Region: die Jahresausstellung des Künstlerbunds Heilbronn, kurz KBH. Ein Schaufenster der Bandbreite kreativen Schaffens seiner Mitglieder. Um die 80 zählt der Künstlerbund, 37 haben Arbeiten eingereicht. „Mehr hätten wir kaum hängen können“, sagt KBH-Vorsitzender Klaus Rensch. Gruppenausstellungen sind in der Tat so eine Sache. Zum einen legen sie Zeugnis ab von der Vielfalt, zum anderen gleichen sie einem Gemischtwarenladen.
Das Problem umschifft der Künstlerbund mit einer klugen Präsentation. Die Schau in den Räumen im Kunstverein Heilbronn, in denen der Künstlerbund zu Gast ist, ist ein Parcours mit Überraschungen. Nota bene, Künstlerbund und Kunstverein sind zwei Paar Stiefel: Das eine ist der Zusammenschluss regionaler Künstler seit 1949, das andere ein 1879 von Bürgern der Stadt gegründeter Verein zur Vermittlung zeitgenössischer nationaler und internationaler Künstler.
Die Vergänglichkeit allen Seins und Tuns
Bilder, Zeichnung, Skulptur, Collage, Installation, Fotografie: Fast alle Ausdrucksformen und Materialien sind vertreten, Videoarbeiten und Performance nicht. Das Generalthema der Jahresausstellung? „Vergehen“. Ein doppeldeutiger Begriff, der die Vergänglichkeit allen Seins und Tuns benennt, aber auch die Tat, das Verbrechen, die Grenzüberschreitung bedeutet. Das Gros der KBH-Mitglieder nimmt „Vergehen“ wörtlich als Verschwinden, Altern, Transformation, Verlust, und das auch mit Augenzwinkern. Oder als Ermahnung und Erinnerung an den Raubbau der Erde, durch Menschen gemacht.
37 Künstlerinnen und Künstlern gleichermaßen gerecht zu werden, ist schwierig. Einige Arbeiten stechen hervor an Esprit und Originalität, andere sind gefertigt in der bekannten Handschrift. In einer Mixed-Media-Technik auf Leinwand kondensiert Mia Strobel, was aus der Entfernung harmlos anmutet, Plastikmüll an einem Strand. Auch Gisela Postert setzt sich in ihren Radierungen mit der verletzten Erde auseinander. „Phönix in Grün“ nennt Christoph Röhm, ein neues Mitglied, eine Keramik-Skulptur, in Bezug auf den mythologischen Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche neu zu erstehen.
Eine echte Wiese versinnbildlicht die Evolution
Getreu dem Motto, gute Menschen bleiben immer schön, zeigt Petra Scheuermann die Vergänglichkeit als natürlichen Prozess in Ei-Tempora auf Leinwand. Auf einer Wandkonsole reiht Regine Weimar „Apfelhüllen“ aus Papierton auf, eine so ästhetische wie intelligente Arbeit. Paperclay, eine keramische Masse, hat die Wirkung von Porzellan, fein und poetisch. Holzbildhauer Rainer Lobitz indes hat einen Stamm, ein Fundstück, in einen männlichen Torso verwandelt.
Klaus Rensch assoziiert den Psalm „Der Mensch ist Gras“ als Installation, die an ein Hochbeet, aber auch Grab erinnert. Das wilde Gras, eine echte Wiese, versinnbildlicht die Evolution – und wird bis Ausstellungsende ab und zu gegossen. Eine Serie Fotodrucke von Kirsten Brunner thematisiert die Holunderbuschszene aus Kleists „Käthchen von Heilbronn“ als Ort der Vision und des Vergehens. Würde die Werbeikone der Stadt die Feuerprobe überstehen?
Reizvolle Spuren hinterlassen die auf Leinwand gestickten und übermalten Baumwollfäden von Bettina Roth-Engelhardt. Im nächsten Raum verdichtet Peter Lahr sein Majolika Fundbuch – Collagen, Zeichnungen, Fotografien – als Kommentar zu einem Kapitel untergegangener Industriegeschichte als Environment. Alex Christmann, KBH-Alterspräsident, ist mit 91 Jahren aktiv und hat mit einem Blumenstillleben die Vergänglichkeit der Schönheit als Schönheit der Vergänglichkeit auf Leinwand gebannt.
„Gaza 2025“ verweist auf ein unfassbares Vergehen
„Zeit vergeht – Kunst besteht“, ist das neue KBH-Mitglied Christian Kunz optimistisch und hat eine mehrteilige Installation nicht nur aus Uhren platziert. Mit „Gaza 2025“, Acryl auf Leinwand nach einem Pressefoto, verweist Ellen Lang auf ein unfassbares Vergehen.
„Klima“ heißt ein Acryl-Bild von Horst Strümann in abstrakt-impressionistischer Anmutung mit einer Horizontalen als Zentrum. Ein abgebrochener Ast, ein abgelegter Persianer-Mantel, aufgezogen auf ein Podest in Form eines griechischen Kreuzes: Die Objekt-Installation von Susanne Feix hat keinen Titel. Klaus Flachsbarth zeigt Makrofotografien, Stefanie Herrmann-Zakowski Zunderschwämme als Wandreliefs.
Wendelin Wolf ist ein weiterer Künstlerbund-Neuzugang. Sein Bronzeguss „Verwehen“ zeugt vom Gespür für Form und Raum. Und es gibt noch mehr zu entdecken.


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