Glücklich, aber nicht gut gelaunt: Comedienne Tahnee live in Heilbronn
Mit ihrem Programm „Blütezeit“ ist Tahnee am Sonntagabend zu Gast in der Heilbronner Harmonie. Was der Abend bietet? Einen klugen Mix aus infantiler Blödelei, feinsinnigem Humor - und ernsten Themen.

„Ich bin glücklich“, sagt Tahnee und lächelt. Seit Anfang 2023 ist die Comedienne mit Sängerin Juliette Schoppmann verheiratet. Und auch sonst läuft es rund. Aber mit dem Glück ist das ja so eine Sache, besonders in Deutschland, wo es ähnlich wie die Sexualität gehandhabt wird: „Ist ja schön, dass du es hast, aber behalt es für dich.“ Und überhaupt: „Nur weil ich glücklich bin, heißt das noch lange nicht, dass ich gute Laune habe“, schiebt die 32-Jährige hinterher. Der Startschuss für Tahnees aktuelles Bühnenprogramm „Blütezeit“, mit dem sie am Sonntagabend im fast ausverkauften Wilhelm-Maybach-Saal der Harmonie in Heilbronn zu Gast ist.
Von Siebträgermaschinen und Lifecoaches
Denn es gibt ja auch so vieles, über das man sich herrlich echauffieren kann. Den Hype um Siebträgermaschinen, inzwischen für viele ein Statussymbol, obwohl man eine Ewigkeit auf den Kaffee warten muss. Da lobt man sich doch die Version, die Oma damals gemacht hat: „Zwölf Löffel Kaffeepulver. Wasser. Fertig. Das war mehr ein Smoothie. Crystal Melitta. Jakobs Dröhnung.“
Oder Lifecoaches, die Unsummen verlangen und ihre „Hilfe“ dann mit einem vermeintlich positiv stimulierenden „Lach-Motorrad“ einleiten. Tahnee Schaffarczyk hat sich mittlerweile in der Comedy-Szene etabliert, arbeitet als Moderatorin, ist bekanntes TV-Gesicht. Mit leicht rheinländischem Zungenschlag nimmt die Comedienne den Zuschauer mit in einen klugen Mix aus infantiler Blödelei und feinsinnigem Humor, beides speist sich aus Erfahrungen und Alltagsbeobachtungen.
Tahnee beherrscht Parodien und Imitationen
Zwischen den Zeilen liegen bei Tahnee oft ernste Zwischentöne. Sie thematisiert die Angst, sich als Frau die Haare kurz zu schneiden, eine ADHS-Diagnose, die eigenen Neurosen und die Abhängigkeit von Social Media. Spricht über ihre Homosexualität – „Wenn du lesbisch bist und lässt dir die Haare kurz schneiden, dann bist du für die Leute noch lesbischer“ – , über abfällige Kommentare im Baumarkt, wo ein Mann irgendwo „ein Lesbennest“ vermutet. Tahnee bastelt daraus eine attenboroughische Tierdoku, in der zwei Lesbenweibchen zwischen Dachlatten und Teichfolie einen Balztanz vollführen.
Immer wieder kommt die Comedienne zu ihrer Paradedisziplin zurück: parodieren und imitieren. Schlagersängerinnen wären, so Tahnee, bestens geeignet, um Beziehungen zu beenden – im schmachtenden Helene-Fischer-Schlussmach-Song heißt es dann: „Du bist die Qualle am Strand von Malle“. Reality-TV-Star und Society Lady Claudia Obert wird angeschickert zur Bestatterin und Telefonseelsorgerin, Angela Merkel geht mit Alice Weidel ins Zwiegespräch über Queerness. Gelungen auch ein romantisch-erotischer Ausflug. Mit Perücke, Fahrradhelm und lachsfarbenem Kleid wird Tahnee zur Autorin Marianne R. Weingard, die mit zwei Personen aus dem Publikum die Handlung von „Blütezeit – Eskapaden im Rapsfeld“ weiterspinnt.

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