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Neue Kunst im Hagenbucher

Fressen und gefressen werden

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Warum Natur weder gut noch böse ist - und wie eine Rauminstallation von Ulrike Donié bei der Neuen Kunst im Hagenbucher in Heilbronn eine bedrohliche Atmosphäre schafft.

„Die Natur braucht uns nicht – der Mensch braucht die Natur“: Ulrike Donié schafft so bedrohliche wie ästhetisch spannende Räume in der Kleiststraße.
„Die Natur braucht uns nicht – der Mensch braucht die Natur“: Ulrike Donié schafft so bedrohliche wie ästhetisch spannende Räume in der Kleiststraße.  Foto: Lina Bihr

Sieht aus wie Natur, ist es aber nicht. Die Objekte, die Ulrike Donié zu einer Rauminstallation arrangiert, sind Abstraktion. Und wirken doch in ihrer Ambivalenz wie Algenkulturen, wie Greifvögel, wie ein Pfau, der ein Rad schlägt. Aber etwas stimmt nicht in dem bedrohlichen Szenario in der Künstlerwohnung der Neuen Kunst im Hagenbucher in der Kleiststraße. Kongenial eignen sich die drei Räume in der spartanisch leeren Wohnung für das, was Ulrike Donié umtreibt.

Zwar malt die Künstlerin aus Linz am Rhein auch, hier aber realisiert Donié nicht mit großformatiger Malerei Wirkung, sondern mit geformten Materialien aus Bauschaum und Draht, mitunter nutzt sie Styropor und Wasserrohre, um dystopische Naturlandschaften zu schaffen. Die wie menschenleere Urlandschaften, auch Unterwasserlandschaften eine spannungsreiche Atmosphäre verströmen. Diese künstlich gefertigten Landschaften ohne Menschen, oder auch die Vorstellung einer Lebenswelt, bevor es den Menschen gab, dürften beim Betrachter ganz unterschiedliche Assoziationen und Gefühle evozieren.

Am Kipppunkt

Ganz egal, ob man an die Öl verklebten Flügel eines Vogels denkt nach einer Tankerhavarie, an Urschlamm, an Muschelformen, an Hitchcocks Vögel, - manches Objekt unterhalb der Decke scheint seine Flugbahn durch den Raum zu nehmen -, die Qualität der Arbeit von Ulrike Donié besteht auch darin, dass ihr Kosmos von großer Ästhetik ist. Eine verblüffende Doppeldeutigkeit aus Schwer und Leicht, aus Schwarz und Poesie, wie überhaupt die Ambivalenz der Schlüsselbegriff ist für ihr Kunstverständnis.

„Natur ist weder gut noch böse“, sagt Ulrike Donié. „Natur ist Fressen und Gefressen werden.“ Und so ist diese Natur einer Rauminstallation erst einmal kein politisches Statement. „Meine Haltung: Der Mensch darf sich die Natur erobern.“ Als Raum, der menschliches Leben möglich macht. Jetzt aber kommt der Kipppunkt, den wir gerne übersehen, in unserer Gier, in unserer Ignoranz. „Die Natur braucht uns nicht: Der Mensch braucht die Natur.“ Es ist das altbekannte Lied: „Wir erkennen durchaus Kreisläufe, zerstören sie dennoch.“ 

„Wir romantisieren Natur, wir verharmlosen sie.“

Doniés künstlerisch-abstrakter Umgang mit Natur ist dabei kein moralischer Fingerzeig. Sie zeigt, wie Natur ist: mitunter bitumenschwarz, also tiefschwarz. Die Krux unseres Naturbildes? „Wir romantisieren Natur, wir verharmlosen sie.“ Doniés Fantasieobjekte indes stammen nicht aus dem Garten Eden, sondern aus der Spritzpistole.

Wer sie anfasst und anhebt, ist verblüfft: Diese Module aus Bauschaum sind leicht, kommen aus der Tube wie Spritzsahne. Ulrike Donié wartet dann den gewissen Moment ab – und bearbeitet wie Teig das Material. Wie gesagt. „Ich will Natur nicht abbilden. Ich provoziere den Gedanken an Natur.“

Nicht nur in Sachen Kaufkraft mischt Heilbronn ganz vorne mit.

Wie sie mit ihrer Installation nach Heilbronn kommt? Sie hat sich initiativ bei Mechthild Bauer-Babel vorgestellt, der Grande Dame hinter der Neuen Kunst im Hagenbucher, die bundesweit einen guten Ruf genießt. Nicht nur in Sachen Kaufkraft mischt Heilbronn ganz vorne mit.

Ausstellungsdauer

Kleiststraße 17, bis 25. April, Donnerstag und Samstag von 16 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung, Telefon 07131 16 31 94, weitere Infos unter www.neue-kunst-im-hagenbucher.de.

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