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Kunst in der Region
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Figuren wie aus dem Leben gegriffen

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Zum 90. Geburtstag der Künstlerin Gabriele Wanner und warum die Engagierte einst den Künstlerbund Heilbronn als Vorsitzende öffnete.

Gabriele Wanner in ihrer Zeit als Künstlerbund-Vorsitzende Anfang der 2000er-Jahre.
Gabriele Wanner in ihrer Zeit als Künstlerbund-Vorsitzende Anfang der 2000er-Jahre.  Foto: privat

Die nicht selten skurrile Seite menschlicher Beziehungen hat es Gabriele Wanner angetan. Nicht von ungefähr studiert die gebürtige Stuttgarterin Psychologie in Tübingen. Aber das soll ihr nicht reichen. Kunst im Allgemeinen und der künstlerische Ausdruck im Speziellen haben Wanner immer schon interessiert. Und so wird sie ein weiteres Studium in Stuttgart absolvieren als Fachlehrerin und Kunsterzieherin. Auch erhält Wanner einen Lehrauftrag für Plastisches Gestalten am Staatlichen Fachseminar Reutlingen, gibt später Bildhauer- und Malkurse im eigenen Atelier.

Mehr als 40 Ausstellungen im In- und Ausland

Bevor Gabriele Wanner nach Heilbronn zieht, wo sie seit langem lebt, unterhält sie 20 Jahre, von 1992 bis 2012, ein Atelier in Cleebronn, gemeinsam mit einer Künstlerfreundin. Und beginnt, sich als freischaffende Künstlerin einen Namen zu machen. Bis heute ist Wanner Mitglied im Künstlerbund Heilbronn, hat mehr als 40 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland realisiert. Nach einer Halswirbel-Operation produziert sie selbst nicht mehr, Wanners Neugier für Kunst und das künstlerische Leben in der Region indes ist ungebrochen. 2024 war ihre vorläufig letzte Ausstellung im KBH zu sehen.

Wanners Plastiken aus gebranntem Ton und mit Acryl- oder Ölfarbe bemalt regen zum Schmunzeln an, aber auch zum Darüber-hinaus-Reflektieren über den Menschen, seine Macken, mitunter auch über die Absonderlichkeiten der Tierwelt, wenn Möpse nachgerade menschliche Züge annehmen. Vor einigen Jahren, während Corona, entdeckt Wanner die experimentell-abstrakte Malerei für sich. Trägerin des Integrationspreises des Landes Baden-Württemberg ist die Engagierte zudem. Ab 2015 unterrichtet sie viele Jahre Asylsuchende in Deutsch. 

Aus Konkurrenz wird Miteinander

Kurz, dafür von nachhaltender Wirkung, treibt Gabriele Wanner als Vorsitzende des Künstlerbunds Heilbronn von 2002 bis 2005 die Öffnung des Vereins voran, krankheitsbedingt gibt sie den Vorsitz ab. Mitglied im Künstlerbund ist sie seit 1998. Unter ihrer Ägide gewinnt der KBH neue Mitglieder, bahnen sich Kooperationen an. Aus mitunter  angespannter Konkurrenz wird das verbindliche Miteinander, das den Spirit des Künstlerbundes bis heute ausmacht.

Markenzeichen roter Kurzhaarschnitt

Als großangelegte Projekte bleiben bis heute die zwei offen ausgeschriebenen Afrika-Ausstellungen in Erinnerung:  „Das war mir sehr wichtig, nicht so isoliert zu bleiben.“ „Blick nach Afrika (2002)“ und „2. Blick nach Afrika“ (2003), beide Schauen finden im damaligen Hagenbucher-Gebäude statt, lösen überregionale Resonanz aus.

Heute wird die engagierte, streitbare Künstlerin und Mutter zweier erwachsener Kinder 90 Jahre alt. Lange ist ihr roter Kurzhaarschnitt ein Markenzeichen. Aber auch ohne rotes Haar scheint Gabriele Wanner wenig aufgegeben zu haben von ihrer Vitalität. 

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