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Es lebe die Bühne, Kunst in der Zigarre und die offene Gesellschaft

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In Deutschland besuchen immer mehr Menschen Theater und Konzerte, wo Fotografie und Malerei aufeinander treffen und wie ein gebürtiger Oldenburger und Sohn indisch-pakistanischer Eltern den Islam erlebt.

Fotografie und Malerei von Eckhard Voth – hier: „Blick vom Schellfischposten auf den Hamburger Hafen“ – sind am Wochenende in der Zigarre in Heilbronn zu entdecken.
Fotografie und Malerei von Eckhard Voth – hier: „Blick vom Schellfischposten auf den Hamburger Hafen“ – sind am Wochenende in der Zigarre in Heilbronn zu entdecken.  Foto: Eckhardt Voth

Man darf sich die Zahl auf der Zunge zergehen lassen: 25,3 Millionen Mal wurde in der Spielzeit 2023/24 in Deutschland ein Theater, ein Konzert oder Festival besucht. Das entspricht einer Steigerung um 13 Prozent zum Vorjahr und straft jene Lügen, die meinen, das Live-Erlebnis in Zeiten von Social Media sei verzichtbar.

Erfreuliche Besucherentwicklung - auch in Heilbronn

Der Deutsche Bühnenverein, das ist der Bundesverband der Theater und Orchester, hat just die Statistik 2023/24 veröffentlicht. Wie das so ist mit Statistiken, aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor. Die Besucherentwicklung aber ist erfreulich. Auch stiegen die Betriebseinnahmen der Theater in öffentlicher Trägerschaft – und das um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während sich Zuweisungen und Zuschüsse um 8,4 Prozent erhöhten.

Doch darf nicht vergessen werden, dass seit Ende 2024 die Theater und Orchester bei generell steigenden Kosten mit drastischen Einsparungen kämpfen. Ein Blick nach Heilbronn: 2024 besuchten knapp 140 000 Zuschauer das Theater, 2025 waren es 145 000.

Der Charme von Industrieanlagen und Unkraut

Die Wirkung ist frappant: Klassische Belichtungen mit Silbergelatine auf gemalten Hintergründen. Bei den Bildern von Eckhard Voth treten das Schwarzweiß der Fotografie mit der farbigen Abstraktion der Malerei in Dialog, treffen die vermeintliche Ordnung und das, was wir als Chaos empfinden, aufeinander. Im Sheddachraum der Zigarre im Künstlerhaus Heilbronn in der Achtungstraße sind diese Impressionen am Samstag und Sonntag noch einmal zu sehen, von 17 bis 19 Uhr. Rund 45 mittelgroße Formate stellt Voth aus. Geboren 1960 in der Alten Hansestadt Lemgo, lebt Voth in Heilbronn, das Atelier hat er in der Nähe von Schwabach/Mittelfranken in einem Industriebau.

Seine Motive seit über 30 Jahren: Industrieanlagen, Stadtansichten, Pflanzen. Angeregt durch die Sachlichkeit des Fotografenpaares Bernd und Hilla Becher, entstehen Ansichten verwandelter Anlagen und Hallen, auch (Un)krautmotive, die eigentümlich feierlich anmuten. Mal koloriert Voth seine Arbeiten zart, mal überarbeitet er sie kraftvoll pastos, was an die Technik des Action Painting erinnert, wenn Farbe auf die Leinwand tropft.

„Was haben Sie gegen Muslime“

Manchen ist allein der Name verdächtig, so dass sie Hasnain Kazim unter Generalverdacht stellen. Andere sehen in seiner kritischen Auseinandersetzung ein Zeichen dafür, Kazim hasse den Islam. „Was haben Sie gegen Muslime“, unterstellen sie. Der gebürtige Oldenburger und Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer hat sein journalistisches Handwerk bei der Heilbronner Stimme gelernt, für die Deutsche Presse Agentur aus Dehli berichtet und als „Spiegel“-Korrespondent aus Islamabad, Istanbul und Wien. Jetzt meldet sich der Autor zahlreicher Bücher mit seinem jüngsten Band zu Wort. „Der Islam und ich“ (Penguin Verlag, 123 Seiten, 20 Euro). Luzide Beobachtungen zu den dringlichen Debatten unserer Zeit.

„Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen“

Hasnain Kazims Fazit: „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von reflexhaften Vorwürfen der Fremdenfeindlichkeit oder der ,Islamophobie‘, und gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass diese Religion, wie jede andere auch, einen Platz hat und viele Anhänger, auch in unserer Gesellschaft.“ Ein Plädoyer dafür, sich offen zu behaupten zwischen einem erstarkenden politischen Islam und wachsendem Fremdenhass und Rechtsextremismus. 

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