„Es geht voran“: Wie Imagis aus Heilbronn als Produktionsfirma für Filme und Serien Fuß fassen will
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Die Heilbronner Produktionsfirma Imagis hat eine Sparte für fiktionale Formate gegründet und sucht in diesen Tagen auf der Berlinale nach Partnern für Film- und TV-Projekte. In den USA soll es bereits Gespräche mit einem „Stranger Things“-Darsteller gegeben haben.
Seit Mittwoch mit einer Mappe voller Projekte unterwegs auf der Berlinale: Joshua Krull, Geschäftsführer Fiction bei Imagis.
Foto: Marcus Goldhahn
„Ja, es ist schwierig, aber wir müssen einfach nur durchhalten“, glaubt Joshua Krull fest an einen Erfolg mit Spielfilmen und Serien. Krull ist einer von vier Gesellschaftern bei Imagis. 2010 gegründet, aus der Unternehmenskommunikation kommend und zuletzt in Neckarsulm ansässig, bezog Imagis kürzlich seinen neuen Sitz im Otthello-Stadthaus an der Heilbronner Allee gegenüber des Stadttheaters.
Und auch ihr Profil hat die Produktionsfirma nun trennschärfer definiert: Mit der Sparte Imagis Brands soll auch weiterhin der Bereich Werbung abgedeckt werden, mit Imagis Fiction haben Krull und seine Partner Michael Stadler, Maximilian Föll und Arne Junker daneben eine eigene Marke für fiktionale Formate ins Leben gerufen. Unter anderem einige Kurzfilme sowie ein Musikvideo mit Latin-Popsängern in Spanien und der Karibik haben die Filmemacher in der Vergangenheit bereits realisiert.
Umzug
Das Brot- und Buttergeschäft von Imagis sind Werbefilme. Weil ein Großteil der Unternehmenskunden in Heilbronn sitzt, ist der Umzug von Neckarsulm an die Heilbronner Allee nach den Worten von Michael Stadler sinnvoll gewesen. „Es ist ja ein offenes Geheimnis: Wir arbeiten relativ viel im Kosmos der Dieter-Schwarz-Stiftung“, sagt der Imagis-Gesellschafter.
Auf 120 Quadratmeter sind nun ein Bürobereich, ein Konferenzraum, ein Schnittstudio und ein Lager untergebracht in der neuen kreativen Zentrale der Produktionsfirma im Otthello-Stadthaus, wo einst eine der letzten Heilbronner Videotheken stand. „Es ist schön, dass wir jetzt da sind, wo früher Filme verliehen und verkauft wurden“, sagt Joshua Krull.
Wenn Krull in diesen Tagen die 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin besucht, will er aber nicht nur die Sparte Imagis Fiction bekannt machen. In seiner Mappe dabei hat der studierte Filmregisseur vor allem einige neue Projekte, von denen er Verleiher, Vertriebe, Sender und Co-Produzenten überzeugen möchte.
Michael Stadler und Maximilian Föll (von links) halten derweil die Stellung am neuen Standort von Imagis im Otthello-Stadthaus an der Heilbronner Allee.
Foto: Seidel, Ralf
„Es ist natürlich eine sehr geringe Chance“: Steigt ein „Stranger Things“-Darsteller bei einem Imagis-Projekt mit ein?
Eines der größten Vorhaben trägt den Titel „Domino“. Kinder drehen in der Schule einen Film und engagieren dafür aus Versehen einen internationalen Superstar, umreißt Joshua Krull die Spielfilm-Idee. Am Drehbuch, so der 31-Jährige, schreibt derzeit eine Autorin aus Berlin, in den USA war Krull, um einen Darsteller der Netflix-Serie „Stranger Things“ für die Rolle des Starschauspielers zu gewinnen. „Es ist natürlich eine sehr geringe Chance, aber es war ein wirklich gutes Gespräch, am Ende ist es immer eine Geldfrage“, sagt der gebürtige Nordrhein-Westfale. Auf zwei bis drei Millionen Euro schätzt er die Kosten für „Domino“.
Auch um eine Förderung bei der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg für „Domino“ ist Imagis bemüht. „Um so eine Förderung zu bekommen, muss klar sein, dass so ein Film nicht in der Versenkung landet. Das heißt, wir müssen erst mal einen Vertrieb finden. Das ist, was ich auf der Berlinale versuche“, erklärt Joshua Krull.
„Apple war mal interessiert, aber sie haben gesagt, sie würden daraus einen Thriller machen.“
Joshua Krull
Von Berlin geht es direkt weiter nach London und im Mai dann nach Cannes
Bis nächste Woche am Sonntag will er beim Branchentreff also Klinken putzen. Der Kalender ist voll. „Ich habe 15 Termine am Tag.“ Ob der Regisseur nebenbei Zeit findet, um Filme anzuschauen? „Ich probiere es“, sagt Krull, der dafür drei Tage eingeplant hat, „mein Rekord sind 72 Filme in zehn Tagen. Das schaffe ich dieses Mal nicht“. Danach fliegt er weiter nach London zur Fernsehmesse MIP. Auch die Filmfestspiele von Cannes stehen auf der Liste von Krull, Stadler und Föll.
Weitere Projekte in der Entwicklung bei Imagis sind etwa ein Jugendfilm mit dem Titel „Bis wir uns wiedersehen“, für den das Team aus Heilbronn mit einem freien Produzenten zusammenarbeiten. „Da gibt es schon ein Drehbuch und eine Regisseurin. Wir sind tatsächlich schon dabei, das durchzukalkulieren, Drehpläne zu machen und Produktionsförderung zu beantragen“, berichtet Joshua Krull. Werben will er in Berlin, London und Cannes auch für „Nadie Duerme En El Tren“, eine Adaption des Romans „La línea“ der US-amerikanischen Autorin Ann Jaramillo. Die Handlung: Zwei jugendliche Geschwister aus Mexiko machen sich auf den Weg über die Grenze in die USA.
„Das, was man braucht, um Filme zu machen, sind Storys, und die sind wir gerade permanent am Entwickeln“: Joshua Krull tüftelt im Büro in Heilbronn an neuen Ideen.
Foto: Seidel, Ralf
Von negativem Feedback lässt sich Imagis nicht unterkriegen
Schon fertig ist wiederum die Pilotfolge für eine Comedyserie mit dem Titel „Ni Tan Raro“, für die in Mexiko und Miami gedreht und die von Imagis co-produziert wurde. Was Joshua Krull als Coming-out-Geschichte mit sehr direktem, lateinamerikanischem Humor beschreibt, hat auch schon ein Drehbuch für eine ganze Staffel. Die Herausforderung sei nun, jemanden zu finden, der das als quasi fertiges Produkt nimmt, erklärt Michael Stadler. Generell steigen mögliche Partner gerne frühzeitig in ein Projekt ein, um noch viel mitzubestimmen können. „Apple war mal interessiert, aber sie haben gesagt, sie würden daraus einen Thriller machen“, erzählt Krull.
„Das, was man braucht, um Filme zu machen, sind Storys, und die sind wir gerade permanent am Entwickeln“, sagt der Regisseur und Produzent. Von Absagen nach ernsthaften Gesprächen mit etablierten Playern auf dem Markt lassen sich die Verantwortlichen bei Imagis nicht entmutigen. Die Begründung hören sie sich jeweils genau an. „Dieses Feedback können wir nehmen und einarbeiten“, sagt Michael Stadler. „Es geht voran“, findet Joshua Krull.
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