Martin Panteleev wurde 1976 in Sofia in eine Musikerfamilie geboren und erhielt mit vier Jahren ersten Geigenunterricht. Später studierte er an der Nationalen Musikschule in Sofia und an der Staatlichen Hochschule für Musik. 1999 wurde Panteleev Erster Gastdirigent und Solist der von Leonard Bernstein und Justus Frantz gegründeten Philharmonie der Nationen. Von 2011 bis 2017 Chefdirigent des Sofia Philharmonic Orchestra, ist Panteleev seit 2018 Erster Gastdirigent der Würth Philharmoniker. Panteleev arbeitet mit internationalen Orchestern und ist auch als Komponist erfolgreich.
Eingängige Melodien zum Jahresende
„Festliche Klänge“ mit den Würth Philharmonikern und einem bestens aufgelegten Dirigenten im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau - und warum Corelli, Vivaldi, Tschaikowski und mehr immer wieder berühren.

Arcangelo Corellis Ruhm zu Lebzeiten muss extraordinär gewesen sein, seine Instrumentalmusik in ganz Europa beliebt, bis an den kaiserlichen Hof Chinas reichte die Anerkennung. Mit seinem „Weihnachtskonzert“ vermag der Komponist (1653-1713) auch heute zu verzaubern. In Musik gegossene Frömmigkeit einerseits, aber auch italienisch-barocke Leichtigkeit – und der Auftakt zum Konzert mit den Würth Philharmonikern.
„Festliche Klänge“ ist der späte Samstagnachmittag im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau überschrieben, vier Tage vor Heiligabend. Zum Jahresende dürfen die gewählten Stücke eingängig klingen, aber auf hohem Niveau, von Corelli über Vivaldi und Mozart zu Debussy, weiter dann mit Delius und Tschaikowski zu Rachmaninow und Leroy Anderson. Vom 17. ins 20. Jahrhundert geht die winterlich musikalische Reise, wenngleich man sich verschneite Schlittenfahrten durch stille Nächte bei den milden Temperaturen nur erträumen mag.
Unterschiedliche Musikertemperamente
Aber darum geht es, um Traumwelten, die die Würth Philharmoniker unter der Leitung von Martin Panteleev im Wortsinn spielerisch erschaffen. Corellis Concerto grosso in g-Moll, sein Händchen für Molltonarten und Seufzermotive, sprechen Gefühle an. Dirigent Panteleev und Catalin Desaga, der Konzertmeister der Würth Philharmoniker, führen ihre Violinen im Zwiegespräch, atemberaubend sich ergänzend und dabei doch unterschiedliche Musikertemperamente. Immer wieder stößt das Violoncello von Alexandre Bagrintsev dazu – im Wechselspiel mit dem Orchester bis hin zur Pastorale, mit der Corellis „Weihnachtskonzert“ volkstümlich schlicht und eindringlich endet. Dem begeisterten Applaus folgt eine Zugabe von Desaga und Panteleev, man möchte den abgenutzten Begriff Teufelsgeiger für die beiden verwenden.
Ein Geigenvirtuose mit brillanter Technik ist auch Gastsolist József Lendvay. Wie treibend dynamisch er den Klassiker „Der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ interpretiert, beeindruckt und reißt mit. Beiläufig aus dem Handgelenk und in atemberaubender Geschwindigkeit führt Lendvay den Bogen, setzt scharfe Dissonanzen, lässt Violinläufe zittern.
Ein recht robuster Mozart
Befremdend robust klingen danach „Drei deutsche Tänze“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der eigentümlich getragenen Intonation der Würth Philharmoniker. Als ein Klanggemälde zwischen Impressionismus und Jugendstil gefällt dann Claude Debussys „Clair de lune“ aus der Suite bergamesque nach einem Gedicht von Paul Verlaine. André Caplet hat das Klavierstück seines Freundes Debussy orchestriert, ruhig markieren die Würth Philharmoniker, wie sich in entrückt romantischen Klängen die frühe Moderne des 20. Jahrhunderts ankündigt.
In der Pause hat Martin Panteleev das knielange, graue Hemd gegen einen schwarzen Frack getauscht. Mit „Sleigh Ride (Winter Night“) von Frederick Delius, ein britischer Spätromantiker, dessen Vater aus Deutschland ausgewandert war, geht es Richtung Weihnachten. Eine Piccoloflöte eröffnet diese Schlittenfahrt, flott wie Filmmusik erklingt sie mit den Würth Philharmonikern, bestens aufgelegt führt der Dirigent, dämpft ab und zu mit der linken Hand. Bis ein Handyton aufschreckt, wohl in den Reihen des Orchesters. Abbruch, „wir konzentrieren uns jetzt auf ,Schwanensee’“ sagt geistesgegenwärtig der musikalische Leiter, um sich umgehend charmant zu korrigieren: auf Tschaikowskis „Der Nussknacker“.
Der bezaubernde Tanz der Rohrflöten
Nach der überraschend forschen Ouvertüre gelingen die einzelnen charakteristischen Tänze aus der „Nussknacker“-Suite umso meisterlicher, vorzüglich hier die Dynamik nicht nur der Holzbläser. Insbesondere der Tanz der Zuckerfee, Russischer Tanz und der Tanz der Rohrflöten bewegen. Melancholisch, anrührend wie ein Ausrufezeichen gelingt als nächstes die Vocalise aus Rachmaninows „Romanzen“ und empfiehlt sich Catalin Desaga als ernster Rachmaninow-Violinist.
Peitschenknall Heiter mit Leroy Anderson (1908-1975) endet der Abend mit lautmalerischem Peitschenknall, Wiehern und Geklapper von Hufen in „Sleigh Ride“. Sowie mit der Konzertouvertüre „A Christmas Festival“, in der Anderson bekannte Weihnachtsmelodien adaptiert wie „Stille Nacht“ und „Jingle Bells“. Jubel und Applaus.

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